Schwerpunkte

Dr. Jan Mrosik, ZVEI Automation

Digitalisierung entscheidend für die Zukunft

02. November 2020, 08:57 Uhr   |  Andrea Gillhuber

Digitalisierung entscheidend für die Zukunft
© Siemens

Dr. Jan Michael Mrosik ist CEO der Siemens-Division Digital Factory und Vorsitzender des ZVEI Fachverband Automation.

Die Corona-Pandemie hat Deutschland fest im Griff. Im Interview sprach Dr. Jan Mrosik, Vorsitzender ZVEI Fachverband Automation, warum unsere Wettbewerbsfähigkeit davon abhängt, »wie digital fit wir sind«.

Die Corona-Pandemie beeinflusst alle Branchen und Industrien. Wie steht die Automation im Vergleich zu anderen Branchen da?

Mrosik: Covid-19 hat uns alle schwer getroffen und wir sehen, dass die Erholung nur langsam vorankommt. Der zweite Lockdown ist ein weiterer Rückschlag für viele Branchen. Für die Automatisierer sehen wir, dass sich die Rückgänge in Summe bislang in Grenzen halten: Von Januar bis Juli hatten wir einen Umsatzrückgang von –10 % in Deutschland. Für 2020 liegt die Prognose bei einem Rückgang von 7 bis 8 %. Das Bild in der Mitgliedschaft ist dabei allerdings sehr unterschiedlich: Vor allem Automotive und Werkzeugmaschinen haben deutliche Umsatzrückgänge hinnehmen müssen, dagegen kommen wohl die Antriebshersteller, die beispielsweise in die ‚Logistik‘ liefern, mit weniger massiven Einbrüchen davon. Hier helfen die langen Projektlaufzeiten und weniger zyklische Bereiche wie Pharma, Nahrung, Wasser et cetera.

Welche Trends haben sich durch die Corona-Pandemie verstärkt und wie kann die Automation davon profitieren?

Mrosik: Die Automation hat während der Corona-Krise Anpassungsfähigkeit bewiesen. Die Unternehmen der Automatisierungsbranche leisten gerade einen sehr wichtigen Beitrag, indem sie durch Services und Softwarelösungen sowie mit ihren Produkten und Ersatzteilen die Verfügbarkeit aufrechterhalten. Automatisierungstechnik wie Sensorik, Aktorik und Steuerung nimmt hierbei eine entscheidende Bedeutung ein. Digitalisierung und Automation werden auch in Zukunft eine immer wichtigere Rolle in Unternehmen einnehmen.

Der Blick in die Zukunft gleicht dem Blick in eine Kristallkugel. Wie wappnet sich die Automation gegen die Unvorhersehbarkeiten durch die Pandemie?

Mrosik: Der Lockdown hat uns gezeigt, wie wichtig Digitalisierung ist. Etwa virtuelle Konferenzen, mobiles Arbeiten, home schooling. Unsere Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung wird künftig elementar davon abhängen, wie digital fit wir sind. Dabei muss bei allen Überlegungen der Mensch im Mittelpunkt stehen. Wir haben insgesamt den Praxistest während der Pandemie bestanden.

Wie unterstützt der ZVEI seine Mitglieder bei der Bewältigung der Pandemie?

Mrosik: Die Automation ist ein Treiber für die digitale und grüne Transformation. Wir werden Industrie 4.0 weiter vorantreiben und parallele Entwicklungsstränge in der Digitalisierung und digitalen Transformation bündeln. Die Digitale Transformation in der Automation ist Basis für mehr Nachhaltigkeit. Das sehen wir etwa beim Digitalen Typenschild oder auch dem Forschungsprojekt DC-Industrie. Zugleich ist die Digitale Transformation Basis für mehr Resilienz und mehr Flexibilität in der Produktion.

Alles redet über Corona und die USA, der Brexit geht etwas unter. Wie schätzt der ZVEI die Gefahr eines harten Brexits ein?

Mrosik: Der Brexit bedeutet vor allem erst einmal eine Verlangsamung und Bürokratisierung der Lieferprozesse durch die Einführung von Grenzkontrollen und -formalitäten. Dabei geht es weniger um ein ‚Deal‘- oder ‚No Deal‘-Szenario. Nur eine Fortsetzung des bestehenden Binnenmarktes und der Zollunion hätten der Elektroindustrie wesentliche Vorteile gebracht. Von einem fehlenden Freihandelsabkommen wären insbesondere wichtige Kundenbranchen wie die Automobilindustrie betroffen. Vor allem die zu erwartenden nicht-tarifären Handelshemmnisse, wenn sich das europäische und britische technische Recht Jahr für Jahr weiter auseinanderentwickelt, werden die Elektroindustrie beschäftigen.

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