Roboter-Mensch-Interaktion

Martin Sporn | Davina Spohn,

Jibo, der Familienroboter

Er soll Freund und Helfer der ganzen Familie sein, stammt von einer Profissorin des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und hat online bereits weit über eine Million US-Dollar eingespielt. Dabei kann der kleine Roboter mit Namen 'Jibo' noch nicht einmal laufen.

Familienroboter Jibo

© Jibo

Die Erfinderin: Jibo ist das Vorzeigeprojekt von Dr. Cynthia Breazeal. Sie ist im Feld der sozialen Robotik aktiv und unterrichtet am Massachusetts Institute of Technology in den USA. Ihr stehen neun Kollegen aus den Bereichen Robotik, Software und Wirtschaft zur Seite.

© JIBO

Viele Menschen sehnen sich nach einem technischen Freund. Wie sonst ließe sich der Erfolg von Furby, Tamagotchi und Co erklären? Und wie ließe sich erklären, dass innerhalb von zwei Wochen knapp 1,4 Millionen US-Dollar für einen Familienroboter zusammenkommen? Soviel hat das amerikanische Startup Jibo via Crowdfunding bisher eingenommen - bei einem Kampagnenziel von lediglich 100.000 Dollar. Einen gewissen Reiz muss der kleine Roboter also haben.

Der Sozialarbeiter unter den Robotern

Jibo sieht aus wie ein aufgeschnittener Fußball mit Stiel. Er kann sich um die eigene Achse drehen und besitzt ein Display, das ein weißes Auge zeigt. Und sehen kann Jibo wirklich - wenn auch durch zwei Kameras. Außerdem ist er mit bestimmten Algorithmen ausgestattet, die ihn lernfähig machen. So erkennt der Roboter die Familienmitglieder und kann dadurch zielgerichtet mit ihnen interagieren. Das funktioniert vorrangig über Sprachsteuerung. Jibo ist neben dem Touchscreen mit 360-Grad-Mikrofonen ausgestattet, sodass man auch aus der Ferne mit ihm sprechen kann. Künstliche Intelligenz soll dafür sorgen, dass der Familienroboter das Leben komfortabler macht. Er schaltet beim Betreten der Wohnung das Licht ein, liest eingehende Mails vor oder schießt selbstständig Fotos. Darüber hinaus soll er auch noch Gefühle zeigen können.

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Der vernetzte Helfer 

Einen wirklichen Mehrwert bringt Jibo nur, wenn er auf die persönlichen Daten zugreifen kann. Er verbindet sich über WLAN oder Bluetooth mit Computern und Smartphones, um an Informationen wie Kontakte oder Kalendereinträge zu gelangen. Eine App für Android und iOS soll den Datenaustausch so einfach wie möglich machen. Wer gleich mehrere Familienroboter sein eigen nennt, profitiert vom Jibo Netzwerk. Darüber lassen sich Nachrichten versenden, Erinnerungen übertragen oder Fotos und Videos teilen. 

Es ist ein ER

Auf der Crowdfunding-Seite hatten die Nutzer einige amüsante Fragen zu dem Projekt. Daraus geht zum Beispiel hervor, dass Jibo männlich ist und auch ausschließlich auf den Namen "Jibo" anspricht. Leider hat man ihm keine Beine spendiert. Die Erfinder raten daher, ihn an einem zentralen Platz in der Wohnung aufzustellen.

Jibo, ein Spion?

Ein internetfähiges Gerät, ausgestattet mit Kameras, Mikrofonen und Zugriff auf alle persönlichen Daten. Davon dürfte jeder Geheimdienstmitarbeiter schon einmal geträumt haben. Doch die Macher von Jibo wollen eigenen Angaben zufolge alles dafür tun, die Daten unter Verschluss zu halten. So werden alle Informationen 256-bit AES-verschlüsselt in der Cloud gespeichert und über SSL-gesicherte Verbindungen übertragen. Digitale Zertifikate und die Möglichkeit, die Kameras manuell abzuschalten, sollen das Vertrauen in das neue Familienmitglied erhöhen. Darüber hinaus sollen Jibo-Accounts stets mit der Seriennummer des Geräts verknüpft. Die Voraussetzungen stimmen also. Und die meisten Informationen haben wir wohl ohnehin längst schon unseren Smartphones anvertraut.

Fahrplan und Mitwirkungsmöglichkeiten

Zur Zeit befindet sich Jibo noch in der Testphase. Noch in diesem Jahr werden die elektronischen und mechanischen Bauteile ausgewählt, bevor im kommenden Jahr ausführliche Tests stattfinden. Die Entwickler-Version des Roboters sowie das SDK werden im dritten Quartal 2015 veröffentlicht. Der öffentliche Marktstart wird Anfang 2016 sein. Ein Jibo, der Deutsch sprechen kann, ist bislang allerdings nicht geplant. Wer damit klarkommt, kann den Roboter schon jetzt für rund 485 Euro vorbestellen.

Technische Daten

Größe (ca.) Höhe 28cm, Breite Standfuß 15cm
Gewicht  ca. 2,7 kg
Material Aluminium, ABS Kunststoffe, Glas
Sensoren 2 farbige Stereo-Kameras
360° Rundum-Mikrofon 
Touch-Sensoren am gesamten Gehäuse
Bewegung 3 durchgängig drehbare Achsen
hochauflösender Impulsgeber
Feedback Control
Display LCD Touchscreen, HD-Auflösung
Sound 2 Lautsprecher
Beleuchtung Stimmungs-LEDs (volles Farbspektrum)
Sprache amerikanisches English
Stromversorgung AC Adapter (220V), Batterie nicht enthalten (nachkaufbar, Betrieb max. 30min)
Konnektivität WLAN, Bluetooth
Betriebssystem basierend auf embedded Linux, proprietär
Prozessor leistungsstarker ARM-basierter Mobilprozessor
Kernfunktionen Messenger, Videotelefonie, Photografie, Erinnerungsassistent, Emotionaler "Freund"
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
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