3 Fragen an... Wago

»Es zählt nicht die Endlichkeit eines Geräts«

16. September 2021, 11:30 Uhr | Andrea Gillhuber
Jürgen Pfeifer, Wago Kontakttechnik
© Wago

Edge Computing nimmt im Industrial Internet of Things eine zentrale Rolle ein. Warum die Technologie im Bezug auf ‚mehr Daten‘ den Geldbeutel schonen kann und dennoch zahlreiche Möglichkeiten bietet, erläutert Jürgen Pfeiffer von Wago im ‚3 Fragen an...‘-Interview.

Jürgen Pfeifer ist IoT & Cloud Partnermanager bei Wago Kontakttechnik. Er studierte Elektrotechnik und Elektronik an der Univeristät in Siegen und stieg als Projektingenieur Automatisierungstechnik ins Berufsleben ein. Nach seinem Wechsel zu Wago im Jahr 2001 war er in verschiedenen Positionen im Unternehmen tätigt.

Durch das Industrial Internet of Things fallen immer mehr Daten an, die es zu bewältigen gilt. Es gilt, dieser Datenkomplexität Herr zu werden. Welche Rolle spielt dabei Edge Computing?

Pfeifer: Edge Computing kann in Bezug auf ‚mehr Daten‘ den Geldbeutel schonen. Viele Cloud-Anbieter verdienen ihr Geld mit Daten pro Zeiteinheit. Wenn in der Edge Daten vorab gefiltert oder beispielsweise nur Daten bei Veränderungen und Change of Value in die Cloud übertragen werden, kann dies deutlich die gewünschte finanzielle Entlastung sein. Hinsichtlich ‚Datenkomplexität‘ können zwei unterschiedliche Philosophien beobachtet werden: Bei der einen Variante erfolgt die Harmonisierung der Daten, also die Überführung der Daten in ein – für das Unternehmen oder den Anwendungsfall – geltendes Datenmodell direkt am Entstehungsort, bei der anderen Variante jedoch erst in der Cloud. Gerade für die erstgenannte Variante ist die Edge unmittelbar am Entstehungsort sehr gut geeignet, zum Beispiel direkt im Schalschrank neben der SPS an der Maschine.

An der Edge werden Sensordaten vorausgewählt, Softwareapplikationen abgearbeitet oder gar KI-Berechnung durchgeführt. Was sollten Anwender in Bezug auf die Edge-Software-Landschaft beherzigen? Welche Technologien sollen/müssen unbedingt berücksichtigt werden?

Pfeifer: Die Edge verbindet die OT-Welt, also die Steuerungstechnik und SPS-Welt mit der IT-Welt. Die SPS-Welt ist getreu dem bewährten Motto ‚never change a running system‘ sehr statisch. Die IT kann und muss zum Teil sehr dynamisch sein. Dynamisch aufgrund von Security-Themen, wie Zum Beispiel der Pflege von Sicherheitspatches oder aufgrund der Tatsache, dass die Digitalisierung in der Produktion relativ am Anfang steht. Es werden viele neue Ideen für Geschäftsmodelle entstehen, die eine neue Softwareapplikation erfordern oder einen neuen optimierten Algorithmus einer Analytic, der auf der Edge geladen werden soll. Wer da auf Linux und Docker und gegebenenfalls noch auf eine x86 Architektur setzt, kann aus heutiger Sicht nichts falsch machen.

Mit den Aufgaben wachsen die Anforderungen an die Hardware. Auf was sollten Anwender bei der Auswahl der passenden Edge-Computing-Hardware achten?

Pfeifer: Irgendwann stößt jede Hardware an ihre Grenzen. Hochinteressant ist in diesem Zusammenhang der Aspekt, dass mit einem guten Orchestrierungstool für die Docker-Container ein Load-Balancing erfolgen kann. Wenn die Anwendung es zulässt, können die Container mit den Softwareapplikationen auf mehrere Geräte verteilt werden. Es zählt dann nicht die Endlichkeit des einzelnen Geräts, sondern der Geräteverbund bzw. das Cluster. Zu diesem Verbund können dann auch wieder Ressourcen in der Cloud gehören und die Endlichkeit relativiert sich weiter.

Jürgen Pfeifer und Wago Kontakttechnik im Kurzporträt

Jürgen Pfeifer, Wago Kontakttechnik
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Wago_Stammsitz, Minden
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