Industrie 4.0 und die Folgen
Der 20. Industrial Communication Congress
Rund 200 Besucher zählte Mitte März der 20. Industrial Communication Congress im Hause Phoenix Contact. Zentrales Thema der Veranstaltung: Wie wirken sich Cloud-Computing und Industrie 4.0 auf Wirtschaft und Gesellschaft aus?
Was Phoenix Contact vor zwanzig Jahren als Feldbus-Kongress ins Leben rief, hat sich über die Jahre zum Forum für innovative Kommunikationslösungen etabliert – zum Industrial Communication Congress. Und so referierten am 17. und 18. März Experten aus den Reihen der Anwender, Hersteller und Hochschulen nicht mehr über serielle Datenübertragung, sondern mehrheitlich über die Aspekte des Zukunftsprojektes Industrie 4.0: Wie können Daten weltweit durchgängig digital weitergeleitet werden, um den Produktionsprozess flexibel und wirtschaftlich zu gestalten? Wie ist eine effiziente und nachhaltige Nutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen möglich? Und: Wie müssen deshalb zeitgemäße Energiemanagement-Lösungen aussehen?
"Ohne ein virtuelles Abbild der Produktionsergebnisse geht in Zukunft nichts mehr!", so Roland Bent auf dem 20. Industrial Communication Congress.
© Phoenix ContactZu Beginn der zweitägigen Veranstaltung lässt Geschäftsführer Roland Bent zunächst die Meilensteine der vergangenen 20 Jahre Automatisierungstechnik Revue passieren. Dazu zählt er:
- 1995 – die Etablierung des PC in industriellen Anwendungen;
- 2000 – die Einführung eines deterministischen Ethernet;
- 2005 – die Profinet-basierte IP-Einführung;
- 2010 – die grenzenlose Vernetzbarkeit;
- 2015 – das Netz der Dinge im Verbund mit IPV6.
Bent ist davon überzeugt, dass die Digitalisierung der Gesellschaft auch vor der Industrie nicht Halt macht: "Die vierte industrielle Revolution wird kommen und eine Kette von disruptiven Veränderungen auslösen." Hierzu zählt Bent etwa die Digitalisierung der Wertschöpfungskette, die mit sich bringe, dass nur mehr derjenige in diese Kette liefern könne, der auch ein virtuelles Abbild seiner Produktionsergebnisse bereitstelle.
Franz Josef Rademacher: "Wir werden alles ins Internet bringen, sobald es nichts mehr kostet!"
© Phoenix ContactAnläßlich der Jubiläumsveranstaltung räumt Phoenix Contact auch der Automobilindustrie – als einem der ersten Interbus-Anwender - eine maßgeb-liche Rolle ein: Dort hat sich in den letzten 20 Jahren nicht nur die Steuerungstechnik verändert, sondern auch das Antriebskonzept der PKW in Richtung E-Mobility. Wie die Batterien als intelligente Energiespeicher dienen können und virtuelle Kraftwerke funktionieren, war deshalb Inhalt einiger Referate.
In einen globalen Kontext stellt Franz Josef Radermacher das Thema Industrie 4.0. "Im Wesentlichen ist mit der Entwicklung vom Feldbus bis zur Cloud nichts Besonderes passiert", sagt der Professor vom Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensvermittlung und ergänzt: "Schon erstaunlich, dass wir es immer wieder schaffen, neue Wörter für das Gleiche zu finden!" Was seiner Auffassung letztlich lediglich passiert, ist alle zwei Jahre eine Verdopplung des Leistungs-/Preisverhältnisses der Mikroelektronik: "Sie haben heute tausendmal die Rechenleistung der Apollo-Mission in Ihrer Tasche", wirft er in den Raum. – Und diese technologische Evolution sei letztlich Grundstein des Internet der Dinge. "Wir werden alles ins Internet bringen, sobald es nichts mehr kostet; wir statten die ganze Welt mit Chips aus, die uns alles Mögliche mitteilen." Dabei sieht der Professor auf die Gesellschaft durchaus dramatische Veränderungen zukommen, verbunden mit einem sich verschärfenden "race between education and technology!". Er macht keinen Hehl daraus, dass er durchaus viele Jobs in Gefahr sieht. Egal ob es um Arbeitsplätze in der Taxi-Branche, in der Medizin-Diagnostik oder dem Microtrading in der Finanzbranche geht. Explizit auf die Auswirkungen einer Industrie 4.0 bezogen sagt Radermacher: "Wir dürfen nicht glauben, dass die Arbeitsplätze aus den Billigländern wieder zurückkommen."















