Kommunikation / Produktionssteuerung
IO-Link koppelt MES mit Fertigung
Sollen Zustand und Effektivität einer Maschine sowie die jeweilige Produktqualität überwacht werden, sind die von der SPS oder Visualisierung verdichteten Daten selten komplett oder nicht zuverlässig. Abhilfe schafft eine direkte Kopplung der Sensoren mit der MES-Ebene über IO-Link.
Folgende Zielvereinbarungen kennt jeder Produktionsverantwortliche: Die Fertigung soll mit maximaler Produktivität bei minimalen Kosten laufen und die Qualität der Produkte muss den gewünschten Anforderungen entsprechen. Ungeplante Maschinenausfälle, plötzliche Qualitätsmängel oder sinkende Produktivität machen dem aber immer wieder einen Strich durch die Rechnung.
Aber welche Prozessparameter müssen vorliegen, damit die Fertigung optimal läuft? Wie groß ist der Energieverbrauch zur Fertigung eines Produkts? Wie entwickelt sich der Produktionstakt? Würden zusätzlich alle Abweichungen außerhalb der Toleranz unmittelbar gemeldet, wäre die Transparenz nahezu vollkommen. Das Problem: Die klassische Steuerungstechnik liefert zur Klärung dieser Fragen immer nur eine Auswahl an verdichteten und gefilterten Informationen an die übergeordneten Scada-Systeme (Supervisory Control And Data Acquisition) oder an das MES (Manufacturing Execution System).
Mit einer direkten Datenerfassung der relevanten Prozessparameter und Auswertung im MES könnten jedoch die wesentlichen Produktionskennzahlen für die Fertigungssteuerung und Qualitätsüberwachung transparent erstellt und eine durchgängige Traceability für Produkte und Prozesse gewährleistet werden.
Schluss mit der hierarchischen Kommunikation
Allerdings ist es dazu notwendig, die streng hierarchische Kommunikationsstruktur – Sensor-, Automations- und Leitebene (Scada, MES/ERP) – aufzuweichen. Intelligente Sensoren können längst direkt mit der Unternehmenssoftware kommunizieren und ihre Informationen über Maschinenzustände und Prozessparameter, die den Bearbeitungsprozess der Maschine und die Produktqualität maßgeblich beeinflussen, zum MES übertragen.
Dies haben die Firmen ifm Consulting und ifm Datalink (ehemals Handke Industrial Solutions) realisiert. Dazu wurde das Portfolio an ifm-Sensoren – in der ersten Ausbaustufe alle IO-Link-Sensoren – um die Intelligenz der Software Line-Recorder des MES-Anbieters erweitert. Konkret wurde das IO-Link-Protokoll in den Line-Recorder-Agenten integriert, so dass die Software IO-Link-Daten lesen, verarbeiten und an die Sensoren senden kann. Damit gelingt erstmals der durchgängige Datentransfer vom Sensor bis zum ERP-System. Effizienz- und Qualitätskennzahlen werden dabei automatisch generiert.
Das MES-System wurde um einen Agenten für IO-Link ergänzt, der über einen IO-Link-Gateway die Sensordaten ohne 'Umwege' einliest.
© ifm ConsultingModular aufgebaut und skalierbar lassen sich die Funktionsmodule der Software beliebig kombinieren und für Einzelmaschinen, Fertigungslinien, Handarbeitsplätze und gesamte Standorte konfigurieren. Verfügbar sind Funktionsmodule für:
- Produkt- und Prozess-Traceability,
- Maschinendaten-Erfassung (Kennzahlen-Ermittlung wie OEE (Overall Equipment Effectiveness),
- Auftragsplanung und -steuerung sowie Prozessverriegelung,
- Material- und Wartungsmanagement,
- Wissensdatenbank,
- Prozessoptimierung,
- Qualitätssicherung
- sowie ERP-Konnektivität
Der webbasierte Aufbau ermöglicht einen standortunabhängigen Transfer und Speicherung der Daten sowie die Option, steuernd in alle Fertigungsprozesse einzugreifen. Mit der Software ist die durchgängige Ermittlung aller qualitativen und quantitativen Kennwerte der Produktion gewährleistet. Kundenspezifische Reports können ebenso generiert werden wie Reportings über FPY (First Pass Yield), OEE, Cmk (Faktor zur Bestimmung der Maschinenfähigkeit) oder Top-Ten-Fehlerstatistiken. Bei Erreichen individuell einstellbarer Grenzwerte generiert das System automatisch entsprechende Fehlermeldungen.
Sensor- und Maschinenanbindung über Agenten
Die Agenten stellen den verschiedenen Funktionsmodulen der Line-Recorder-Software die Daten aus der Fertigung zur Verfügung.
© ifm ConsultingDas Besondere an dem MES-System ist dessen Schnittstellen-Konzept: Maschinenanbindungen lassen sich mittels so genannter Agenten ohne Programmieraufwand konfigurieren. Die Schnittstellentools kommunizieren bidirektional mit den Maschinensteuerungen oder Sensoren und schreiben die Prozessdaten in die Datenbank des MES-Tools. Falls notwendig, zum Beispiel bei einer kurzzeitigen Netzwerk-Unterbrechung, puffern sie auch die Daten. Für die wichtigsten Maschinenanbindungen gibt es bereits fertige Agenten, etwa für AS-Interface, Profibus, Modbus, CAN, SECS/GEM oder RS 232, ASCII, CSV oder XML. An Steuerungen werden zurzeit die von Siemens (S5/S7) und Beckhoff unterstützt sowie jede Steuerung, die über TCP/IP kommunizieren kann.
Als jüngste Entwicklung schlägt der Agent für IO-Link nun eine Brücke zur intelligenten Sensorik: Über ein Interface (Ethernet/IO-Link) und das IO-Link-Standardprotokoll sind die Sensordaten direkt im MES-Tool auswertbar. Eine weitere Kopplungsvariante wäre über AS-Interface und ein AS-Interface/IO-Link-Modul.
Über die Sensor-App können die IO-Link-Sensoren konfiguriert und die Mess-Ergebnisse analysiert und exportiert werden.
© ifm ConsultingZugriff auf die Sensordaten haben die Bediener über die Sensor-APP, über deren Parametrieroberfläche sämtliche Einstellungen vorgenommen werden, beispielsweise Wertebereiche, Messbereiche, Schaltpunkte, Rückschaltpunkte. Die Sensor-APP stellt die Standard-Konfigurations-/Bedienoberfläche für die Sensoren dar, die der Installateur oder Elektriker zur Inbetriebnahme nutzen kann. Während der Inbetriebnahme werden die Parameter der Sensoren auf die benötigten Funktionalitäten eingestellt. Mittels des Buttons „Daten auslesen“ lassen sich dabei die im Sensor bereits gespeicherten Daten und Parameter auslesen.
Die Sensor-APP erkennt sämtliche IO-Link-Sensoren automatisch – auch IO-Link-Sensoren anderer Hersteller. Dazu ist lediglich die vom Hersteller mitgelieferte IODD-Datei in das entsprechende Verzeichnis der Sensor-APP zu kopieren. Die Darstellung der Prozesswerte kann sowohl grafisch als auch tabellarisch oder nach einem Export auch in Excel erfolgen. Über den Parametrier-Button lassen sich sämtliche Sensor-Parameter aufrufen, ändern und anschließend wieder in den Sensor oder in einer Datei speichern. Diese Standard-Konfigurationsdateien können bei der Integration weitere Maschinen oder Fertigungslinien einfach den zusätzlichen Sensoren zugewiesen werden.
Für die Aufgabenbereiche Condition-Monitoring, Energiemanagement und Traceability entstehen zurzeit weitere Sensor-Agenten, die eine Verarbeitung der Sensordaten direkt auf ERP-Ebene ermöglichen.
Autor: Heinz-Georg Wirooks ist Geschäftsführer der Firma ifm Consulting in Essen.













