75 Jahre E-T-A

Inka Krischke,

»Kontinuierlicher Bedarf an Fachkräften und Mitarbeitenden«

Das Jahr 2023 steht bei E-T-A ganz im Zeichen des 75jährigen Firmenjubiläums. Mehr über die ‚Ups and Downs‘ dieser Zeit verrät Ralf Dietrich, Mitglied der Geschäftsführung.

Ralf Dietrich von E-T-A

© E-T-A, Ralf Dietrich

Herr Dietrich, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu 75 Jahren E-T-A! Im Rückblick: Was war die bedeutendste technologische Entwicklung ihres Unternehmens?
Eine unserer signifikantesten Erfindungen ist – gerade im Bereich der Automatisierungstechnik – ohne Zweifel der elektronische Schutzschalter. Diese Gerätegattung – vor über 20 Jahren von E-T-A erfunden – ist heutzutage aus der Automatisierung nicht mehr wegzudenken. Wer Verbraucher im 12-, 24- oder 48-V(DC)-Bereich absichert, die von einem Schaltnetzteil gespeist werden, kommt an dieser Form des Überstromschutzes nicht mehr vorbei. Die elektronische Ausführung ist dabei die nächste Evolutionsstufe des Überstromschutzes: Ging es früher vor allem um die Absicherung der Leitung und später in erster Linie um die dauerhafte Verfügbarkeit der Steuerspannung, unterstützen die modernen Überstromschutzgeräte auch bei Digitalisierung, Condition Monitoring und Predictive Maintenance.

Gibt es einen absoluten ‚Bestseller‘?

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Elektronischer Überstromschutz mit Geräten der ‚Rex‘-Familie. Durch Anbindung von Kommunikationsmodulen gelangen Informationen über IO-Link oder Feldbusse wie Modbus TCP/IP an übergeordnete Steuerungssysteme.

© E-T-A

Im Bereich unserer Automatisierungstechnik ist das aktuell unser elektronischer Überstromschutz namens ‚Rex‘. Mit dieser Lösung werden die Geräte ohne zusätzliche Komponenten aneinander angereiht und durch einen geräteinternen Bügel mechanisch einfach verbunden. Durch Anbindung von Kommunikationsmodulen unterstützt ‚Rex‘ auch IO-Link oder Feldbusse wie Modbus TCP/IP und liefert dann entsprechend Informationen an ein übergeordnetes Steuerungssystem.

In 75 Jahren geht es nicht nur rosig zu – was war aus Ihrer Sicht die schwierigste Zeit für das Unternehmen?
Natürlich gab es auch immer wieder schwierige Phasen. Am gravierendsten war die Lehmann-Krise um das Jahr 2008 herum. Damals waren wir mit Umsatzeinbrüchen von über 30 % massiv herausgefordert.

Wie sieht Ihre Roadmap für die nächsten zehn bis 15 Jahre aus?
Wir sehen nach wie vor Bedarf an immer mehr elektronischen Geräten und zunehmenden Fernsteuerungs-, Kommunikations- und Auswertemöglichkeiten. Ziel ist es, damit Service und Wartung so einfach und schnell wie möglich zu gestalten. Dies wird die Intelligenz und die Kommunikationsfähigkeit der Geräte weiter erhöhen.

Welche technologischen Trends sehen Sie, die für E-T-A wichtig sind beziehungsweise werden?

Die Überstromschutz-Familie von E-T-A unterstützt auch bei Digitalisierung, Condition Monitoring und Predictive Maintenance.

© E-T-A

Im Automatisierungsbereich sehen wir drei große Trends für uns. Erstens die Anforderungen an die Cybersecurity unserer Geräte: Im Zuge ihrer zunehmenden Intelligenz und der wachsenden Vernetzung müssen wir sicherstellen, dass unsere Geräte gegen das Eindringen Dritter abgesichert sind. Dies ist auch ein Thema auf EU-Ebene mit dem ‚Cyber Security Act‘ und dessen Auswirkungen auf intelligente Geräte.

Zweites großes Thema ist die Maschinensicherheit beziehungsweise die Funktionale Sicherheit. Maschinen werden immer leistungsfähiger, ihre Bedienung muss immer sicherer werden – und auch ihre Komponenten. Das heißt, wir entwickeln Geräte, die den Trend zu höheren Standards in Bezug auf Fehlersicherheit unterstützen.

Ein drittes Thema ist der steigende Bedarf an Schutzgeräten für Gleichspannung. Um weiter CO2 zu reduzieren, wird der Einsatz an erneuerbaren Energien immer wichtiger. Forschungs- und Entwicklungsprojekte zum Einsatz erneuerbarer Energien in Fertigungsstätten der Industrie laufen seit Jahren. Beispielsweise sprechen wir über die Direktnutzung von Photovoltaik auf dem Dach einer Fabrik, was die Nutzung von 1.000 V(DC) beziehungsweise 750 V(DC) bedeutet. Solche neuen Ansätze bedürfen neuer Technologien. Erste Prototypen neuer Gerätefamilien haben wir hier bereits in der Erprobung - bis zu deren Marktreife wird es allerdings noch dauern.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung der nächsten Jahre, geschäftlich und/oder technisch?
Geschäftlich ist dies sicherlich die Gewinnung von Mitarbeitenden in ausreichender Zahl. Wir wollen auch weiterhin wachsen, haben also einen kontinuierlichen Bedarf an Fachkräften und Mitarbeitenden. Gleichzeitig wird in den nächsten Jahren die Generation der ‚Baby-Boomer‘ in Rente gehen und damit die Problematik weiter verschärfen.

Technisch ist aus meiner Sicht der stetige Technologiewandel hin zu intelligenteren Geräten und Systemen mit der Anforderung an sichere Hard- und Software eine Herausforderung. Mechanik wird ersetzt oder durch Elektronik ergänzt. Die Integration von Elektronik geht weiter voran und die Intelligenz der Geräte nimmt zu. Dabei spielt sicher auch die Weiterentwicklung von Analyse-Software mit wachsender künstlicher Intelligenz eine große Rolle. Denn sie erlaubt, dass die Komplexität möglicher Anwendungen in der Zukunft noch wachsen kann.

Welche besonderen Events planen Sie, um Ihr Jubiläum zu feiern?
Wir planen einen großen Tag der offenen Tür zusammen mit vielen unserer internationalen Mitarbeitenden, Kunden und Partnern. An diesem Tag werden wir auch unser neues Kleinteile-Lager einweihen, die größte Einzelinvestition von E-T-A der letzten 30 Jahre und ein deutliches Bekenntnis zum Standort Altdorf. Wir sind sehr stolz, dann über modernste Lagerlogistik zu verfügen, die uns helfen wird, die nächsten Jahre weiter erfolgreich zu wachsen.

Abends findet dann in festlichem Rahmen eine große Abendveranstaltung für alle E-T-A Mitarbeitenden statt. Ein einmaliges Event in der 75-jährigen E-T-A Geschichte.

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