Lenze

Günter Herkommer,

Neuer 6D-Kern für die Robotik

In immer mehr Branchen des Maschinenbaus hält die Robotik Einzug, denn sie verspricht eine deutliche Steigerung der Flexibilität von Maschinen. Lenze reagiert auf diesen Trend mit speziellen Software-Applikationsbausteinen sowie einem neuen 6D-Robotik-Kern. Dr. Thomas Cord, Geschäftsführer Lenze Automation, bezieht Stellung.

Dr. Thomas Cord, Lenze: "Durch die Integration von Roboterkinematiken in unsere Systeme können wir mit einer Steuerung die gesamte Maschine automatisieren."

© Lenze

Herr Dr. Cord, bis dato erfolgte die Erstellung von Robotik-Applikationen innerhalb der Lenze-Software mit den "Bordmitteln" von Codesys – warum reichen Ihnen diese nicht mehr aus?

Die bisherige Technologie wurde den heutigen Anforderungen nach einfachen Lösungen, die dem Anwender trotzdem alle Freiheitsgrade bieten, nicht mehr gerecht. Ich möchte dies an drei Beispielen verdeutlichen:

Zunächst sind die Funktionalitäten des Robotikkerns zu nennen. Der bisherige 4D-Kern kann neben der Position x, y, und z nur eine Rotation im Raum berechnen. Mit dem neuen 6D-Robotikkern stehen jetzt alle sechs denkbaren Freiheitsgrade zur Verfügung. Das erweitert unseren Lösungsraum deutlich und ist zudem eine Voraussetzung zum Beispiel für das Handling von Werkstücken oder Werkzeugen, die in ihren eigenen Koordinatensystemen programmiert werden können.

Ein weiterer Vorteil entsteht durch die Trennung des Kinematik-Modells von der Bahnplanung. Erst durch unsere eigene Implementation lassen sich Roboter mit beliebigen Kinematiken optimal einbinden und neue Kinematik-Modelle einfach erstellen. Ein Beispiel dafür wäre ein kundenspezifischer, kompakter Manipulator, der in eine Verpackungsmaschine integriert werden muss. Last but not least bietet die Programmierung nach dem Standard der PLCopen Part4, dessen Befehlssatz wir noch um eigene spezifische Funktionen erweitert haben, höchste Freiheitsgrade bei der Bahnplanung. Pick&Place-Bewegungen sind nun beispielsweise durch Parametrierung einfach und ohne Robotik-Kenntnisse umsetzbar und können direkt in die Steuerungssoftware der Maschine integriert werden.

Die Integration von Robotik-Funktionalität und Motion Control ist ein Trend, den auch andere Steuerungsanbieter aufgreifen. Wie unterscheidet sich der Lenze-Ansatz konkret von diesen?

Indem wir eine grundlegend neue Architektur geschaffen haben – mit einer klaren Trennung von Kinematik-Modell und Bahnplanung. Das vereinfacht das Engineering und schafft Flexibilität beim Einsatz unterschiedlicher Roboter-Kinematiken. Für eine Pick&Place-Bewegung muss der Anwender lediglich ein Kinematik-Modell auswählen, das Technologiemodul parametrieren und schon kann die Applikation starten. Und sollte sich die Kinematik einmal ändern, kann das komplette Programm bestehen bleiben – man muss lediglich parametrieren, nicht umprogrammieren.

Durch die Einbettung in unsere Application-Software-Toolbox 'Fast' stehen zudem Standard-Motion-Funktionen – wie beispielsweise Querschneider oder Wickler – und die Robotik aus einem Guss zu Verfügung. Komplexe Robotik-Module lassen sich mit den anderen Maschinenmodulen quasi per Plug&Play verbinden. Damit wird das Programmieren eines komplexen Roboters ebenso einfach wie das Positionieren einer Einzelachsbewegung.

Hat Lenze den neuen 6D-Robotik-Kern selbst entwickelt?

Im Grunde genommen ja. Bei der Entwicklung haben wir allerdings eng mit dem Institut für Mechatronische Systeme der Leibniz Universität in Hannover zusammengearbeitet. Das Institut von Professor Ortmaier ist spezialisiert auf Fragestellungen aus den Bereichen der kinematischen und dynamischen Modellierung sowie der Bewegungsplanung komplexer mechatronischer Systeme. In der Zusammenarbeit ergänzten sich also wissenschaftliches Know-how und Erkenntnisse aus der Forschung mit unseren Applikationserfahrungen aus der Welt des Maschinenbaus.

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Lenze

Rückspeisen statt verheizen

Lenze zeigt auf der SPS IPC Drives den Prototyp eines neuen Energie-Rückspeisekonzepts. Was sich dahinter konkret verbirgt, erläutert Prof. Dr. Holger Borcherding, fachlicher Leiter des Bereichs Innovation bei Lenze.

mehr...
Anzeige
Anzeige

Sigmatek

Drives im Sixpack

Mit der Baureihe SDD 1000 baut Sigmatek sein Antriebstechnik-Programm für Mehrachs-Anwendungen aus. Wie passen die neuen Drives konkret ins Portfolio des österreichischen Automatisierungstechnik-Anbieters?

mehr...
Anzeige

AMK

Motion Control ran an die Maschine

Raus aus dem Schaltschrank und ran an die Maschine mit allem, was es für leistungsstarke Bewegungen braucht: Gemäß diesem Motto erweitert AMK sein Motion-Control-Portfolio bei der Servoantriebstechnik.

mehr...

Intralogistik

Ein neuer Ansatz der Energie-Rückspeisung

Aus einer Varianz von technischen Lösungen diejenige bestimmen, die bei festgelegten Kosten ­vorab nachweisbar die geringste elektrische Energie erfordert – so lautet das Ziel des Forschungs­projektes IASI, welches seit Oktober 2012 gemeinsam von...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

SPS IPC Drives 2018

Safety in der Sensorik

Was bieten Sensor-Hersteller aktuell in Sachen Safety an? Auf der SPS IPC Drives gab es hierzu einiges an cleveren Konzepten zu sehen - unter anderem bei Sick, Pepperl+Fuchs und Leuze electronic.

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren