Nachgehakt bei Stefan Schönegger

Meinrad Happacher,

Die neue Version von openPowerlink

Die Ethernet Powerlink Standardization Group stellt jetzt die Version 2.0 des Powerlink Stack vor. Was machte die neue Version des Ethernet-basierten Kommunikationsprotokolls notwendig? Und vor allem: Welche Änderungen kommen damit auf die Hersteller und Anwender zu?

"Der neue Stack wird den Programmierern die Arbeit erleichtern", so Stefan Schönegger, Geschäftsführer der Ethernet Powerlink Standardization Group (EPSG).

© EPSG

Herr Schönegger, warum war eine neue Version des Stacks notwendig?
Mit über 23.000 Downloads hat der openPowerlink Stack, die Open-Source-Umsetzung des Powerlink-Protokolls,  eine enorme Einsatzbreite erreicht. Diverseste Betriebssysteme von Linux über QNX, VxWorks oder Windows werden bereits unterstützt. Die Hardware-Plattformen reichen von kleinsten 1-Euro-Prozessoren über FPGA-Plattformen bis hin zu leistungsfähigen ARM Cortex oder x86-Varianten. Auch auf DSPs wurde der Stack bereits eingesetzt. Damit ist auch die Anzahl der Programmierer gestiegen, welche sich aus der Community direkt an dem Projekt beteiligen. Unser Ziel mit dem Stack-Update war nun primär, den Einsatz von Powerlink für die große Zahl der Programmierer einfacher zu gestalten. Deshalb haben wir vor allem für diese Klientel einige Verbesserungen implementiert.

Was verändert sich mit Version 2.0 am Stack? Welcher Aufwand steckt dahinter?
Den Umbau hat ein Kernteam von zwei Firmen in 2012 in Angriff genommen. Ende 2013 war eine erste Alpha-Version fertig. Seit Mai steht nun die Release-Version zum Download bereit. Die Hauptveränderungen betreffen die Software-Architektur. Diese wurde deutlich modularer gestaltet. Die Entwickler haben zusätzliche interne Schnittstellen definiert, um die heterogenen Plattformen besser abbilden zu können und auch ein paralleles Arbeiten am Stack zu ermöglichen. Darüber hinaus haben wir an den Themen Dokumentation und Performance gearbeitet.

Welche Vorteile bringen die Veränderungen mit sich?
Die einfachere Portierung auf weitere Betriebssysteme und die bessere Skalierung mit der Leistungsfähigkeit der Prozessoren wird die Verbreitungsgeschwindigkeit von openPowerlink nochmal deutlich erhöhen. Die neuen internen Schnittstellen unterstützen die gemeinsame Arbeit an der Weiterentwicklung durch die weltweite Powerlink Community. Ähnlich wie bei Linux können wir bereits auf eine breite Basis an Anwendern zurückgreifen, welche diverse Portierungen wiederum der Community zur Verfügung stellen. Mit dem neuen Stack lässt sich ein rückwirkungsfreies, paralleles Arbeiten deutlich einfacher realisieren. Da wir durchgängig moderne Coding-Standards einsetzen und eine umfassende Dokumentation mittels Doxygen erarbeitet haben, wurde die Lesbarkeit stark erhöht. Mit Tools zur statischen Codeanalyse stellen wir zudem einen sehr hohen Qualitätsanspruch sicher.

Was hat sich in punkto Performance geändert?
Die neue Version bringt eine schärfere Trennung zwischen der applikationsorientierten Stack-Bibliothek und dem zeitkritischen Stack-Treiber. Dies ermöglicht das Verlagern der Echtzeit-Applikation in einen dedizierten Kommunikationsprozessor oder ein Linux-Kernmodul und so eine Steigerung der Performance, während die API des Stacks im Anwenderbereich bleibt.

Sind auch zusätzliche Features Ergebnis des Updates?
Neben den bis dato unterstützten Plattformen unterstützt Version 2.0 auch FPGA-basierte Master der Plattformen von Altera und Xilinx und erlaubt die Implementierungen auf dem Sitara-Chip von IT. Komplett neue Features waren nicht das Entwicklungsziel. Bereits der Stack 1.8 bietet eine nahezu vollständige Umsetzung der Powerlink-Technologie.  Kurz gesagt: Das Angebot an Plattformen wurde ausgebaut – die Technologie selbst blieb jedoch unverändert.

Wie sieht es mit der Kompatibilität und Interoperabilität zu bisherigen Versionen aus? Gibt es Einschränkungen?
Die Versionen sind zu 100 % kompatibel. Zum einen mit den Vorgängerversionen von openPowerlink, aber natürlich auch zu den Implementierungen unserer Partnerfirmen wie Hilscher, HMS oder Port. Durch die hohe Verbreitung wäre jeder Kompromiss beim Thema Kompatibilität fehl am Platz.

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