Automatica 2016
Pilz stellt neues Trittmatten-Konzept vor
Die Realisierung moderner Konzepte für die Mensch-Roboter-Zusammenarbeit erfordert neue Sensorik-Lösungen. Pilz stellt diesbezüglich auf der Automatica ein neues Trittmattenkonzept vor. Geschäftsführer Thomas Pilz erläutert die Hintergründe.
Herr Pilz, was genau steckt hinter dem Trittmattenkonzept, das Pilz in München erstmals zeigen wird?
Pilz: Das Fraunhofer IFF hat in einer Forschungsarbeit aufgezeigt, dass eine textile Schutzhaut für Roboter die Möglichkeiten der Mensch-Roboter-Kollaboration verbessert. Pilz hat die dahintersteckende Technologie der Ortsauflösung aufgegriffen mit dem Ziel, diese in Form der Trittmatte zur Marktreife zu bringen.
Was unterscheidet den Pilz-Ansatz von existierenden Trittmatten, die es ja bereits in diversen Ausführungen am Markt gibt?
Pilz: Von außen sieht die Trittmatte aus wie jede andere auch. Das Innovative an unserer Matte aus Textilgewebe ist, dass sich die sensitive Schicht im Inneren befindet. Dadurch ist es möglich, eine Ortsauflösung in der Matte selber zu integrieren. Die richtige Positionierung der Schaltflächen wird im Dialog mit dem Anwender definiert.
Das System lässt sich dahingehend weiterentwickeln, dass Bewegungsrichtungen von Objekten beziehungsweise Menschen dank Ortsauflösung angezeigt werden können oder – wie anfänglich beim IFF gezeigt – der Roboter mit einem textilen Stoff umkleidet werden kann. Wie bei jedem Textil wird auch unser Produkt Konfektionsware von der Stange sein, während Ortsauflösung im Dialog mit dem Maschinenbauer als maßgeschneiderte Lösung entstehen wird.
Wie erfolgt die steuerungstechnische Einbindung der Trittmatte in die Maschine – ist hier der Einsatz einer Pilz-Steuerung zwingend?
Pilz: Die Einbindung erfolgt über die OSSD-Schnittstelle wie bei einer Lichtschranke, somit ist eine Steuerung von Pilz nicht zwingend notwendig. Für die Ortsauflösung allerdings ist eine Systemlösung von Pilz mit Sensor und Steuerung notwendig.
Mit dem Ziel, sperrige Schutzgitter abzuschaffen, hatte Pilz ja vor nunmehr zehn Jahren das sogenannte SafetyEye vorgestellt – ein auf Kamera-basierter Bildverarbeitung basierendes Sensor-Konzept. Wie hat sich das Thema bis heute entwickelt beziehungsweise welche Stückzahlen befinden sich bis heute im industriellen Einsatz?
Pilz: SafetyEye-Lösungen sind heute weltweit im Einsatz – beispielsweise in der Automobilindustrie, in der Luftfahrtindustrie oder in Roboterapplikationen. Was die Stückzahlen betrifft, hat sich das sichere 3D-Kamerasystem mit etwa 100 Systemen pro Jahr in dieser Zeit allerdings moderat entwickelt – das Produkt war seiner Zeit schlicht voraus. Erst jetzt durch die Themen MRK und Industrie 4.0 kommt der Nutzen des SafetyEye in den Fabrikhallen an, was sich übrigens äußerst positiv in den Absatzzahlen im ersten Quartal bemerkbar gemacht hat. Denn das Kamerasystem versetzt die sichere Robotersteuerung sozusagen in den MRK-Modus, wenn sich ein Mensch nähert. Bei einer Schutzraumverletzung muss der Roboter dann nicht sofort ‚hart‘ gestoppt werden. Oder anders formuliert: Befindet sich kein Mensch im Aktionsradius des Roboters wird dank SafetyEye die Arbeitsgeschwindigkeit des Roboters und damit die Produktivität des Prozesses erhöht.
Derzeit wird viel über die Zusammenarbeit von Mensch und Robotik diskutiert und es gibt bereits diverse Pilotanwendungen. Allerdings: Bei diesen Anwendungen ist der Roboter meist derart langsam ‚unterwegs‘, dass ein wirtschaftlicher Einsatz oft fraglich erscheint. Wie stehen sie zu diesem Thema?
Pilz: In der Tat ist die angemessene Taktzeit maßgebend bei der Realisierung einer Applikation. So kann zunächst der Eindruck entstehen, dass MRK nicht lohnenswert sind. Gerade deshalb machen Systeme wie SafetyEye Sinn.
Ein weiteres aktuelles Thema im Kontext von ‚Robotik 4.0‘ sind autonom in der Fabrik agierende beziehungsweise manövrierende Systeme. Wie realistisch sind derartige Szenarien aus Safety-Sicht?
Pilz: Anders als häufig in Diskussionen zu Industrie 4.0 proklamiert, sehe ich autonomes Fahren eher im Straßenverkehr als in Fabrikhallen. Nichtsdestotrotz gibt es bereits einen nicht zu vernachlässigenden Markt an fahrerlosen Transportsystemen. Insofern bin ich der Meinung, dass sich autonome Systeme durchaus durchsetzen könnten – vorausgesetzt die Herausforderungen der Stromversorgung sowie der Termintreue an den Haltestellen werden gelöst.
Auf Normenseite gibt es bereits ein umfangreiches Normen-Set zu den FTS. Das ist aber nicht abgestimmt mit den Normen im Bereich kollaborierende Robotik. Hier gibt es Synchronisierungsbedarf, um die Grauzonen zu beseitigen.










