Elektro- und Digitalindustrie
Zögern bei Engagement in der Sicherheits- und Verteidigungsbranche
Trotz wachsender sicherheitspolitischer Bedeutung bleibt das Engagement der Elektro- und Digitalindustrie in der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (SVI) begrenzt. Das zeigt eine aktuelle Mitgliederbefragung des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI).
Demnach stehen derzeit über 60 Prozent der befragten Unternehmen der Branche noch auf Distanz zur SVI. Zwar pflegt gut ein Drittel Geschäftsbeziehungen in diesem Bereich, der durchschnittliche Umsatzanteil liegt jedoch lediglich bei rund fünf Prozent.
Als zentrale Hindernisse nennen die Unternehmen vor allem eine zu hohe regulatorische Belastung (47 %) sowie komplexe und langwierige Beschaffungsprozesse (41 %). ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel kritisiert: „Trotz der vor drei Jahren ausgerufenen Zeitenwende haben wir es verpasst, die Regulatorik an die neuen geopolitischen Realitäten anzupassen.“ Die Folge sei, dass die SVI für viele Firmen weiterhin kein attraktives Geschäftsfeld darstelle.
Dabei wachse die Bedeutung elektronischer Komponenten in der Verteidigung stetig – laut ZVEI liegt ihr Anteil an der Ausrüstung bereits bei knapp 20 Prozent. Kegel betont: „Eine Modernisierung des Militärs und eine Erhöhung der Verteidigungsfähigkeit geht nur mit den Produkten unserer Mitgliedsunternehmen.“
Gleichzeitig zeigen sich erste Anzeichen für eine stärkere Beteiligung: Fast jedes vierte Unternehmen (23 %), das bislang nicht im Verteidigungsbereich aktiv ist, plant künftig ein größeres Engagement. Weitere 19 Prozent sind noch unentschlossen.
Kritisch sehen die Unternehmen insbesondere die weitreichenden Auflagen, die auch das zivile Geschäft beeinträchtigen. Der Maßnahmenkatalog der Bundesregierung zur Reform des Beschaffungswesens greife nach Einschätzung des ZVEI zu kurz. Kegel fordert unter anderem differenziertere Regeln bei der Rüstungsexportkontrolle für Zulieferer sowie eine Beschleunigung von Beschaffungsprozessen.
Darüber hinaus regt der Verband eine Diskussion über höhere lokale Wertschöpfungsanteile bei sicherheitskritischen Produkten an („local content“).
Die Befragung wurde im Mai 2025 unter 93 Unternehmen durchgeführt, die zusammen rund 18 Prozent des Branchenumsatzes repräsentieren.










