Quartalszahlen Q2/2024

dpa-AFX | Andrea Gillhuber,

ABB steigert Marge, Auftragsentwicklung enttäuscht

Analysten melden: ABB wirtschaftet so profitabel wie noch nie, doch enttäuscht bei der Auftragsentwicklung. Die schwache Quartalsbilanz belaste auch Siemens, so dpa-AFX Broker.

Bjorn Rosengren , CEO

© ABB

Zürich (dpa-AFX) – Der Schweizer Industriekonzern ABB wirtschaftet so profitabel wie noch nie. Das Unternehmen ist im zweiten Quartal 2024 leicht gewachsen und hat dabei den Gewinn deutlich gesteigert. Die operative Gewinnmarge erreichte gar ein neues Allzeithoch. Die Prognose für das Gesamtjahr wird bestätigt. Analysten bemängelten aber vor allem die Entwicklung beim Auftragseingang. Die in diesem Jahr sehr gut gelaufene Aktie fiel zu Handelsbeginn deutlich um zuletzt gut 6 %.

Der Umsatz stieg von April bis Juni um 1 % auf 8,24 Mrd. US-Dollar, wie ABB am Donnerstag (18.07.2024) mitteilte. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte zogen die Verkäufe gar um 4 % an.

Höhere Auslastung und Marge

Mit der höheren Auslastung stieg auch die Profitabilität. Die operative Marge (Ebita) erhöhte sich um 1,5 Prozentpunkte auf 19,0 %, wie ABB weiter mitteilte. Der Reingewinn rückte dabei um 21,0 % auf 1,096 Mrd. US-Dollar vor. Der operative Hebeleffekt der höheren Volumen und ein positiver Preiseffekt hätten die leicht gestiegenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie die Vertriebs-, allgemeinen und Verwaltungskosten (SG&A) mehr als ausgeglichen, hieß es zur Begründung für die rekordhohe Marge.

Das zweite Quartal sei ein weiterer Beleg dafür, dass die operativen Änderungen aufgrund der Einführung des »ABB Way« im Jahr 2020 ABB dauerhaft zu einem gut funktionierenden Unternehmen machten, lässt sich in der Mitteilung der Ende des Monats abtretende Chef Björn Rosengren zitieren. »Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.«

Trotz des hohen Umsatzniveaus sei ein positives Book-to-Bill-Verhältnis von 1,02 erzielt worden. Rosengren zeigt sich »zuversichtlich, dass wir im Gesamtjahr 2024 ein positives Book-to-Bill-Verhältnis erzielen werden.« Der Auftragseingang, blieb auf vergleichbarer Basis stabil bei 8,44 Milliarden, nahm indes in US-Dollar um 3 % ab. Gestützt hätten hier deutliche Verbesserungen in den Geschäftsbereichen Elektrifizierung und Prozessautomation.

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Entwicklung in der Devision Machine Automation schwach

Auf der anderen Seite sei die Entwicklung insbesondere in der Division Machine Automation im Geschäftsbereich Fertigungsautomation und im E-Mobility-Geschäft schwach gewesen. Auch der Auftragseingang im Geschäftsbereich Antriebstechnik war im Vergleich zum starken Vorjahr rückläufig.

Im kurzzyklischen Geschäft haben die Aufträge nach mehreren Quartalen des Rückgangs erstmals wieder zugelegt. Zudem zeigt sich im Projekt- und Systemgeschäft eine laut ABB »intakte und robuste Projektpipeline«. Mit Blick auf den Bereich Robotik seien die Aufträge aus der Automobilindustrie zurückgegangen, hätten jedoch in der allgemeinen Industrie und den konsumnahen Segmenten zugelegt.

Die Prognosen für das Gesamtjahr 2024 bestätigt ABB. Weiterhin wird demnach eine operative Ebita-Marge von rund 18 % erwartet sowie ein Umsatzwachstum auf vergleichbarer Basis von rund 5 %.

Für das dritte Quartal 2024 verspricht sich ABB ein höheres Wachstum des vergleichbaren Umsatzes als im zweiten Quartal sowie eine operative Ebita-Marge von rund 18,5 % oder leicht darunter.

AKTIEN IM FOKUS: ABB belastet mit schwacher Quartalsbilanz auch Siemens

Zürich/Frankfurt (dpa-AFX Broker) – Ein überraschend schwacher Quartalsbericht der schweizerischen ABB <CH0012221716> hat am Donnerstag Aktien der ganzen Branche belastet. Während ABB-Aktien in Zürich um 7 % absackten, büßten Schneider Electric <FR0000121972> in Paris fast 4 % ein. Am deutschen Markt traf es Siemens <DE0007236101>, die mit minus 3 % das Schlusslicht im Dax <DE0008469008> waren.

Die Schweizer warteten als erster der großen europäischen Industriekonzerne mit Quartalszahlen auf. Analysten hoben in ihren Kommentaren den Auftragseingang und den Umsatz als Schwachpunkte hervor. Eine hohe Profitabilität und eine positive Relation von Aufträgen zum Umsatz wurde positiv gewertet.

»Wir denken, dass die Investoren negativ auf die Ergebnisse reagieren werden«, hatte Analyst Alasdair Leslie vom Investmenthaus Bernstein schon vor Beginn des Börsenhandels prognostiziert. Denn sowohl die Aufträge als auch der Umsatz lägen jeweils um zwei Prozent unter den Konsensschätzungen.

Die Nachfrage im Geschäft mit Elektrifizierung habe die Markterwartung nicht wesentlich übertroffen, das sei eine Enttäuschung, so Leslie. Gleichzeitig habe das Segment Robotik und Automation die Erwartungen deutlich verfehlt. Er führte die Kursverluste aber auch auf Gewinnmitnahmen zurück.

ABB-Aktien hätten auf Sicht von drei Monaten den Industriegütersektor um 15 % hinter sich gelassen. Seit Jahresbeginn hatten ABB um 37 % zugelegt. Schneider liegen 2024 rund 22 % im Plus, Siemens lediglich 2 %.           /bek/ag/jha/

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