Nachgehakt bei Stefan Hoppe

Meinrad Happacher,

"Wir starten durch!"

OPC UA soll in den nächsten drei bis fünf Jahren weltweit akzeptierter Standard für das Internet der Dinge werden. – Dieses Ziel formulierte Stefan Hoppe anlässlich der OPC-Pressekonferenz auf der letztjährigen SPS IPC Drives. Jetzt bezieht der Vice President der OPC Foundation Stellung zum Status quo.

"Open Source und Echtzeit - die derzeit heißen Themen!", so Stefan Hoppe von der OPC Foundation.

© OPC Foundation

Herr Hoppe, so wie es aussieht, wird OPC UA einer der Standard-Kandidaten der Referenz-Architektur der deutschen Plattform Industrie 4.0. Ist damit der erste Schritt zu Ihrem Ziel des weltweiten Standards getan?
OPC UA ist mehr als ein Kandidat der Plattform: In dem Referenzarchitektur-Modell Industrie 4.0 – kurz RAMI 4.0 –  ist für die Realisierung der Kommunikationsschicht nur OPC UA sprich die Norm IEC 62541 gelistet.

Was die Umsetzung eines industriellen Internet der Dinge betrifft, hat die deutsche Plattform Industrie 4.0 einen US-amerikanischen Konterpart namens Industrial Internet Consortium. Und dort wird ja durchaus DDS – als direkte Konkurrenz zu OPC UA – favorisiert. Keine besonders gute Ausgangslage für OPC UA, sich zu einem weltweiten Standard aufzuschwingen.
Falsch! OPC UA ist mehr als nur ein Protokoll à la DDS, mit dem Geräte verschiedener Hersteller Bits und Bytes austauschen können. Mit OPC UA arbeiten wir an der nächsten Stufe, der semantischen und sicheren Interoperabilität, die wir für das Internet der Dinge benötigen. Protokolle wie DDS sind in der OPC-UA-Architektur eine austauschbare Komponente, die keine Rückwirkungen auf die kommunizierten Informationen haben.

Sie sehen also keinerlei Konkurrenz-Situation?
Nein. Sehen wir uns das Beispiel Industriesteuerungen an:  Hier haben wir die Umsetzung der IEC 61131 Programmiersprachen auf OPC UA schon vor vier Jahren standardisiert. Auf dieser Basis haben alle Hersteller rund um die Welt OPC UA in die Produkte integriert. Selbst GE als Gründungsmitglied des IIC hat diese Integration vor einem Jahr als konzernweite Strategie angekündigt und baut seitdem OPC UA flächendeckend in seine Geräte ein. Wenn man Steuerungssysteme als wichtige Komponente im Industrial Internet betrachtet, hat sich hier OPC UA de facto schon durchgesetzt.

Lassen Sie uns ein paar Punkte vertiefen. Im November letzten Jahres haben Sie angekündigt, dass sich per OPC UA die Integration von AutoID-Systemen wesentlich vereinfachen wird.
Da hat sich viel getan: Experten von Harting, Siemens und weiteren Unternehmen aus dem AIM-D-Arbeitskreis Systemintegration werden nach einem Jahr intensiver Zusammenarbeit mit den OPC-Experten die erste Version der OPC-UA-Companion-Spezifikation für AutoID-Systeme auf der Hannover Messe veröffentlichen. Bisher werden Lesegeräte für Barcodes oder RFID noch weitgehend über herstellerspezifische Schnittstellen mit den führenden Softwaresystemen integriert. Mit der neuen OPC UA basierten Schnittstelle stellen wir dem Markt einen herstellerübergreifenden Standard zur Verfügung, um AutoID-Systeme schneller und kostengünstiger zu integrieren.

Ebenfalls auf der letzten SPS IPC Drives regte Kuka an, OPC UA als Open Source zur Verfügung zu stellen ...
OPC UA steht heute schon in vielerlei Hinsicht für Offenheit: Es gehört keiner Firma, sondern ist eine IEC-Norm. Die Protokollebene kann für zukünftige Protokolle erweitert werden, ohne dass es Einfluss auf die überlagerten Informationsmodelle hat. Die Modellierung steht für Offenheit: Jeder kann sein eigenes Informationsmodell aufprägen – trotzdem können Lösungen verschiedener Hersteller miteinander reden. Aber Sie haben recht: Wenn die Offenlegung der Spezifikationen und des Sourcecodes helfen würde, dass sich noch mehr IT-Firmen mit OPC UA beschäftigen, dann sollte die OPC Foundation den Schritt Richtung Open Source überlegen. – Ob und wie schnell dies gehen könnte, erfahren Sie in Hannover.

Dann bleibt noch das Thema Echtzeit-Fähigkeit von OPC UA …
Aktuell wird der UA-Stack um schnelle Pub/Sub-Mechanismen über UDP erweitert. In diesem Zusammenhang haben Kuka und National Instruments einen visionären Vorschlag eingebracht, um OPC UA echtzeitfähig zu machen. Hier sollen explizit nicht die auf digitalen/analogen Transport optimierten Feldbus-Systeme ersetzt werden, sondern es geht um den horizontalen Transport von SOA-Diensten zwischen Robotersteuerungen oder anderen Industriesteuerungen. Genaueres hierzu gibt’s auf dem ‚OPC Day Europe‘ Mitte Mai.

Also noch viele Hausaufgaben zu erledigen!
Es gibt immer spannende Erweiterungen. Aber bereits das Erreichte ist toll. Etwa die Vision der Skalierung vom Sensor bis in die IT-Ebene: Siemens zum Beispiel hat eine diesbezügliche SmartMeter-Lösung mit integrierter OPC-UA-Schnittstelle auf der E-World vorgestellt. Microsoft zeigt auf der Hannover Messe einen Kuka-Roboter mit integrierter OPC-UA-Schnittstelle zur Anbindung an die ‚Microsoft Azure Cloud‘. Auch Oracle listet in ‚Java and the Internet of Things‘ OPC UA – und eben kein DDS – als integrierte Schnittstelle für die Java-Referenz-Architektur für industrielle Automatisierung.

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

OPC Foundation

OPC UA - Die Marschroute

Vor einem Jahr gab die OPC Foundation auf der SPS IPC Drives als klares Ziel aus: OPC UA soll zwischen 2017 und 2019 zu einem weltweiten Standard des Internets der Dinge werden. Auf der diesjährigen Pressekonferenz zog Stefan Hoppe, Vice President...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Nachgehakt bei Rahman Jamal

Das Internet of Production

Dem Internet of Production (IoP) liegt die Idee zugrunde, ein neues Niveau der domänenübergreifenden Kollaboration zu ermöglichen. An der Umsetzung der Vision arbeitet das Exzellenzcluster IoP an der RWTH Aachen. Rahman Jamal, Mitglied des...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren