Deutsche Werkzeugmaschinenindustrie
Die eigenen Erwartungen übertroffen
Die gute Ausgangslage mit vollen Auftragsbüchern bei hoher Kapazitätsauslastung hat der Werkzeugmaschinenindustrie im Jahr 2012 ein Produktionsvolumen beschert, das so nicht zu erwarten war. Dieses Fazit zog der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) anlässlich seiner Jahrespressekonferenz in Frankfurt.
Konkret haben die deutschen Werkzeugmaschinen-Hersteller für das vergangene Jahr ein Produktionsvolumen von 14,1 Mrd. Euro zu verzeichnen - ein Zuwachs von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch besser schnitten die Exporte ab. Sie lagen mit einem Anstieg von 20 Prozent auf 9,5 Mrd. Euro beim höchsten Wert, der je gemessen wurde. Der Inlandsmarkt hingegen trat weitgehend auf der Stelle. Mit 6,8 Mrd. Euro notierte er noch ein gutes Stück unter dem Vorkrisenniveau (8,6 Mrd. Euro).
Größter Einzelmarkt ist nach wie vor China. Mit einem Volumen von rund 2,4 Mrd. Euro und einem Zuwachs von 14 Prozent hat der chinesische Markt mehr als doppelt so viele deutsche Maschinen aufgenommen wie der zweitstärkste Markt USA. Auch die US-Industrie setzt bei der Modernisierung ihrer Produktionsanlagen auf deutsche Werkzeugmaschinen. Die Exporte lagen bis November 2012 gut ein Drittel über denen von 2008. Selbst in das krisengeschüttelte Spanien wurde mehr verkauft als im Vorjahr, wenn auch ausgehend von niedrigem Niveau.
Bis Oktober 2012 wurde der Auftragsbestand auf 8,3 Monate abgebaut, knapp ein Monat weniger als im Durchschnitt des Vorjahres. Der Auftragseingang wiederum ist 2012 ausgehend vom Bestellrekord des Vorjahres erwartungsgemäß um ein Zehntel gesunken. Gestützt wurde die Nachfrage durch Bestellungen aus Europa und den USA sowie durch die Umformtechnik.
Gewinner im internationalen Wettbewerb
Mit ihrem Produktionsergebnis war die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie 2012 laut VDW unter den großen Wettbewerbern eindeutig der Gewinner. Wechselkurseffekte ausgeschlossen, sei die chinesische Produktion geschrumpft; die Japaner traten auf der Stelle. Die US-Werkzeugmaschinenproduktion konnte aufgrund des dynamischen Inlandsmarktes zwar zulegen, blieb mit sieben Prozent Plus jedoch hinter Deutschland zurück. Auch die europäische Werkzeugmaschinenindustrie wuchs insgesamt nur halb so stark wie die Branche in Deutschland. Im Export rückten die deutschen Anbieter wieder näher an Japan heran.
Für 2013 erwartet der VDW-Prognosepartner Oxford Economics, dass Industrieproduktion und Anlageinvestitionen weltweit wieder etwas stärker zulegen. Das trifft in allererster Linie für Asien und Amerika zu, weniger für Europa. Für die Werkzeugmaschinenindustrie in Deutschland leiten sich daraus stabile Bestellungen ab. Aktuell zeigen beispielsweise Frühindikatoren in China, das zuletzt 30 Prozent weniger geordert hatte, wieder aufwärts. Der Einkaufsmanagerindex ist gegenüber seinem Tiefpunkt im August 2012 im Januar 2013 auf mehr als 52 Punkte gestiegen. Auch die Industrieproduktion wächst wieder zweistellig.
Auslandsproduktion nimmt zu
Fast zwei Fünftel der Weltwerkzeugmaschinenproduktion von rund 66 Mrd. Euro wurden im vergangenen Jahr allein in chinesischen Fabriken aufgestellt. Trotz des vorübergehend langsameren Marktwachstums bleibt der Bedarf an Werkzeugmaschinen in Asien nach Überzeugung des Branchenverbandes auch künftig immens, während die traditionellen Märkte Westeuropas diese Dynamik nicht mehr mitgehen können. „Deutsche Werkzeugmaschinenanbieter stehen vor der Herausforderung, ihre Vertriebs- und Produktionsstrukturen darauf auszurichten“, betont Martin Kapp, Vorsitzender des VDW, in diesem Zusammenhang.
Nach einer aktuellen VDW-Umfrage wuchs die Fertigung deutscher Anbieter in ausländischen Produktionsniederlassungen 2011 um fast 60 Prozent auf etwa 1,7 Mrd. Euro. Schwerpunkte des Engagements sind traditionell die Schweiz, USA, Brasilien. Die vergleichsweise jungen, jedoch stark wachsenden China-Aktivitäten standen 2011 für 55 Prozent Plus. Dieser Prozess werde mit weiterem Personalaufbau absehbar an Dynamik gewinnen.













