B&R User Meeting 2011
Integrierte Automatisierung als Leitthema
Zur 22. Auflage des jährlich stattfindenden „User Meetings“ konnte der österreichische Automatisierungstechnik-Anbieter B&R am 24. und 25. Mai in Salzburg rund 270 Teilnehmer begrüßen. Erstmalig fand im Rahmen dieser Kunden- und Partnerveranstaltung auch der „Powerlink Day“ zum Thema industrielle Ethernet-Vernetzung statt.
Die rund 270 Besucher des B&R User Meetings 2011 bedeuteten einen neuen Teilnehmerrekord für diese Veranstaltung.
© B&R19 Vorträge von B&R-Referenten, acht Partnervorträge und fünf Kundenberichte in zwei Tagen – auf diese Kurzformel lässt sich das Programm des „B&R User Meetings 2011“ bringen. In seiner Eröffnungsrede zitierte Vertriebsleiter Hermann Obermair eine aktuelle Quest-Studie, wonach 88 % der Maschinenbauer, die aktuell eine Änderung an ihrer Steuerungstechnologie beabsichtigen, auf eine integrierte Plattform setzen. Das Leitthema des diesjährigen Anwendertreffens lautete demzufolge „Integrierte Automatisierung“ – angefangen beim Engineering über die Steuerungs- bis hin zur Antriebstechnik inklusive der Safety-Thematik. Was B&R darunter im Detail versteht, welche Neuheiten es auf diesem Gebiet gibt und wie vor allem die praktische Umsetzung aussehen kann, erläuterten die Referenten am Beispiel einer virtuellen Fertigungslinie für Photovoltaikmodule, die sich wie ein roter Faden durch zahlreiche Vorträge zog.
In den Vortragspausen konnten sich die Besucher in der begleitenden Ausstellung anhand von Live-Demonstartionen im Detail über unterschiedliche Themen und Produkte informieren.
© computer-automation.deAls eine der Kernkomponenten für die integrierte Automation sieht B&R seine Software-Umgebung „Automation Studio“, mit der die Egelsberger seit 1995 dem Anspruch „One Tool – many Targets“ Rechnung tragen. Mit anderen Worten: Sämtliche CPUs im Produktportfolio werden ausschließlich auf Basis dieser Plattform programmiert. Um von den Anwendern zu erfahren, was es diesbezüglich vor allem in puncto Handhabung noch zu verbessern gibt, forderte Obermair die Anwesenden zur Teilnahmen am „Usability Lab“ auf. Unter Regie von Dr. Elke Maria Deubzer vom PMO Fachinstitut für Usability Engineering in München fanden in diesem Rahmen Befragungen und kognitive Tests im Zusammenhang mit der Hardware-Auswahl und -Konfiguration im Automation Studio statt. Den Hintergrund der Aktion formulierte Obermair selbstkritisch beziehungsweise ironisch überspitzt mit den Worten: „Wir sind ja blind, wie es bei den Herstellern oft so ist – mit Ihrer Hilfe wollen wir sehender werden!“.

Vizepräsident von Alstom im EPSG-Aufsichtsrat
Im Rahmen der EPSG-Generalversammlung, die am 24. Mai in Salzburg stattfand, wurde Christian Kervenec, Vizepräsident Technology bei Alstom Power Automation & Controls, in den Aufsichtsrat der Ethernet Powerlink Standardization Group (EPSG) gewählt.
Powerlink – die Möglichkeiten der Schnittstellen-Implementierung
Nicht nur das „Usability Lab“ war eine Premiere des User Meetings. Am ersten Tag fand parallel erstmalig der Powerlink Day statt. Moderiert von Stefan Schönegger, Geschäftsführer der Ethernet Powerlink Standardisation Group (EPSG) und Leiter des Bereiches Open Automation Technologies bei B&R, gaben Firmen wie Hilscher, Ixxat und Port einen Überblick über die Trends bei der industriellen Kommunikation. Im Fokus stand dabei aber nicht nur Powerlink im Speziellen. Denn auch bei B&R ist man sich bewusst, dass im Markt unterschiedliche Systeme miteinander konkurrieren und auch ihre Berechtigung haben und nicht zuletzt die klassischen Feldbusse noch eine lange Lebenserwartung vor sich haben. „Ergo wollen wir als B&R auch die kommenden Multi-Protokoll-Lösungen unterstützen“, betonte Schönegger.
Eine davon ist die netX-Plattform von Hilscher, mit der das Unternehmen nach den Worten seines Geschäftsführers Hans-Jürgen Hilscher „seit fünf Jahren gut unterwegs ist“. Doch da die Ethernet-Systeme an sich immer leistungsfähiger werden – siehe zum Beispiel die neue Profinet-Spezifikation V2.3 – müssen auch die Plattformen zu deren Realisierung mit den steigenden Anforderungen Schritt halten. Hilscher reagiert darauf, indem derzeit die Weichen für ein Upgrade der kompletten netX-Familie gestellt werden. Bereits gegen Ende des Jahres soll ein Redesign des auf dem ARM-966-Prozessor basierenden netX50-Chips auf den Markt kommen. Dieser netX51 genannte Baustein wird sich unter anderem durch erweiterte COM-Schnittstellen, xPCI und 500 kByte SRAM auszeichnen. Als Downgrade des netX51 – sprich ohne ARM-Prozessor und Peripherie – soll neu der netX6 auf den Markt kommen. Für 2012 kündigte Hans-Jürgen Hilscher in Salzburg zudem die Nachfolger für die ARM-926-basierenden Plattformen netX100 und netX500 an, die dann auf der 90-nm-Technologie aufbauen (bisher 130 nm) und ebenfalls eine Reihe neuer, beziehungsweise verbesserter Funktionen zur Verfügung stellen.
Über eine andere Möglichkeit der Schnittstellenrealisierung – nämlich primär auf Basis von FPGAs – referierte Christian Schlegel, Geschäftsführer von Ixxat. Das Unternehmen mit Sitz in Weingarten ist seit 2003 Mitglied in der EPSG, war aktiv an der Entwicklung der Powerlink-Spezifikation beteiligt und hat zudem im Jahr 2005 zusammen mit B&R die openSafety-Lösung zur Realisierung sicherheitsgerichteter Automatisierungslösungen entwickelt. Was Letztere betrifft, kündigte Schlegel auf dem Powerlink-Day die Entwicklung einer Referenz-Hardware für eine SIL-3 fähige Integration sicherer I/O-Funktionen an.
Sichere Hardware für openSafety
Die „Safety-Hardware“ wird aus zwei unabhängigen Safe-CPUs sowie einem FPGA für die Anbindung an die nicht sichere Applikation bestehen und bereits die sichere Ansteuerung der digitale Ein- und Ausgänge sowie vorzertifizierte Soft- und Hardware Komponenten beinhalten. Geplant sind zwei Varianten der Lösung: Zum einen ein Aufsteckmodul zur einfachen Integration beispielsweise eines Not-Aus-Tasters in ein bestehendes Bedienpanel, zum anderen als Design-In-Lösung zur nahtlosen Geräteintegration. Neben Ixxat will auch B&R selbst ein solches Referenz-Design anbieten. Dass beide Firmen diesbezüglich „gemeinsame Sache“ machen, gilt als wahrscheinlich. Beider Anspruch mit einer solchen Lösung ist es, den Implementierungsaufwand für Safety auf ein Niveau zu senken, wie es heute für die Realisierung einer Standard-Industrial-Ethernet-Schnittstelle üblich ist.
Zusätzlich zum Referenz-Design für Safety stellte Stefan Schönegger schließlich den „Powerlink Slave“ zur Realisierung einer Standard-Powerlink-Schnittstelle vor. Zielgruppe dieser reinen Software-Lösung, die für FPGAs von Altera und Xilinx verfügbar ist, sind zum Beispiel Ingenieurbüros, die Powerlink-Entwicklung anbieten wollen oder auch Hersteller mit eigener Hard- und Softwareentwicklung. Bestandteil der Gesamtlösung ist neben einem entsprechenden Entwicklungskit und Testsystem von B&R auch die Teilnahme an einem zweitägigen Implementierungsworkshop.
Last but not least laufen derzeit Gespräche mit Halbleiterherstellern hinsichtlich einer direkten Integration von Powerlink in deren Halbleiterbausteine. Zur Erinnerung: Auf der diesjährigen Hannover Messe hatte die Nutzerorganisation rund um die Ethercat-Technologie von Beckhoff – die Ethercat Technology Group (ETG) – eine Vereinbarung mit Texas Instruments verkündet, die in dieselbe Richtung geht.











