Nachgehakt bei Stefan Schönegger
SafeMotion braucht Standards
Die Ethernet Powerlink Standardisation Group hat sich zum Ziel gesetzt, die Schnittstellenproblematik zwischen sicheren Applikationen im Umfeld der Antriebstechnik und der unterlagerten Sicherheitstechnik zu entschärfen. Stefan Schönegger, Geschäftsführer der EPSG, bezieht Stellung.
Herr Schönegger, die EPSG hat auf ihrer Arbeitskreis-Sitzung Mitte März bei Danfoss die Erarbeitung eines generischen SafeMotion-Profils begonnen. Was ist der Hintergrund hierfür?
Moderne Maschinen und Anlagen erfordern umfassende Sicherheitslösungen, insbesondere auch sichere Antriebstechnik. Gleichzeitig nimmt der Einsatz von sicheren Feldbussen auf Basis von Ethernet stark zu. So lassen sich Multi-Vendor-Anwendungen zudem für die integrierte Sicherheitstechnik ermöglichen.
Die Aufwände für Antriebstechnik-Hersteller allerdings müssen möglichst gering gehalten werden. Daher führt kein Weg an einer konsequenten Standardisierung vorbei. Das Ziel ist, auch vom sicheren Feldbus unabhängig zu bleiben. Nur dann entsteht der größte Nutzen für die Antriebshersteller und Maschinenbauer.
Wie sehen ihre Standardisierungspläne konkret aus?
Wir wollen präzise und umfassend den kompletten Funktionsumfang der Safe-Motion-Funktionen definieren. Dazu gehören die Themen Parametrierung, Inbetriebnahme und natürlich das Laufzeitverhalten an der Maschine. Wir orientieren uns an der IEC 61800-5-2 und schließen Unklarheiten und Lücken, die in der IEC-Norm vorhanden sind.
Wer arbeitet an den Profilen auf Seiten der Hersteller mit – welche Unterstützung aus dem Markt erfahren Sie generell für ihr Vorhaben?
Unterstützt werden wir insbesondere von Maschinenbau-Unternehmen, die bereits seit 2008 integrierte netzwerkbasierte Sicherheitstechnik erfolgreich einsetzen. Sie liefern wertvolle Inputs an die Hersteller und treiben auch das Thema der Offenheit. Zudem fordern sie eine Standardisierung von ihren Lieferanten. Die Umsetzung selbst erfolgt durch die Hersteller von Automatisierungskomponenten. Neben B&R arbeiten zum Beispiel Firmen wie Danfoss – Gastgeber des jüngsten Arbeitskreis-Meetings der EPSG – oder Control Techniques mit. Weitere große Antriebshersteller haben sich bereits für das nächste Meeting angekündigt.
Wie sieht die zeitliche Roadmap aus?
Eine Draft-Version planen wir für Oktober, finalisiert werden sollen die Profile bis Ende des Jahres.
Ziel ist es, die Profile als Standard zu etablieren. Hierfür benötigen Sie zudem die breite Unterstützung von anderen Ethernet-Organisationen. Gibt es diesbezüglich bereits Gespräche? Was lässt Sie hoffen, dass dieses Thema außerhalb der EPSG ebenso auf fruchtbaren Boden stößt?
Der Markt fordert eine einheitliche Lösung; wir bieten dafür das ideale Angebot: offene und standardisierte Lösungen und Technologien. Selbstverständlich stehen unsere Türen allen Nutzerorganisationen offen. Es gab bereits erste Gespräche, allerdings können wir derzeit noch keine Aussage zu möglichen strategischen Partnerschaften treffen.
Die Ethercat Technology Group hat ebenfalls eine Profil-Standardisierung auf Applikations-Ebene angestoßen, welche unabhängig vom unterlagerten Safety-Protokoll ist, und arbeitet diesbezüglich beispielsweise mit der OMAC zusammen – warum schließt sich die EPSG nicht dieser Initiative an, statt ihre „eigene Suppe“ zu kochen?
Die Aktivitäten der ETG gehen aus unserer Sicht am Markt und an den Bedürfnissen speziell des europäischen Maschinenbaus meilenweit vorbei. Gateways bedeuten zusätzliche Kosten, erhöhte Latenz und damit Verlust wertvoller sicherer Reaktionszeit und erfahrungsgemäß außerdem eine sehr komplexe Parametrierung. Daher ist aus unserer Sicht eine Gateway-Lösung, wie von der ETG angestrebt, eine Worst-Case-Lösung. Innovation sieht aus unserer Sicht anders aus. Und das Feedback von den Anwendern und Werksbetreibern belegt obendrein: Bereits seit den 1990er Jahren wird eine durchgängige und transparente Lösung bei allen Kommunikationstechnologien gefordert und Gateways sollen vermieden werden. Wir sind überzeugt, mit unserem offenen und durchgängigen Ansatz einen Vorteil im globalen Wettbewerb bieten zu können. Daher der eigene Weg.










