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Artikel und Hintergründe zum Thema

SAP & Partner

Meinrad Happacher,

Eine neue Industrie-4.0-Allianz

Ein offenes Ökosystem schaffen, um Interoperabilität im industriellen Umfeld zu erzielen – das verfolgen sechs Unternehmen, die sich mit SAP jetzt zusammentun.

Die Gründungsmitglieder stellen die neue Alliance auf der Hannover Messe vor (v.l.): Dr. Thomas May (Board Member ifm), Dr. Rolf Birkhofer (Managing Director E+H), Reinhold Stammeier (Chief Digital Officer Kuka), Dr. Marius ­Grathwohl ( Head of Digitalization Multivac), Hala Zeine (President Digital Supply Chain SAP), Gerd Hoppe (Corporate Management Beckhoff) und Hans-Jürgen Hilscher (CEO Hilscher).

© Computer&AUTOMATION

Den Gründungsmitglieder der neuen Intitiative schwebt vor, dass zukünftig bis zu 80 % der Maschinen in einer Smart Factory die gleiche Sprache sprechen. Um das zu erreichen verpflichten sich die Firmen zur Anwendung eines „Open Industrie 4.0 Alliance Framework“. Die neue Firmen-Allianz will damit proprietäre Insellösungen überwinden und der Digitalen Transformation der europäischen Industrie einen entscheidenden Schub geben. Dieses Framework soll auf existierenden Standards wie I/O Link, OPC UA und RAMI basieren. 

Als Gründungsmitglieder fungieren die Unternehmen Beckhoff, Endress+Hauser, Hilscher, ifm, Kuka, Multivac und SAP. Die Allianz steht grundsätzlich jedem Unternehmen offen, so sind beispielsweise die Firmen Balluff, Gebhardt, Pepperl+ Fuchs, Schmidtsche Schack, Samson oder Wika bereits Mitglieder der Open Industry 4.0 Alliance. 

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Eine offene und interoperable Lösung

Das offene, standardbasierte Angebot der Open Industry 4.0 Alliance besteht aus vier Bausteinen – Device Connectivity, Edge, Operator Cloud und Cloud ­Central –  plus einem zugehörigen Dienstleistungsangebot. Device Connectivity stellt die Verbindung zu den Maschinen und Sensoren her. Die Edge ist der zen­trale Knoten für alle wichtigen und lokal notwendigen Funktionen in der Fabrik. Die Operator Cloud ist der zentrale ­Knoten im Unternehmen des Kunden. Auch diese Operator Cloud hat einen offenen Layer und unterstützt alle unternehmenszentrischen Funktionen und Applikationen. Cloud Central schließlich ermöglicht den bidirektionalen Austausch von Daten (insbesondere Stammdaten, aber auch Messdaten aus einer Kalibrierung) und Informationen (zum Beispiel technische Dokumentationen oder Reparaturanleitungen) über Unternehmensgrenzen hinweg. 

Die ersten Proof-of-Concepts wurden bereits im Jahr 2018 abgeschlossen, etwa bei Kuka mit der wandlungsfähigen und flexiblen Matrix-Produktion. Weitere Proof-of-Concepts von Mitgliedern und ihren Kunden sind für den Sommer 2019 angepeilt. Die Gründungsmitglieder bereiten eine erste Leistungsschau für die zweite Hälfte des Jahres 2019 vor.

Die Hintergründe der Alliance

Armin Pühringer: "Die Datenhoheit muss beim Anlagenbetreiber liegen!"

© SAP

Welche Beweggründe stehen hinter der Open Industry 4.0 Alliance? Und welche Rolle kommt SAP hierbei zu? Armin Pühringer, Industry Advisor bei SAP Deutschland, bezieht Stellung. 

Herr Pühringer, die Open Industry 4.0 Alliance propagiert ein offenes Ökosystem zur digitalen Transformation von industriellen Fertigungsanlagen – was muss ich mir genau darunter vorstellen?

Armin Pühringer: Das Ziel der Allianz ist die Wertschöpfung für Anlagenbetreiber mit Industrie- 4.0-basierten Lösungen und Dienstleistungen zu steigern. Die Strategie hierbei ist, die Digitalisierung der Prozesse in der Industrie zukunftssicher umzusetzen. Die Arbeitsweise hierfür beruht auf zwei Säulen: Zum einen werden die Ergebnisse der Industrie-4.0-Plattform wie das RAMI 4.0, die Verwaltungsschale oder die Auswahl der entsprechenden Standards wie OPC UA, eClass, AutomationML und weitere, heute vorhandene Resultate von Industrie 4.0 in der Praxis eingesetzt. Zum anderen bildet sich hier eine Gruppe von Firmen, die diese genannten Ergebnisse in den eigenen Produkten und Leistungen umsetzt und so ein vernetztes Angebot bietet, das interoperabel ist und die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten erleichtert.

Worin unterscheidet sich diese Initiative etwa von der Mindsphere-Group, außer dem Unterschied, dass nicht das Siemens- sondern das SAP-Portfolio den Backbone der Lösung darstellt?

Armin Pühringer: Unser Credo beinhaltet den Einsatz für offene Standards, die Überzeugung, dass die Datenhoheit beim Anlagenbetreiber liegt und wir nur Treuhänder sind, und dass ein Vendor Lock-In Teil der Vergangenheit ist und die Zukunft von sinnvollen und offenen Kooperationen gestaltet wird.

Welche Motivation hat SAP hinter der Initiative?

Armin Pühringer: SAP begleitet und gestaltet die Digitalisierung in der Fertigung. Hier ist der Wandel von der Linienfertigung hin zu flexiblen Produktionsabläufen zu nennen. Wir bringen hier unser Intelligent-Asset- Management-System ein, das ein gemeinsamer Ort für alle semantischen Modelle der Assets ist, um neue Geschäftsmodelle zu generieren. Um die geforderte Offenheit und Interoperabilität der Lösung zu gewährleisten, hat SAP hier die Datenbasis als Central Asset Repository offen gelegt und mit Hilfe der Verwaltungsschale sichergestellt, dass Hersteller ihre Asset-Informationen gemäß Industrie 4.0 offen, transparent und ohne Vendor Lock-In für Kundenprojekte einbringen und auch im Rahmen der eigenen Digitalisierungsstrategie nutzen können.

Darauf aufbauend ist dann die Grundlage gelegt, auf der jeder Anbieter auf allen Ebenen der Architektur sein Marktangebot ausrichten kann. Von SAP aus haben wir mit Design2Operate auf der Hannover Messe 2019 das Zeichen gesetzt, wie im kooperativen Ansatz die intelligente Fertigung der Zukunft aussieht.

Sie sprechen von einem Baukasten modularer, kompatibler und skalierbarer Lösungs- und Dienstleistungskomponenten der beteiligten Firmen. Wie aber können Sie insbesondere die Kompatibilität garantieren? 

Armin Pühringer: Kompatibilität wird erreicht werden durch regelmäßige Plug Fests, bei denen die Interoperabilität der Komponenten innerhalb von Lösungen erreicht wird. Hier bauen wir auch auf Erfahrungen aus der industriellen Kommunikation auf.

Welche rechtliche Form wird die Initiative erhalten?

Armin Pühringer: Die Zielsetzungen der Open Industry 4.0 Alliance lassen sich durch einen eingetragenen Verein sehr gut organisatorisch abbilden. Wir sind hier in den letzten Vorbereitungen zur Gründung. Der Verein wird dann die Bereitstellung einer Industrie-4.0-relevanten Infrastruktur für Produktion, Fertigung und Lagerwirtschaft betreiben.

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