Lesermeinung
Ist eine Steuer auf Roboter-Arbeit sinnvoll?
Im Rahmen des 'Quarterly Robotik' griff Computer&AUTOMATION in der April-Ausgabe die Diskussion auf, ob eine Robotersteuer im Zeitalter der Digitalisierung Sinn macht. Eine Lesermeinung.
Zum Editorial des stellvertretenden Chefredakteurs Günter Herkommer schrieb uns Siggi Hagedorn aus Hemhofen:
Zuerst möchte ich Ihnen ein positives Feedback zum ersten ‚Robotik Quaterly‘ geben. Ein technisch hochinteressantes Gebiet, das uns alle – und damit meine ich nicht nur uns als Techniker und Ingenieursfraktion – beschäftigen und bewegen wird. Ich freue mich also schon auf die zweite Ausgabe.
Ich gehöre noch zu der Generation von Ingenieuren, die mit der ersten Welle der Industrieroboter in das Berufsleben eingestiegen ist. Während viele Altersgenossen und Altersgenossinnen Mitte der 80er-Jahre den direkten Weg in soziale Berufsfelder gegangen sind oder mitunter auch in Entwicklungshilfe-Projekte eingestiegen sind, hat mich der soziale Geist jener Zeit letztlich zur Automatisierungstechnik geführt. Die Humanisierung der Arbeitswelt war damals und ist für mich als technikaffinen Menschen heute immer noch eine Zielsetzung, die täglich im Kontext Robotertechnik motivieren kann.
Bei der ‚Renaissance‘ des Themas Robotertechnik freue ich mich, dass neben der technischen Diskussion auch der gesamtgesellschaftliche Diskurs wiederbelebt wird. Wenn ein Unternehmer par excellence wie Bill Gates die gar nicht so neue Idee der Besteuerung von Roboter-Arbeit aufgreift, dann halte ich ein reflexartiges Ablehnen des Gedankens getreu dem Prinzip, dass solch ein Ansatz noch nie funktioniert habe, für verfehlt.
Die Fragestellung, weshalb bei der Verrichtung einer bestimmten Tätigkeit menschliche Arbeitsleistung mit einem nicht unerheblichen Lohnsteueranteil belastet wird und die äquivalente Arbeitsleistung eines Roboters keinen vergleichbaren Geldfluss zugunsten der Allgemeinheit nach sich zieht, ist zunächst durchaus plausibel und legitim. Genau wie die Allgemeinheit in die Ausbildung nachwachsender Generationen investiert in der Erwartungshaltung, dass die Ausgebildeten ihrerseits durch spätere Steuerzahlungen für ein Return-On-Investment sorgen, kann auch erwartet werden, dass die von der Allgemeinheit mindestens mitgetragene beziehungsweise mitfinanzierte Etablierung innovativer Robotertechnik für einen äquivalenten, nachgelagerten Geldfluss sorgt.
In Anbetracht der mit Industrie 4.0 avisierten Techniken und Geschäftsmodelle erscheint mir heutzutage eine gerechte Robotersteuer durchaus realisierbar. Beispielsweise ist es für uns selbstverständlich, bei menschlicher Arbeit leistungsabhängig unterschiedliche Steuersätze anzusetzen. Jeder trägt entsprechend seiner tatsächlich erbrachten Leistung zum Gemeinwohl bei. Warum sollte das bei Robotern nicht möglich sein? Die Erfassung von Roboterbetriebsstunden inklusive eines Leistungsfaktors wäre zum Beispiel viel gerechter als die Besteuerung von Kraftfahrzeugen nach einer trivialen Hubraum-Formel – was letztlich übrigens auch eine Art der Maschinenbesteuerung ist!
Eine arbeitsleistungsabhängige Roboterbesteuerung würde übrigens die gesellschaftliche Akzeptanz von Robotersystemen deutlich erhöhen. Denn wenn die Robotersteuer dem Transformationsprozess gewidmet wird, dann würden auch die im Arbeitsleben direkt Betroffenen den positiven Aspekt sehen. Und ein Unternehmer, der für seinen Roboter nur dann Steuern bezahlt, wenn dieser auch wirklich arbeitet, hätte ganz sicher auch kein Problem mit einer Robotersteuer – eigentlich eine klassische Win-Win-Situation!
Ein Blick zurück zeigt schließlich, dass sich die Finanzierung des Gemeinwohls im Laufe der Jahrhunderte selbstverständlich immer wieder verändert hat: Steuern wurden neu erfunden und wieder abgeschafft. Die aktuelle starke Abstützung des Steuersystems auf die Besteuerung menschlicher Arbeit erscheint auf Dauer nicht fortschreibbar. Mit anderen Worten: Eine Robotersteuer könnte einen Beitrag leisten, die Asymmetrie der Gemeinwohl-Finanzierung zu reduzieren. Last but not least möchte ich noch auf die Ausführungen von Joe Kaeser – den ich durchaus zu den Vordenkern der deutschen Industrie zähle – verweisen: Demnach wäre mindestens der Abschied vom Lohnsteuerstaat im Rahmen der Digitalisierungs-Welle gesetzt!










