Serviceroboter

Günter Herkommer,

Care-O-bot 3 – Praxistest im Altenheim

Roboter in der Fertigung sind ein alltägliches Bild. Im Alltag von Senioren hingegen müssen sie sich erst noch bewähren. Im Rahmen eines Praxistests in einem Altenheim stellte das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) die maschinellen Assistenten auf den Prüfstand.

© Fraunhofer IPA

Putzen, Wäsche waschen, Essen zubereiten und servieren: Aufgaben, die viele Menschen nicht gerne erledigen oder aufgrund zunehmender körperlicher Gebrechen nicht mehr erledigen können. In Zukunft sollen diese und ähnliche Arbeiten Serviceroboter übernehmen. Damit wird nicht nur älteren und pflegebedürftigen Personen länger ein eigenständiges Leben zuhause ermöglicht. Der Einsatz von Servicerobotern in stationären Pflegeeinrichtungen bietet zudem das Potenzial, Pflegekräfte von zeitaufwändigen Routinetätigkeiten zu entlasten.

Im Rahmen des Projektes „WiMi-Care“ wurden jetzt Einsatzmöglichkeiten des am Fraunhofer IPA entwickelten Roboterassistenten „Care-O-bot“ zur Versorgung der Bewohner einer stationären Altenpflegeeinrichtung mit Getränken und als Unterhaltungsplattform untersucht. Im Fokus standen dabei zwei Einsatzszenarien für den Roboter: Die Versorgung der Bewohner mit Getränken und die Nutzung als Unterhaltungsplattform. „Entscheidend für die Auswahl der Szenarien war, dass der Roboter den Pflegekräften mehr Zeit verschafft, um sich mit den Bewohnern zu beschäftigen“, meint Dr. Birgit Graf, die am Fraunhofer IPA die Gruppe Haushalts- und Assistenzrobotik leitet, und ergänzt: „Ziel für die Testphase war es, die ausgewählten Einsatzszenarien auf dem Care-O-bot so umzusetzen, dass dieser von den Pflegekräften gesteuert und somit im Rahmen ihrer täglichen Arbeit eingesetzt werden kann.“

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Trinkprotokoll steuert den Roboter zielgenau

Für die Versorgung der Bewohner mit Getränken ist Care-O-bot mit Hilfe seines Roboterarms in der Lage, selbstständig Becher an einem Wasserspender zu befüllen und diese den Bewohnern auf seinem Tablett zu servieren. Die Anbindung einer Bewohnerdatenbank ermöglicht es dem Roboter, die einzelnen Bewohner der Station zu identifizieren. Auf Basis des ebenfalls in der Datenbank verfügbaren Trinkprotokolls steuert der Roboter während seiner Fahrt durch die Station speziell die Personen an, die noch nicht genug getrunken haben. „Durch die gezielte Ansprache der Bewohner und aktives Nachhaken konnten wir sicherstellen, dass die Bewohner die Getränke nicht nur nehmen, sondern auch davon trinken“, sagt Fraunhofer-Forscher Theo Jacobs, der die Praxistests vor Ort begleitet hat.

Beim Einsatz als Unterhaltungsplattform können auf dem Touchscreen des Roboters Gesellschaftsspiele oder Programme zum Gedächtnistraining gestartet, Musik abgespielt oder Gedichte vorgelesen werden. Die Kommandierung des Roboters durch die Pflegekräfte erfolgt mit Hilfe einer speziell entwickelten graphischen Benutzeroberfläche. „Mit wenigen Klicks kann eine Pflegekraft Care-O-bot dort seine Aufträge für den Tag erteilen – und sich dann weiter den Bewohnern widmen“, erklärt Jacobs.

Während der Testphase wurde der Roboter an drei aufeinander folgenden Tagen vormittags und nachmittags jeweils für ein bis zwei Stunden eingesetzt. Berührungsängste mit dem Roboter gab es – wie schon während der ersten Praxisevaluierung – nicht. „Die Bewohner haben Care-O-bot neugierig begutachtet und fanden es spannend, ihm bei der Arbeit zuzusehen. Auf der Demenzstation haben einige Bewohner den Roboter sogar richtig ins Herz geschlossen«, berichtet Jacobs. Auch die Pflegekräfte können sich gut vorstellen, in Zukunft mit einem Serviceroboter zusammenzuarbeiten.

Die weiteren Entwicklungen

Die Entwicklung des Care-O-bot wird am Fraunhofer IPA auch über das Projektende von WiMi-Care hinaus fortgesetzt. Im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte werden insbesondere die Fähigkeiten des Roboters zur Unterstützung älterer Personen im häuslichen Umfeld kontinuierlich erweitert und erprobt. Das von der EU geförderte Projekt SRS (Multi-Role Shadow Robotic System for Independent Living) nutzt dabei die Möglichkeit, den Roboter über Angehörige fernzusteuern, um so dessen Einsatzfelder zu erweitern. Damit die Verständigung zwischen Mensch und Roboter auch in einer intuitiven und sozial verträglichen Weise erfolgt, sollen im EU-Projekt Accompany (Acceptable robotiCs COMPanions for AgeiNg Years) neue Schnittstellen und Komponenten zur Benutzerinteraktion entwickelt werden. Auch in diesen beiden Projekten sind umfangreiche Praxistests geplant, um den Roboter ständig entsprechend der Anforderungen der Nutzer weiterentwickeln zu können.

Doch es genügt nicht, nur den Roboter allein zu betrachten. „Um die Robotertechnologie in echte Applikationen zu überführen, wird es in Zukunft insbesondere wichtig sein, den Roboter nicht als einzelnes System zu betrachten, sondern als Teil eines Gesamtszenarios, eingebettet in ein umfassendes Dienstleistungskonzept“, erläutert Ulrich Reiser, der am Fraunhofer IPA die Entwicklung von Care-O-bot koordiniert. Im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt Tech4P werden deshalb Strategien entwickelt, wie personenbezogene Dienstleistungen durch den Einsatz von Robotertechnologie unterstützt werden können. „Diese Gesamtsicht schließt unter anderem die Möglichkeit mit ein, dass die Roboter gezielt an eine spezielle Applikation angepasst werden“, sagt Reiser weiter.

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