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Artikel und Hintergründe zum Thema

Technik & Finanzen

Thomas Rappold | Günter Herkommer,

5G – Die Infrastruktur für Industrie 4.0

Der kommende Mobilfunkstandard 5G wird von vielen Experten als wichtiger Enabler gesehen, um Industrie 4.0 beziehungsweise die smarte Fabrik entscheidend voranzubringen. Die zurückliegende Frequenzauktion bietet allerdings reichlich Anlass zur Kritik – vor allem aus Finanzsicht.

© Bild: Computer&AUTOMATION, Quellen: CMS Hasche Sigle, Eva Nitschinger

Quälend lange zog sich die mit Spannung erwartete 5G-Frequenzauktion in Deutschland hin. Es bedurfte insgesamt 497 Bieterrunden, bis der Entscheid über die Zuteilung der Frequenzbänder feststand. Ins Bild passte dazu, dass Rüdiger Hahn, der für die Auktion zuständige Abteilungsleiter der Bundesnetzagentur, sich während der Versteigerung in den Ruhestand verabschiedet hatte – just in der heißen Auktionsphase nahm er seinen Resturlaub.

“Wir brauchen zwingend ein Infrastruktur-4.0-Programm, damit Industrie 4.0 in Deutschland nicht an Funklöchern und Kleinstaaterei scheitert.", so Thomas Rappold.

© Thomas Rappold

Der Staat darf sich über einen Geldsegen von fast 6,6 Mrd. Euro freuen. Immerhin erwächst den bisherigen drei Mobilfunk-Infrastruktur-Monopolisten Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica mit der United-Internet-Tochter Drillisch ein Wettbewerber, der die verkrustete deutsche Mobilfunklandschaft aufmischen könnte. Kaum war die Auktion zu Ende, meldeten sich die Chefs der neuen Lizenzbesitzer in einem vielschichtigen Kanon und übten zum Teil massive Kritik an dem Auktionsmechanismus.

Am deutlichsten wurde dabei Vodafone Deutschlandchef Hannes Ametsrieder, der das Image des Digitalstandorts Deutschland aufgrund des Ablaufs und des Auktionsresultats beschädigt sieht. Seiner Meinung nach sei es wichtig, vorher zu definieren, was man am Ende wirklich erreichen wolle. Ein weiser Satz. Doch warum tut sich Deutschland so schwer mit dem Ausbau seiner Telekommunikationsinfrastruktur und warum werden im Vorhinein von Frequenzauktionen keine bilateralen Gespräche zwischen den Mobilfunkanbietern und der Regierung über eine nationale Mobilfunkstrategie geführt?

Der Grund allen Übels liegt wohl in der aberwitzigen UMTS-Auktion im Jahr 2000, die dem Staat Rekordeinnahmen von 50 Mrd. Euro beschert hatte, aber gleichzeitig die Mobilfunkanbieter in schweres finanzielles Fahrwasser brachte. Das Geld, das man für die überteuren Frequenzen ausgegeben hatte, fehlte in der Folge für den Netzausbau. Auf der Weltrangliste der schnellsten Internetverbindungen rangiert Exportweltmeister Deutschland auf einem abgeschlagenen 25. Platz und muss Ländern wie Rumänien, der Tschechischen Republik, Lettland und Bulgarien den Vortritt lassen. 

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Ganz anders ging das Telekommunikationsmusterland Finnland zu Werke: Statt die Mobilfunkanbieter in teure Bietergefechte zu treiben, offerierte die finnische Regierung drei große Frequenzblöcke gleicher Größe für die drei an der Auktion teilnehmenden Anbieter Telia Finland, Elisa und DNA. Lediglich 77 Mio. Euro mussten die drei Anbieter auf den Tisch blättern. Finnland, Heimstädte von Nokia, sieht 5G als große Chance für die heimische Industrie und will beim neuen Mobilfunkstandard auf Augenhöhe mit den USA und China mitmischen. Ein Hauch von konsequenter Industriepolitik, zumal Nokia sich gerade nach der Krise mit dem zuletzt verlustträchtigen Smartphone-Geschäft als 5G-Systemlieferant neu erfindet.

China als Vorbild?!

Strategische Industriepolitik in ganz anderen Dimensionen betreibt Deutschlands führender Handelspartner China und könnte damit zum Vorbild für unsere vermaledeite Netzinfrastruktur-Debatte werden. Wie aus dem kapitalistischen Lehrbuch agieren die drei großen chinesischen Mobilfunkunternehmen China Mobile, China Telecom und China Unicom beim Netzausbau. Statt sich gegenseitig die besten Funkmastenplätze streitig zu machen und sich in teuren Bietergefechten die Preise zu verderben, haben diese drei Anbieter erkannt, dass Mobilfunk-Infrastruktur kein wirkliches Differenzierungsmerkmal ihrer Geschäftstätigkeit ist und als Konsequenz daraus ihre jeweiligen Mobilfunkmasten im Jahr 2014 in eine eigenständige Gesellschaft unter dem Namen China Tower eingebracht.

Vorbild dafür war der Erzrivale USA. Mit American Tower, Crown Castle und SBA Communications sind gleich drei börsennotierte Anbieter auf dem amerikanischen und internationalen Markt höchst erfolgreich unterwegs und kaufen reihenweise Mobilfunkmasten auf beziehungsweise bauen neue Masten für den Ausbau der 5G-Netze. Ein höchst lukratives Geschäft wie man an den Aktienkursen dieser Unternehmen sehen kann: Wie an einer Perlenschnur gehen diese Jahr und Tag kontinuierlich nach oben. Das Prinzip ist einfach: Die Betreiber der Masten haben ein Interesse daran, dass ihre Standorte möglichst gut ausgebucht sind, und die Mobilfunkunternehmen müssen im Gegenzug lediglich Mietgebühren für einen Standort statt eines hohen Kapitaleinsatzes für den Bau und die Wartung der Masten aufwenden – frei nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Der Börsengang von China Tower war damit vorgezeichnet. Insgesamt 6,9 Mrd. Dollar erlöste das Unternehmen für 25 % der Anteile im vergangenen Jahr bei seinem IPO an der Hongkonger Börse. Das Unternehmen mit 1,9 Mio. Masten und 2,8 Mio. Antennen wurde mit knapp 30 Mrd. Dollar bewertet. Der Großteil der Investorengelder – rund 60 % – soll für den schnellen 5G-Netzausbau entlang der chinesischen Wachstumsregionen im Perlflussdelta wie Guangzhou, Shenzen, Shanghai und Hangzhou aber auch in die Metropolregion Peking fließen. Unter den Anlegern waren die Aktien von China Tower sehr begehrt. Im Vorfeld wurden bereits Aktien im Wert von 1,4 Mrd. Dollar von zehn wichtigen Investoren gezeichnet, darunter die Taobao China Holding der Alibaba-Gruppe. Augenzwinkernd kommentierte CEO Tong von China Tower die strategischen Investoren mit den Worten: „Unsere wichtigsten Investoren sind gute Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Es gibt ein großes Potenzial, in Zukunft mit ihnen zusammenzuarbeiten.“ Wie der Plan dazu aussieht will Tong verraten, „wenn es nötig ist“.

Und wie reagiert die deutsche Politik? Die Fraktionen der Regierungsparteien einigten sich kürzlich auf ein Papier, das die Bildung einer bundeseigenen Infrastrukturgesellschaft vorsieht, die ihrerseits Mobilfunkstationen in Regionen baut, in denen es keinen Empfang gibt. Mehr Staat statt Markt! Die Chinesen haben bei uns Deutschen das Leitmotto ‚Industrie 4.0‘ abgeschaut und in den Terminus ‚China 2025‘ gegossen. 

Es wäre also klug, sich beim 5G-Infrastrukturausbau dem kapitalistischen anglo-chinesischen Modell zu bedienen. dazu haben wir in Deutschland die besten Voraussetzungen: Die ultraniedrigen Zinsen vernichten massiv das Sparkapital der Bevölkerung und die großen Versicherungsgesellschaften suchen händeringend nach sicheren Anlagen.

Was läge also näher als privates Sparkapital für eine private deutsche Mobilfunk-Infrastrukturgesellschaft zu gewinnen und so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: zügiger Netzausbau und gleichzeitig attraktive Dividenden an die Aktionäre. Vermögende Anleger sind auf diesen Zug bereits aufgesprungen: Jack Ma von Alibaba bei China Tower und zuletzt Bill Gates bei Crown Castle. Der 5G Technology Index trägt dieser Strategie Rechnung, von der letztlich auch deutsche Anleger profitieren können: Die Mobilfunk-Infrastrukturunternehmen Crown Castle, American Tower und China Tower sind wichtige Bestandteile des Index. Darüber hinaus deckt er die komplette Wertschöpfungskette von 5G ab – angefangen bei den Herstellern der Endgeräte wie Apple und Samsung, über die Antennen und Chiphersteller wie Qualcom, Intel und Broadcom, die Netzwerk-Ausrüster wie Cisco, und Ericsson sowie Mobilfunkanbieter wie AT&T, Deutsche Telekom und China Mobile.

Autor:
Thomas Rappold ist Finanz-/Börsenexperte, Buchautor (Silicon Valley Investing) und Gründer zahlreicher Internet-Start-ups.

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