Nachgehakt bei Otto Neuer
Die Amazon-Cloud für die Fabrik?
Talend, Integrationsspezialist für Big Data, setzt auf die Cloud-Plattform von Amazon. Warum, und welche Vorteile die Amazon Web Services (AWS) für die Fertigung mit sich bringen, erläutert Otto Neuer, Vertriebschef für Europa bei Talend.
Herr Neuer, wie sieht das Engagement von Talend bei AWS aus?
Neuer: Talend ist Technologiepartner von Amazon Webservices und ein globaler Advanced-Partner für den Bereich Big Data. Wir bieten Software-Lösungen, die wir passend für die Anwendung mit AWS entwickelt haben. Durch gemeinsame Aktivitäten im Bereich Marktentwicklung profitieren beide von diesem Engagement. Darüber hinaus arbeiten wir für unsere Großkunden auch regional eng mit dem Team von Amazon zusammen.
Ein großer Vorteil der Amazon-Cloud ist ihre hohe Verbreitung. Verschiedene Studien sehen den AWS-Marktanteil höher als den der nächsten Anbieter Microsoft, IBM, Google und Salesforce zusammen.
Welche AWS-Produkte sind besonders interessant für die Fertigung?
Neuer: Amazon bietet sehr viele unterschiedliche Basisdienste rund um Computer, Storage oder Netzwerk an. Zudem gibt es speziellere Dienste, die auch für den Bereich der Fertigung relevant sind. Kinesis ist beispielsweise ein Tool für Streaming und Messaging von Daten. Zudem eignet sich Redshift, als vollständig gemanagter Data-Warehouse-Service, im Bereich Big Data für analytische Plattformen. Weiterhin bietet Amazon mit EMR ein Hadoop Framework, in dem sich große Datenmengen effizient und dynamisch skalierbar verarbeiten lassen.
Talend bietet für alle genannten Dienste Komponenten und Konnektoren, die sich nahtlos mit der On-Premise-IT oder anderen Cloud-Lösungen wie Salesforce verbinden lassen.
Wie gelangen die Daten aus der Fertigung in die Cloud?
Neuer: Neue IoT-taugliche Devices können oftmals über Protokolle wie MQTT, http oder Websocket direkt mit der Cloud kommunizieren. Häufig kommt darüber hinaus in der Cloud ein IoT Device Gateway für die Verwaltung der Endgeräte und Kommunikationsmuster zum Einsatz. Viele Maschinen und Fertigungsanwendungen sind allerdings noch nicht Cloud-ready. Talend als Integrationsspezialist kann Daten aus den Fertigungssystemen und -anlagen einsammeln, transformieren und dann in beliebige Zielsysteme oder direkt in die Cloud einstellen. Dazu stehen neben den Konnektoren auch leistungsfähige Transformations-, Mapping- und Datenqualitätskomponenten zur Verfügung, so dass die Daten einfach in die Cloud überführt und ins gewünschte Format umgewandelt werden können.
Wie schnell gestaltet sich der Datenaustausch mit der Cloud?
Neuer: Die IT ist in der Verantwortung, die Bandbreite und Verfügbarkeit des Netzwerkes basierend auf den neuen Anforderungen zu überprüfen. In
vielen Bereichen kann mit Cloud-Only gearbeitet werden. Das heißt, Daten werden von Sensoren oder IoT-Endgeräten in die Cloud gestreamt und dort direkt weiterverarbeitet. Der Datenaustausch geht dann so schnell wie LAN, meist sogar noch schneller, da AWS optimierte und ultraperformante Systeme bietet. Die Anwendungsszenarien drehen sich heutzutage zumeist um Predictive Maintenance und Remote Monitoring.
Was sollten produzierende Firmen bei einer Neuausrichtung ihrer Strategien beachten?
Neuer: Wichtig ist, eine ganzheitliche Datenmanagement-Strategie zu fahren, die ein zukünftiges und massives Datenwachstum berücksichtigt. Produzierende Firmen sollten sich auf hybride Architekturen ausrichten, was bedeutet, teilweise noch IT im Rechenzentrum und Teile schon in der Cloud zu haben. Dennoch sollte sich der Fokus langfristig auf Cloud-only richten, da die Anforderungen an Industrie-Unternehmen stetig steigen, Prozesse und Produkte effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Das erfordert eine durchdachte Vernetzung von Maschinen, Sensoren und anderen Komponenten sowie passenden IT-Strukturen. Gerade Open-Source-Plattformen bieten genügend Freiheit, um die gesamte Wertschöpfungs- und Zuliefererkette sinnvoll in die Unternehmensprozesse zu integrieren, was für ein optimiertes Betriebsergebnis sorgt.










