Nachgehakt bei Peter Fuchs

Meinrad Happacher,

Eine Second Source für Profisafe

Noch werden siebenmal mehr Profibus- als Profinet-Geräte verkauft. Doch das Verhältnis dreht sich langsam in Richtung Profinet. Damit bekommt auch die Safety-Variante der Profinet-Technologie immer stärkeres Gewicht. KW-Software stellt deshalb zur Hannover Messe einen Profisafe-Host-Layer für Profinet vor, wie Peter Fuchs im Interview erläutert.

„Wir kennen bis dato erst einen verfügbaren Host.“

Herr Fuchs, KW-Software stellt in Hannover einen Profisafe- Host-Layer für Profinet vor. Welche Motivation steckt hinter der Entwicklung?

Fuchs: Unser Unternehmen beschäftigt sich intensiv mit der Profinet- Technologie, aber auch sehr stark mit sicheren Softwarekomponenten. In diesem Kontext stellte der Profisafe F-Host1) bisher einen „missing link" dar. Nun schließen wir die Lücke zwischen unserer Safety- und Profinet-Technologie und eröffnen unseren Kunden damit zusätzliche Möglichkeiten im Hinblick auf die Realisierung integrierter Lösungen.

Welche Marktchancen rechnen Sie sich mit dem Host aus?

Fuchs: Sehr gute - und zwar aus zweierlei Gründen: Zum einen hat Profisafe im Bereich der sicherheitsgerichteten Feldbus-Technik bereits heute über Profibus einen sehr hohen Marktanteil. Mit der steigenden Verbreitung von Profinet wird Profisafe in der Version V2 noch deutlich hinzu gewinnen. Aktuelle Marktstudien zeigen, dass Profisafe im Bereich sicherheitsgerichteter Netzwerke zukünftig die führende Technologie sein wird. Zum anderen kennen wir bis dato lediglich einen am Markt verfügbaren Host: Den Host des Marktführers Siemens - und der ist nur in Verbindung mit Siemens-Produkten käuflich.

Beide Gründe führen unserer Ansicht nach dazu, dass die Nachfrage nach einem frei lizenzierbaren Profisafe-Communication-Layer zunehmen wird. Entsprechende Anfragen erreichen uns bereits seit mehreren Monaten! Mit unserem Failsafe- Host steht nun eine frei am Markt verfügbare Technologiekomponente zur Verfügung, durch die sich eine Sicherheitssteuerung als Profinet-IOController einfach um sichere Kommunikation erweitern lässt.

Der Host ist ja eigentlich eine Entwicklung von Phoenix Contact. Was spricht nun dafür, dass dieses Produkt über KW-Software - ein Tochterunternehmen - vertrieben wird?

Fuchs: KW-Software ist seit 2007 der strategische Vertriebskanal für die Profinet-Technologie der Phoenix- Contact-Gruppe.Wir bieten ja bereits Profinet-IO-Controller- und -Device-Stacks sowie ein entsprechendes Konfigurationswerkzeug an und integrieren die Technologie in die Automatisierungsgeräte der Kunden.

Ein wichtiger nächster Meilenstein wird beispielsweise auch der Vertrieb und Support des Profinet-Device-Chips TPS-1 sein. Die Aufnahme des Profisafe-Failsafe-Hosts in das Produktspektrum von KW-Software ist insofern die Fortsetzung dieser Strategie. Phoenix Contact selbst konzentriert sich auf die Weiterentwicklung der eigenen Profinet-basierten Automatisierungsprodukte und -lösungen.

Die Spezifikation für Profisafe auf Profinet steht ja seit 2005. Warum hat es fünf Jahre gedauert, bis Siemens jetzt Konkurrenz bei den Master-Anschaltungen für Profisafe erwächst?

Fuchs: Der Durchbruch von Profinet als zukünftiger Marktstandard im Bereich der ethernetbasierten Automatisierungsnetzwerke steht ja erst noch bevor. Insofern befindet sich auch das Angebot an konkurrierenden Technologiekomponenten noch in einem Aufbauprozess. Die Phoenix-Contact-Gruppe konnte bisher sämtliche sicherheitstechnischen Anforderungen an ihr Automationworx-System mit Hilfe der Interbus-Safety-Technologie sehr gut erfüllen.

Die Notwendigkeit zur Entwicklung des eigenen Profisafe F-Hosts entstand erst durch die Tatsache, dass Phoenix Contact mit der RFC470S mittlerweile auch eine eigene Sicherheitssteuerung mit Profinet anbietet. Und diesen F-Host bringt KW-Software nun auch als frei lizenzierbare Technologiekomponente an den Markt.

Was wird es einen Kunden kosten, den Host in die eigene Steuerung zu implementieren?

Fuchs: Wir können entweder bei der Integration unterstützen oder auf Wunsch die komplette Integration als Dienstleistung übernehmen. Sowohl von der Aufwands- als auch von der Kostenseite her betrachtet, ist die Integration unseres Profisafe-F-Hosts in etwa vergleichbar mit der Integration eines nicht-sicheren Profinet-IO-Controller-Stacks.

Welcher Entwicklungsinvest steckt hinter dem Host?

Fuchs: Zugegeben eine wichtige Frage. Ich bitte aber um Verständnis, dass wir hierzu keinen Kommentar abgeben.

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