Handling
Roboter-Trio verpackt Augentropfen in High-Speed
Zu langsam und zu personalintensiv für die steigende Produktnachfrage – so das Urteil eines Lohnabfüllers über seine bestehende Sekundär-Verpackungslinie für Augentropfen. Nach einem Komplettumbau samt Aufrüstung mit High-Speed-Deltarobotern kann sich die Anlage wieder sehen lassen: Der Output ist um 35 % gestiegen!
Am Standort Sulzbach-Laufen betreibt das Unternehmen Holopack Verpackungstechnik ein modernes Werk für die Lohnabfüllung und Verpackung von flüssigen und halbfesten Arzneimitteln, Medizin- und Kosmetikprodukten. Für ein weltweit stark nachgefragtes Produkt – Augentropfen eines renommierten Anbieters – konnte die Sekundärverpackungslinie dem steigenden Output nicht länger gerecht werden. Produktionsleiter Marc Hofmann: „Der Anteil der manuellen Tätigkeiten an der Linie war zu hoch. Das hatte für uns zwei entscheidende Nachteile: Erstens waren die Taktzeiten für das Verpacken zu lang, zweitens war Personal mit monotonen Tätigkeiten gebunden, das wir anderenorts dringend für anspruchsvollere Tätigkeiten benötigten.“
Vor diesem Hintergrund fiel die Entscheidung, die komplette Linie nach neuesten Erkenntnissen zu automatisieren. Mit dieser Aufgabe betraute Holopack die Firma Autech Automationstechnologie. Der Faktor Zeit spielte hierbei in jeder Hinsicht eine entscheidende Rolle: „Als Generalunternehmer mussten wir eine Komplettlösung für die Automatisierung der bestehenden Schlauchbeutelmaschine und des Kartonierers schlüsselfertig in nur 20 Wochen liefern. Sportliche Taktzeitenvorgaben von 40 Fertigpackungen pro Minute bei maximaler Prozesssicherheit sowie ein begrenztes Platzangebot erforderten eine ausgeklügelte Lösung für die Automatisierung und Verkettung der beiden Maschinen“, so die Geschäftsführer Rainer Wolf und Ralf Sauter im Rückblick.
Anspruchsvolle Handhabungs-Aufgaben
Worum ging es bei der gestellten Aufgabe im Detail? Die Augentropfen erreichen die Anlage nach der Primärverpackung in Kartons mit 700 Einheiten. Jede Einheit besteht aus fünf aneinandergereihten PE-Ampullen. Die generelle Aufgabe der Sekundär-Verpackungsanlage besteht darin, jeweils vier dieser Fünferblöcke in einer Schlauchbeutelverpackung zusammenzufassen und diese mit allen relevanten Daten zu bedrucken. Anschließend stehen die kameragestützte Prüfung des Aufdrucks sowie das Wiegen des Inhalts auf dem Programm. Der letzte Arbeitsschritt besteht in der Verpackung der Beutel samt Beipackzettel in Faltschachteln.
Zwei Deltakinematiken erledigen ihre anspruchsvolle Handhabungsaufgabe an der Pickerlinie schnell, präzise und zuverlässig.
© Ralf HögelIm ersten Schritt übergeben die Anlagenbediener die Verpackungseinheiten als Schüttgut an einen Singulator, der für die Vereinzelung der Produkte sorgt. Nach ihrer Reise durch Bunker, Steigförderer und Schikanen gelangen die Einheiten automatisch auf eine Bandstrecke, die der Schlauchbeutelmaschine vorgeschaltet ist. „Herrscher“ über das Zuführband sind zwei Deltaroboter des Typs MPP3 von Motoman. Über ein stationäres Bildverarbeitungssystem erhalten diese die Koordinaten der Verpackungseinheiten, welche sie daraufhin abgreifen und in eine Zuführbecherkette ablegen.
Das komplette Management dieser Pickerlinie inklusive einer gleichmäßigen Auslastung der Roboter, der Koordination von Kamerasystemen, Pickern und Fördertechnik bis hin zur Vollständigkeitskontrolle im Becher übernimmt die Software MotoPick von Yaskawa. „Ohne diese Software wäre der Aufwand für die Integration der Visionsysteme sowie für die Programmierung einer solchen Applikation zu komplex. Darüber hinaus kann der Anlagenbetreiber mit dieser Lösung neue Formate ohne Programmierkenntnisse schnell und einfach selbst einlernen“, erläutert Ralf Sauter. Da auch die übergeordnete SPS von Yaskawa kommt – genauer gesagt vom Tochterunternehmen Vipa aus Herzogenaurach –, konnte Autech die komplette Anlage durchgängig mit aufeinander abgestimmten Komponenten realisieren.
Zurück zur Pickerlinie: Die Deltaroboter müssen die Fünferblöcke schnell und präzise abgreifen, einlegen und dabei einem vorgegebenen Packmuster folgen. Dazu sind jeweils vier Fünferblöcke in einem Winkel von 180 Grad zueinander platzsparend in einem Becher zu positionieren.
Dazu Rainer Wolf: „Bei einer Geschwindigkeit des Zuführbandes von 60 Metern pro Minute und einer komplexen Handhabungsaufgabe wird die Handhabung von 160 Einheiten pro Minute für die beiden Deltaroboter zur Herausforderung. Im Vergleich zu einem Standardzyklus, bei dem ein Deltaroboter über 200 Picks pro Minute absolviert, ist diese Aufgabenstellung deutlich anspruchsvoller.“ Mit anderen Worten: Die Roboter müssen die Teile von einem schnell laufenden Band abgreifen und eben nicht von einer definierten statischen Position, und die Teile danach lageorientiert ablegen, was Zeit kostet. Dazu benötigen sie Positionsdaten von der Bildverarbeitung, deren Rechenzeiten sich ebenfalls auf die Zykluszeiten auswirken.
Entscheidend für die Taktzeit ist folglich neben der Performance der Roboter insbesondere die Rechengeschwindigkeit der Bildverarbeitung. „Um Wartezeiten zu vermeiden, führen wir stets mehr Produkte über das Zuführband zu, als die Roboter greifen können. Nicht gegriffene Einheiten werden per Rückführband der Anlage erneut zur Verfügung gestellt“, so Wolf weiter.
Diese ausgeklügelte Lösung mit zwei in Reihe geschalteten Deltakinematiken stellt eine kontinuierliche Versorgung der nachgeschalteten Schlauchbeutelmaschine sicher. Nach dieser Station steht das vollautomatische Wiegen auf dem Programm, denn nur die Einhaltung der definierten Gewichtsvorgabe garantiert eine vollständige Bestückung der Schlauchbeutel.
Sechsachser versorgt Kartoniermaschine
Im Anschluss an das Wiegen geht es erneut über eine Bandstrecke zur letzten Roboterstation, an der ein schneller Sechsachser des Typs Motoman MH5L jeweils zwei Schlauchbeutel mit seinem Vakuumgreifer aufnimmt und in die Becherkette der Kartoniermaschine einlegt. Hier erfolgt die Endverpackung in die Faltschachtel samt Einleger und Bedruckung. Integrierte sensorische Abfragen gewährleisten dabei eine hundertprozentig prozesssichere Endverpackung. Am Ende der Linie nehmen zwei Mitarbeiter die fertigen Faltschachteln in Empfang und legen sie in Kartons ab.
„Früher arbeiteten sechs Mitarbeiter an der Verpackungslinie und mussten mit monotonen Arbeitsinhalten zurechtkommen. Nach der Automatisierung der Anlage managen zwei Fachkräfte die komplette Linie“, zieht Holopack-Produktionsleiter Marc Hofmann Bilanz und ergänzt: „Wir haben vier Mitarbeiter frei für wichtigere Aufgaben und konnten den Output der Anlage um 35 % steigern.
Autor: Ralf Högel ist freier Autor aus Stadtbergen.













