Gebäudeautomation

Frank Sünkel | Günter Herkommer,

Backöfen-Hersteller spart mit Energie-Monitoring

Der Betrieb von Bäckereien ist Energie-intensiv – gleiches gilt für die Herstellung der dafür erforder­lichen Backöfen. Um speziell im Bereich der Gebäudetechnik signifikante Einsparungen zu erzielen, hat der ­Ausrüster MIWE in ein Monitoring-System basierend auf einem modularen I/O-System investiert.

© MIWE

Backöfen möglichst effizient zu machen, ist eines der Ziele der Firma MIWE Michael Wenz aus Arnstein. In seiner fast 100-jährigen Geschichte hat sich das Unternehmen mit den aktuell mehr als 700 Mitarbeitern zu einem international tätigen Ausrüster für Backbetriebe entwickelt – stets mit dem Anspruch, technologisch eine Vorreiterrolle zu übernehmen. So brachte MIWE beispielsweise in den 1960er-Jahren den so genannten Stikkenofen auf den Markt, der durch die effiziente Beschickung mit einem Wagen die Arbeit in den Backstuben deutlich erleichtert hat. Auch die Entwicklung des ‚Sicht- und Duft-Backens‘ am Point-of-Sales haben die Unterfranken durch die Einführung von Backstationen mit geprägt.

Derzeit ist Energie-Effizienz eines der Themen, zu dem man sich bei MIWE aktuell sehr hohe Ziele gesteckt hat. So versieht das Unternehmen seine neuen Produkte mit der Zusatzbezeichnung e+, wenn sie im Vergleich zum Vorgängermodell eine um mindestens 10 % höhere Energie-Effizienz aufweisen. Und im Geschäftsbereich ‚MIWE energy‘ unterstützt MIWE die Kunden dabei, die gesamte Backstube energetisch zu optimieren.

Um in Sachen Energie-Effizienz glaubwürdig auftreten zu können, hat MIWE außerdem unlängst die Energie-Effizienz der eigenen Produktion unter die Lupe genommen und in diesem Zusammenhang ein durchaus ehrgeiziges Ziel ins Auge gefasst: Pro Jahr sollte die verbrauchte Energiemenge des gesamten Betriebs um 5 % gegenüber dem Vorjahr sinken – bei jährlichen Gesamt-Energiekosten von über 1 Mio. Euro ein überaus lohnendes Projekt. Weil knapp die Hälfte der Energiekosten bei MIWE durch den Betrieb der eigenen Gebäude entsteht, sollte speziell in diesem Bereich Energie eingespart werden. Das weitläufige Gelände am Standort Arnstein umfasst etwa 100.000 m2 Gesamtfläche, geheizt wird überwiegend mit Gas oder Öl. Gerade die Weitläufigkeit macht es sehr schwierig, die einzelnen gebäudetechnischen Anlagen zu überwachen. Und obwohl ein recht großer Aufwand betrieben wird, diverse Messdaten zu erfassen, zu protokollieren und auszuwerten, lassen sich Störungen oftmals nicht sofort erkennen.

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Die Controller und Klemmen aus dem Wago-I/O-System 750 bilden den ‚Kern‘ der Infor­mationsschwerpunkte, von denen aus die Gebäudetechnik in den Produktionshallen gesteuert wird.

© Norbert Schmelz/vor-ort-foto.de

Die Ausgangssituation

Zu Beginn des Energie-Effizienz-Projekts stand zunächst eine Bestandsaufnahme der technischen Gebäudeaus­rüstung an. „Alle in der Vergangenheit geplanten und installierten Anlagen sind Insellösungen“, erklärt Christian Müller, der den Bereich Facility Management leitet. Auf eine hohe Energie-Effizienz wurde dabei in den seltensten Fällen geachtet. Ein typisches Beispiel hierfür sind die neuen Kühlaggregate auf dem Dach der größten Produktionshalle, in der Laserschneidanlagen, Abkantpressen und andere Maschinen zur Metallbearbeitung eine beträchtliche Abwärme von bis zu 280 kW erzeugen. „Der Planer hatte die vier Kühlgeräte, die mit adiabatischer Kühlung arbeiten, nur mit dem Grundmodul der Herstellersteuerung ausgestattet, womit eine Ansteuerung der Klappenantriebe und der Abluftanlage nicht zu realisieren war.

Christian Müller, der den Bereich Facility Management bei MIWE leitet, hat das ehrgeizige Ziel, die Energiekosten um 5 % pro Jahr zu senken.

© Norbert Schmelz/vor-ort-foto.de

So kann man nicht energieeffizient regeln“, nennt Müller einen der Nachteile der bisherigen Installationen. Schnittstellen zu einer übergeordneten Gebäudeleittechnik waren ebenfalls nicht vorgesehen. Außerdem beruhte die Steuerung in der ursprünglichen ­Installation auf nur einem einzigen Temperatursensor – in einer Halle mit insgesamt 100 Metern Länge!

Vor diesem Hintergrund erarbeitete Christian Müller mit seinem Team ein Konzept, das auf dem Wago-I/O-System basiert: Schritt für Schritt wurden alle gebäudetechnischen Systeme an programmierbare Ethernet-Controller angebunden, die den Kopf eines Automatisierungsknotens bilden. In jeder Halle wurde ein so genannter Informationsschwerpunkt (ISP) geschaffen, in dem alle Signale und Störmeldungen sämtlicher gebäudetechnischer Einrichtungen zusammenlaufen. Der ISP besteht jeweils aus einem Controller, an den die entsprechenden Busklemmen des I/O-Systems angereiht werden. Für die meisten Sensoren und Aktoren finden dabei digitale und analoge Eingangs- und Ausgangsklemmen Verwendung.

Die Controller und Klemmen aus dem Wago-I/O-System 750 bilden den ‚Kern‘ der Infor­mationsschwerpunkte, von denen aus die Gebäudetechnik in den Produktionshallen gesteuert wird.

© Norbert Schmelz/vor-ort-foto.de

Zusätzlich werden für die Erfassung von elektrischen Leistungen 3-Phasen-Leistungsmessklemmen eingesetzt, die neben dem Energieverbrauch weitere wichtige Kenngrößen des Versorgungsnetzes messen. Dazu gehören Blind-, Schein- und Wirkleistung, Leistungsfaktor, Phasenwinkel, Frequenz, Über- und Unterspannung sowie Über- und Unterstrom.

Im ISP steuert jeweils ein Controller alle Aggregate und Geräte beispielsweise für die Klimatisierung an. „Da für die unterschiedlichsten Signale und Schnittstellen passende Busklemmen zur Verfügung stehen, sind wir in jeder Situation sehr flexibel“, argumentiert der Facility Manager für das verwendete Automatisierungssystem und fügt hinzu: „Außerdem hat die Kommunikation per Modbus über TCP/IP für die Anwendung große Vorteile, da bereits eine leistungsfähige Netzwerk-Infrastruktur innerhalb des Geländes vorhanden war.“

Fokus auf die Klimatisierung

Die große Produktionshalle ist mit dem neuen Konzept jetzt in drei Raumklimazonen unterteilt. Sensoren erfassen in allen drei Zonen jeweils die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit, den Luftdruck und die Luftqualität. Über die Busklemmen gelangen die Messwerte in den Controller, der dann je nach Bedarf die frequenzgeregelten Lüfter an den Klimageräten, die Belüftungsklappen, die Abluftgeräte und die Geräte zur Luftbefeuchtung ansteuert; und zwar derart, dass möglichst wenig Energie verbraucht wird und gleichzeitig das Raumklima stets optimal ist. „In der Vergangenheit konnte es schon mal vorkommen, dass die Klimatisierung auf voller Leistung lief, während über die Wärmerückgewinnung der Kompressoranlage die Halle mit warmer Luft geheizt wurde“, sagt Müller. Heute verhindert die Steuerung wirkungsvoll, dass solch energetisch unsinnige Zustände auftreten.

Die vormontierten Klemmenblöcke werden zwischen den bei MIWE eingesetzten Stromwandlern und 3-Phasen-Leistungsmessklemmen aus dem Wago-I/O-System installiert.

© Norbert Schmelz/vor-ort-foto.de

Über die digitale Eingangsklemmen des I/O-Systems ist nun außerdem die Brandmeldetechnik an die Ge­bäudetechnik angebunden, damit im Brandfall sämtliche Lüftungen ab­geschaltet werden können, um so zu verhindern, dass sich Rauch im Ge­bäude ausbreitet.
Die Steuerungen hat das Facility Management von MIWE mit Codesys selbst programmiert. Als ideal hat sich dabei der Web-Server erwiesen, der auf jedem Controller als Standard vorhanden ist. Mit der integrierten Web-Visualisierung lässt sich über das Netzwerk der aktuelle Zustand im Auge behalten. Die Gesamtarchitektur basiert auf dezentralen Con­trollern in den Informationsschwerpunkten. „Ein übergeordnetes Scada-System haben wir im Moment nicht vorgesehen“, erklärt Christian Müller.
Das Konzept der Raumklimazonen möchte MIWE nun nach und nach auf alle anderen Hallen des Firmenge­ländes übertragen. Dabei ist der modulare Aufbau des WAGO-Systems von entscheidendem Vorteil: „Wir müssen lediglich die passenden Klemmen aus dem E/A-System auswählen, im I/O-Knoten ergänzen und können dann praktisch alle Aggregate und Anlagen einbinden.“ In einem weiteren Schritt ist geplant, den zweiten Standort des Unternehmens im thüringischen Meiningen mit dem gleichen System auszustatten. Schlussendlich soll das gesamte Energiemanagementsystem der Unterfranken nach DIN EN ISO 50001 zertifiziert werden.

Autor: Frank Sünkel ist Technischer Vertriebsberater bei Wago Kontakttechnik.

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