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Artikel und Hintergründe zum Thema

VDE-Studie

Karin Zühlke, Energie&Technik | Jan Bihn,

Deutschland bei Smart Grids ganz vorne

Für Deutschland bieten sich bei den intelligenten Stromnetzen (Smart Grids) die größten Standortchancen. Das ist das Ergebnis des aktuellen VDE-Trendreports 2011 der Elektro- und Informationstechnik, einer Umfrage unter 1.300 VDE-Mitgliedsunternehmen und Hochschulen in der Elektro- und Informationstechnik. Einen Risikofaktor sieht die Studie im Fachkräftemangel.

Nach der Studie, die der VDE anlässlich der Hannover Messe der Öffentlichkeit vorstellte, blicken die VDE-Mitgliedsunternehmen optimistisch in die Zukunft: 76 Prozent sind überzeugt, dass sich die Konjunkturaussichten für Deutschland weiter verbessern werden.
 
Die wichtigsten Standortimpulse erwarten die VDE-Mitgliedsunternehmen in den Bereichen Energieeffizienz (81 Prozent), Smart Grid / Intelligente Stromnetze (67 Prozent) und Elektromobilität (62 Prozent). Etwas mehr als die Hälfte der Befragten erwarten für Smart Grids einen globalen Leitmarkt, für den ein verschärfter internationaler Wettbewerb vorausgesagt wird. Indes verfüge Deutschland auf diesem Technologiefeld über einen deutlichen Innovationsvorsprung: Fast zwei Drittel bescheinigen der Bundesrepublik im internationalen Vergleich die mit Abstand höchste Technikkompetenz zur Realisierung von Smart Grids.

Intelligente Stromnetze beschleunigen laut VDE-Umfrage den dezentralen Ausbau erneuerbarer Energien (81 Prozent Zustimmung), leisten einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der EU-Emissionsziele (74 Prozent Zustimmung) und sind notwendige Voraussetzung zur weiteren Integration erneuerbarer Energien (65 Prozent Zustimmung). 84 Prozent der befragten Unternehmen sehen die technischen Vorzüge intelligenter Stromnetze vor allem in der Energieverteilung, je ein Drittel geht auch von Vorteilen für die Energieerzeugung und -übertragung aus. Positive Kosten- und Preiseffekte erwarten immerhin vier von zehn Unternehmen.

Breite Akzeptanz in der Bevölkerung

60 Prozent der VDE-Unternehmen sind der Ansicht, dass intelligente Stromnetze Wettbewerbs- und Standortvorteile für die heimische Automobilindustrie und IT-Branche bieten. Zugleich rechnet knapp die Hälfte damit, dass sich Smart Grids bis 2025 in Deutschland endgültig durchsetzen werden. Dass diese Innovation in der Bevölkerung auch auf breite Akzeptanz stößt, meint etwa ein Viertel. Während Akzeptanzprobleme nur für jeden Zweiten das größte Hindernis beim Netzausbau darstellt, sagen das mit Blick auf die Investitionskosten rund zwei Drittel der Befragten. Fehlende international einheitliche Standards und mangelnde Marktanreize problematisiert jeder Zweite, Datenschutz, Informationssicherheit und die rechtliche Rahmenbedingungen jeder Dritte.

In der Erhebung zeichnet sich nicht zuletzt eine gewaltige Zukunftsaufgabe für die berufliche Aus- und Weiterbildung ab: Gut zwei Drittel der Befragten bezweifeln, dass die deutschen Hochschulen ausreichend auf die spezifischen Herausforderungen vorbereitet sind, die mit der Realisierung von Smart Grids einhergehen. Nahezu völlig unvorbereitet sind demnach Ausbildungsbetriebe sowie Berufsschulen und -akademien.

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Fachkräftemangel immer dramatischer

Große Sorge bereitet den befragten Unternehmen allerdings der absehbare Mangel an Fachkräften. Nahezu alle VDE-Unternehmen rechnen damit, dass sich der internationale Wettbewerb um Fachkräfte der Elektro- und Informationstechnik weiter verschärfen wird. Hier müssen alle Verantwortlichen gegensteuern: "der Staat mit ausreichenden Ausbildungskapazitäten, die Unternehmen mit Anreizen für Ingenieure und Verbände mit Weiterbildungsangeboten“, sagte der stellvertretende VDE-Präsident Dr.-Ing. Joachim Schneider heute (4. April) auf der Hannover Messe. Neun von zehn Befragten befürchten, dass die Unternehmen in der Bundesrepublik ihren Bedarf an gut ausgebildeten beziehungsweise erfahrenen Fachkräften in Zukunft nicht ausreichend decken können. Vier von fünf sehen auch an Hochschulen Engpässe beim wissenschaftlichen Nachwuchs. 78 Prozent prognostizieren darüber hinaus, dass der Anteil der Elektroingenieure und IT-Experten in den Unternehmen weiter wachsen wird – und das bei immer älter werdenden Ingenieursbelegschaften.

Wie wichtig die Themen Ausbildung und Wissenstransfer für den Standort Deutschland sind, zeigt sich auch bei der Frage nach den Innovationschancen. 74 Prozent sehen in einem möglichst hohen Ausbildungsniveau die wichtigste Voraussetzung für Innovationen.

Gewinner in dieser Situation sind Hochschulabsolventen und junge Akademiker mit erster Berufserfahrung in der Elektro- und Informationstechnik, die als Bewerber nach wie vor beste Berufsaussichten haben. Insbesondere im Bereich Planung, Projektierung, Engineering, in der Forschung und Entwicklung und im Bereich Informationstechnik, Softwareentwicklung und IT-Dienstleistungen suchen die Unternehmen derzeit geeignetes, hoch qualifiziertes Personal.

Der VDE-Trendreport 2011 basiert auf einer Umfrage unter den 1.300 VDE-Mitgliedsunternehmen sowie unter Hochschullehrern der Elektro- und Informationstechnik. Die Studie kann für 250 Euro im Infocenter unter www.vde.com bestellt werden. Für VDE-Mitglieder ist sie kostenlos.

Karin Zühlke, Energie&Technik

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