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Artikel und Hintergründe zum Thema

Profibus & Profinet

Günter Herkommer,

Rückblick auf die PI-Konferenz 2017

Ende März fand in Frankfurt die fünfte PI-Konferenz statt. Die zentrale Frage während der zweitägigen Veranstaltung: Welche Rolle können Profibus und Profinet künftig bei der Vernetzung der Industrie 4.0 spielen?

© Profibus Nutzerorganisation

Rund 300 Teilnehmer waren am 22. und 23. März nach Frankfurt a. M. gekommen, um sich in der Commerzbank-Arena über Trends und Innovationen rund um die Technologien von Profibus und  Profinet zu informieren. In seiner Eröffnungsrede bemühte Karsten Schneider, Vorstandsvorsitzender der Profibus-Nutzerorganisation (PNO), zunächst die Zahlen: „Vor zwei Jahren wurden noch mehr Komponenten mit Profibus in den Markt gebracht – mittlerweile verkaufen die Hersteller deutlich mehr Geräte mit Profinet. Das bedeutet: Ethernet in der Industrie ist in der Breite angekommen.“ Dieser Trend spiegelt sich zudem in den Zertifizierungsaktivitäten wieder: Während die Anzahl der erteilten Zertifikate für Profibus-Geräte in den letzten Jahren relativ konstant ist - pro Jahr sind es rund 150 – steigt die Zahl der Profinet-Zertifikate kontinuierlich an;  konkret wurde in 2016 erstmals die Schwelle von 500 überschritten. Besonders hervorzuheben sei, dass zunehmend Zertifikate an internationale Hersteller erteilt würden.

Ungeachtet der nach wie vor steigenden Knotenzahlen sowohl bei Profinet als auch beim Profibus stellt man sich aber auch innerhalb der ‚PI-Gemeinde‘ angesichts der im Kontext der industriellen Kommunikation omnipräsenten Schlagworte wie OPC UA, TSN & Co. selbstkritisch die Frage nach der eigenen Daseinsberechtigung. PNO-Vorstand Dr. Frithjof Klasen hierzu: „Auf der PI-Konferenz vor zwei Jahren haben wir auch schon über Industrie 4.0 gesprochen – damals war das Thema aber noch sehr nebulös und wir wussten nicht, welche Rolle wir dabei in der Zukunft spielen. Sprich wir haben uns durchaus die Frage gestellt, ob man uns irgendwann nicht mehr braucht!“ Aus heutiger Sicht laute die klare Antwort: „Wir – respektive die Profibus- beziehungsweise Profinet-Technologie – werden auch in Zukunft notwendig sein, um die Daten aus der Feldebene schnell ‚nach oben‘ zu bringen.“

Dass Ethernet TSN trotzdem mehr und mehr an Bedeutung gewinnt und auch die Grundlage der industriellen Kommunikation bilden wird, will man dabei gar nicht wegdiskutieren. Xaver Schmidt, Leiter der neu gegründeten Working Group (WG) Industrie 4.0, ist es aber wichtig, in diesem Zusammenhang zu betonen: „TSN betrifft nur den Layer 2 des ISO/OSI-Schichtenmodells und kann daher aus heutiger Sicht keinen Feldbus beziehungsweise die auf Layer 7 angesiedelten Anwendungsschichten und damit einhergehend die bewährten Profile ersetzen“. Was in den Augen von Schmidt im Zusammenhang mit TSN derzeit zu wenig diskutiert werde, ist das Thema Konfiguration – sein Statement hierzu: „Das ‚Ding‘ läuft nicht von selber! Wir bei PI werden den Ansatz verfolgen, die TSN-Konfiguration in das normale SPS-Engineering zu integrieren.“ Weitere Punkte, mit denen sich die die WG 4.0 derzeit neben TSN und OPC UA beschäftigt,  sind die Aspekte   Semantik, Security und IPv6. Was Letzteren betrifft, ergänzt Schmidt: „Mit IPv6 ergeben sich neue Möglichkeiten der Auto-Adressierung, das heißt die Geräte können sich damit selbst Adressen vergeben. Aktuell sind wir auf der Suche nach Experten, die diesbezüglich mit uns geeignete ‚Use Cases‘ ausarbeiten.“

Auf den Punkt gebracht: „Industrie 4.0 ist kein Selbstläufer, sondern erfordert viele Detailarbeiten wie etwa die Abstimmung mit internationalen Normen, die Erarbeitung von Kompatibilitätskonzepten oder auch die Definition von Security-Anforderungen“, so Karsten Schneider. Unter anderem werde derzeit zum Beispiel gemeinsam mit Anwendern, Forschung und Behörden die Standardisierung der Ethernet-in-the-Field-Kommunikation in der Prozessautomatisierung auf Basis des Standards IEEE 802.3 vorangetrieben, was letztlich auch den Einsatz von Ethernet im Ex-Bereich ermöglichen soll. „Bei der entstehenden Lösung handelt es sich aber um keinen neuen Feldbus, sondern lediglich um einen neuen  Physical Layer“, betont Karsten Schneider. Als Vorbereitung dafür seien auch die derzeit laufenden Arbeiten am Profibus-PA-Profil 4.0 zu sehen, mit dessen Fertigstellung bis Ende 2017 zu rechnen sei. Schließlich finden derzeit Abstimmungsgespräche mit der ODVA und der Fieldcomm Group über eine gemeinsame Marschroute zum Thema Ethernet in der Prozessautomatisierung statt. Schneider hierzu: „Die PNO wird das Thema zwar treiben, aber es würde keinen Sinn machen, wenn wir hier etwas Eigenes machen wollten. Unser Ziel ist, das Ganze bis in drei Jahren hinzubekommen.“

Schließlich wurden auf der PI-Konferenz neben den genannten Zukunftsthemen zahlreiche Praxisbeispiele präsentiert, zum Beispiel dahingehend wie Asset-Management-Funktionen in Profinet die Inbetriebnahme und Instandhaltung in der Automobilindustrie erleichtern, wie man mit Profibus PA die Rapsölproduktion optimieren kann oder wie IO-Link die Greifertechnologie in Robotern um ein Vielfaches beschleunigt. Und nicht zuletzt lieferte die begleitende Ausstellung der Präsenzpartner genügend Material für ein intensives Networking und den Austausch über die Technologieentwicklung, Anwendung und Zukunft der PI-Technologien.

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