Schwerpunkte

nachgehakt! - Hans-Jürgen Hilscher

Ein App Store für alle

27. Mai 2021, 10:41 Uhr   |  Meinrad Happacher

Ein App Store für alle
© Hilscher

Die Firma Hilscher entwickelt derzeit einen App Store und hat hierfür von der Open Industry 4.0 Alliance das Label ‚Open Industry 4.0 Alliance Community‘ erhalten. Hans-Jürgen Hilscher erläutert im Interview, was hinter dem App Store steckt.

Herr Hilscher, warum braucht es überhaupt einen Community App Store, wie Sie ihn nun entwickelt haben?

Hans-Jürgen Hilscher: Die Open Industry 4.0 Alliance verfolgt das Ziel, in einem gemeinsamen Ecosystem interoperable, also miteinander kompatible Industrie-4.0-Lösungen umzusetzen. Im technischen Workstream der Allianz haben wir hierzu eine umfangreiche Guideline erstellt. Sie beschreibt die Edge-Computing-Plattform und wie über diese Plattform die Apps von verschiedenen Herstellern miteinander interagieren können.

Praktisch gesagt heißt das?

Ein Sensorhersteller könnte etwa über eine IO-Link App Zugang zu seinem Sensor bekommen und dessen Daten – mit Semantik angereichert – über seine eigene App zur Verfügung stellen. Der Anlagenbetreiber wiederum nutzt eine andere speziell entwickelte App, die aus den Sensordaten mehrerer Hersteller einen über-greifenden Anlagenzustand generiert.

Und diese gemeinsame App-Plattform kommt aus Ihrem Hause?

Nachdem die Alliance als Verein selbst ja keine Geschäfte tätigen kann, haben wir uns die Erstellung des ‚Open Industry 4.0 Community App Store‘ nach den Guidelines der Alliance auf die Fahnen geschrieben. Der Store liefert die Antwort auf die Fragen: Wo kommen diese Apps her und wie einfach sind sie in das Ecosystem einzubringen? Den Mitgliedern der Allianz steht damit eine Verkaufsplattform für ihre Apps ohne Investitions- und Unterhaltskosten zur Verfügung. Langfristiges Ziel ist, ein harmonisiertes Lizenz- und Geschäftsmodell hinter den App Store zu legen. Selbstverständlich wird das Angebot des App Store nicht auf die Alliance beschränkt bleiben.

Bei der Vorstellung des App Store betonten Sie die Philosophie des ‚Open and One‘! Was meinen Sie damit?

Das ist eines der Prinzipien nach denen eine ‚Non Profit Organisation‘ erfolgreich werden kann. Wir nehmen das auch für uns in Anspruch. Wir sind ‚One‘ Industrial-4.0-Ecosystem mit einer durchgängigen Semantik, die nach einer gemeinsamen Guideline arbeitet und ‚Open‘ für alle ist. Denken Sie 30 Jahre zurück: Der PC-Markt boomt erst, seit es ein offenen PC-Betriebssystem gibt; und erst mit einer offenen App-Technologie wird es in der Automatisierung eine erfolgreiche Industrie-4.0-Arena geben.

Welchen Einfluss für den App Store erwarten Sie sich durch die jetzt bekannt gegebene Alliance-Mitgliedschaft von Microsoft und Siemens?

Mit Microsoft und Siemens haben wir die in der Automatisierungstechnik führenden Firmen der Cloud und Device Layer als Mitglieder gewonnen. Ich sehe das als einen Ritterschlag für die Open Industry 4.0 Alliance und ihren Anspruch als Umsetzungsgemeinschaft interoperabler Industry-4.0-Lösungen. In der Pressekonferenz haben sich beide Firmen dazu bekannt, aktiv in den Arbeitskreisen mitzuwirken. Das verstärkt unsere Kompetenz richtungsweisend für weitere Firmen, die mit ihrem Domain-Wissen in Form von Apps folgen werden.

Welches Preismodell soll der Store haben? Einmaliger Zahlbetrag oder Abo-Modell? Ist Hilscher prozentual an dem Verkauf der Apps beteiligt?

Es gibt ja Apps, die sind speziell nur in der Einrichtphase oder zur Fehlerdiagnostik nötig. Für solche Apps will der Anwender keine monatlichen Beiträge berappen. Andere Apps wiederum – etwa solche mit einem Artificial-Intelligence-Anteil – generieren einen laufenden Mehrwert. In diesen Fällen erwarte ich, dass sich Subskriptionsmodelle durchsetzen werden.

Was uns als Firma Hilscher betrifft, so werden wir sicherlich den App Store über einen prozentualen Anteil am Erlös der App-Provider finanzieren, was eine Win-Win-Situation darstellt. Darüber hinaus sehen wir für Firmen, die sich mit einem Service-Angebot oder kostenlosen Apps präsentieren wollen, eine monatliche Gebühr.

Wann geht der App Store quasi live?

Am 6. Mai stellten wir im Rahmen des vierten Community App Store Calls den Mitgliedern der Alliance den Community App Store vor und führten in die Bereitstellung der Apps und der Bedienung ein. Daran schließt sich direkt der Testbetrieb ohne Verkaufsfunktion an. Er dient zur Absicherung eines reibungslosen Betriebs und der Implementierung weiterer gewünschter Funktionen. Das ‚Go live‘ soll dann bis Ende September erfolgen.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

HILSCHER Ges. für Systemautomation mbH