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Artikel und Hintergründe zum Thema

Sensor-Aktor-Kommunikation

Stephan Langerv | Inka Krischke,

IO-Link - aber drahtlos!

IO-Link dient der einfachen ­Verdrahtung intelligenter, ­komplexer Sensoren und ­Aktuatoren mit Hilfe einer ­standardisierten 3-adrigen ­Sensorleitung. Künftig ­kommunizieren Geräte via IO-Link auch Wireless.

© CoreTigo

Bei der Verkabelung von Sensoren und Aktoren besteht nach wie vor großes Einsparungspotenzial. Ergo ist es nur logisch, dass sich in Sachen Feldgeräte-Verdrahtung nun auch IO-Link dem Thema Wireless öffnet. Bereits seit 2016 wird innerhalb der IO-Link Community an der Erstellung einer Spezifikation für die IO-Link-Wireless-Technologie gearbeitet. Die Anforderungsprofile und Use Cases hierzu wurden ausformuliert und im entsprechenden Technik-Arbeitskreis hierauf basierend die technischen Anforderungen definiert und das Spezifikations-Dokument erstellt.

Eine herausfordernde Aufgabe

IO-Link Wireless ermöglicht komplett neue Kommunikations-Wege. So können beispielsweise sowohl Aktoren als auch Sensoren von Industrierobotern kabellos miteinander kommunizieren, ohne dass hierfür eine kabelgebundene Schnittstelle notwendig wird.

© CoreTigo

Kommunikationsprinzip IO-Link Wireless: Für den Anwender besteht kein Unterschied, ob kabelgebundene IO-Link-Informationen oder IO-Link-Wireless-Daten verarbeitet werden.

© IO-Link Community

Um auch mit einer Wireless-Technologie die Anlagen-Performance fest verdrahteter Sensor-Aktor-Systeme zu erreichen, gilt es, unterschiedliche Anforderungen zu realisieren. Beispiels-weise ist eine Zykluszeit gefordert, die unterhalb der 10 ms für die Aktualisierung der E/A-Daten liegt. Die Ansprüche an die Zuverlässigkeit sind mindestens ebenso hoch wie bei den kabelgebundenen Systemen. Mehr als 30 Geräte sollen über einen Funkkanal mit einem Master kommunizieren können. Als Frequenzband soll das 2,4-GHz-Band dienen – die Koexistenz mit anderen Systemen auf diesem Frequenzband ist Voraussetzung. Zudem sollen innerhalb eines Hochfrequenz-Bereiches bis zu drei Master mit insgesamt bis zu 120 Devices kommunizieren können.

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Bisherige Wireless Technologien erfüllen diese Anforderungen nicht vollumfänglich. WiFi beispielsweise scheitert bei der Anforderung an Zuverlässigkeit und Determinismus durch den verwendeten ‚Listen before Talk‘-Mechanismus. Mit Bluetooth lassen sich weder die geforderten Teilnehmerzahlen noch die Echtzeit-Anforderungen oder die problemlose Koexistenz mit weiteren Technologien realisieren. Auch Zigbee kann die angestrebten Aktualisierungsraten nicht garantieren, da die Datenrate von 250 kbps bei 16 verwendeten Frequenzkanälen und 5-MHz-Bandbreite zu niedrig ist. Wireless Hart wiederum erreicht mit einer Zykluszeit von einigen 100 ms nicht die in der Fabrikautomation erforderliche Geschwindigkeit.

Die technische UmsetzungDie technische Umsetzung

Der Arbeitskreis IO-Link Wireless hat Charakteristika für die Technologie festgelegt, um die definierten Anforderungen mit IO-Link Wireless erfüllen zu können. Eine der wesentlichen Festlegungen ist die, dass das Applikations-Interface für die zyklischen Daten (Prozess-Daten) und die azyklischen Daten (On-Request-Daten) kompatibel zur existierenden IO-Link-Beschreibung ist. So besteht für Nutzer kein Unterschied, ob kabelgebundene IO-Link-Informationen oder IO-Link-Wireless-Daten verarbeitet werden. Um die hohe Zahl von Geräten handhaben zu können, soll ein Master bis zu fünf Übertragungskanäle beinhalten können. Von diesen unterstützt jeder maximal acht Devices. Daraus resultieren insgesamt 40 Wireless Devices pro Master. Drei Master werden parallel in einer Zelle arbeiten können. Ergo wird eine maximale Anzahl von 120 Devices in einer Zelle erreicht. Um die Devices den entsprechenden Mastern zuweisen zu können, ist ein Pairing-Service implementiert. Ein Scan-Service ermöglicht das Hinzufügen ‚ungepairter‘ Geräte zum System. Für bewegte Devices wird es keine Limitierungen dahingehend geben, mit welcher Geschwindigkeit sie sich innerhalb einer Zelle bewegen dürfen. Ein definierter Übergabe-Mechanismus sorgt für das kontrollierte Roaming von Geräten zwischen verschiedenen Mastern.

IO-Link Wireless verwendet 2,4-GHz-ISM-Band-RF-Transceiver. Das 2,4-GHz-Band ist in 80 Kanäle mit einem Abstand von jeweils 1 MHz unterteilt. Die generelle Koexistenz mit anderen Wireless-Systemen ermöglicht der sogenannte Blacklisting-Mechanismus – bestimmte Kanäle, von denen bekannt ist, dass sie umfangreich von anderen Systemen genutzt werden, werden dabei von vornherein ausgeblendet. Innerhalb dieses festen Rahmens ist das ‚Frequency Hopping‘ anwendbar. Hierdurch lässt sich eine Bitfehler-Wahrscheinlichkeit von 10-9 erreichen – ähnlich zu kabelgebundenen Systemen. Für die Zukunft ist geplant, dass auch Low-Power-Devices durch das System unterstützt werden. Die Zykluszeit liegt bei 5 ms. Um konform zu gesetzlichen Vorgaben zu sein, ist die Übertragungsleistung auf ≤10 dBm (10 mW) EIRP limitiert. Dennoch wird eine Ausdehnung von 20 m innerhalb einer Master-Zelle mit einem Kommunikationskanal erreicht; bei mehr als einem Kommunikationskanal sind noch 10 m erreichbar.

Die Spezifikation steht

Seit der Hannover Messe 2018 steht die Spezifikation zu IO-Link Wireless. Hier wurde auch die Technologie in Form eines Demonstrators auf dem Gemeinschaftsstand der PI erstmals öffentlich vorgestellt.

Autor: 
Stephan Langer ist Director Industry Portfolio Management Packaging, Food & Beverage bei Balluff in Neuhausen auf den Fildern.

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