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Artikel und Hintergründe zum Thema

Kuka Digital

Inka Krischke,

Wider den Digitalisierungsstau im Mittelstand

Kleine und mittlere Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus in Deutschland tun sich oft schwer mit den Themen Automatisierung und Digitalisierung. Woran das liegt, analysiert Dr. Quirin Görz, CEO von Kuka Digital.

© Kuka

Welche spezifischen organisatorischen und kulturellen Widerstände erschweren die Digitalisierung und Automatisierung im deutschen Mittelstand?

Der Mittelstand geht Digitalisierungsprojekte anders an als Konzerne und ist mehr auf Augenmaß ausgerichtet – mit dem Risiko, dass ein digitaler Flickenteppich mit wenig Wirkung entsteht. Obwohl gerade im Mittelstand die richtigen Leute mit flachen Hierarchien direkt an einem Tisch sitzen, fehlen oft Zeit und Ressourcen, um umfassende Digitalisierungsprojekte zu starten, die oft komplex sind, eine enorme Vielfalt an Lösungsoptionen enthalten und spezifisches Know-How erfordern. Das ist für viele Mittelständler eine Herausforderung. Hinzu kommt, dass man den kulturellen Aspekt bei Digitalisierungsprojekten nicht unterschätzen sollte – zum Beispiel Vorbehalte gegen Cloud-Technologien und Zurückhaltung der Mitarbeitenden, wenn es um Veränderungen und digitale Prozesse geht – nach dem Motto „Es hat doch bisher gut funktioniert“. Das muss man berücksichtigen, nur dann gelingt die Implementierung.

Inwiefern spielen finanzielle Ressourcen und Investitionsbereitschaft eine Rolle?

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Das kommt auf die Auftragslage im Mittelstand an, oft ist die Investitionsbereitschaft stark daran gekoppelt. Allerdings ist es bei Eigentümer-geführten Firmen schon so, dass sie langfristig investieren und die Investitionsbereitschaft groß ist, wenn der Mehrwert erst einmal erkannt wird. Und dass eine vernetzte, autonome Produktion flexibler und agiler ist, steht außer Frage, was immer mehr Mittelständler erkennen.

Wie beeinflusst die Verfügbarkeit und Qualifikation von Fachkräften die Digitalisierungsvorhaben im Mittelstand?

Der Fachkräftemangel nimmt zu, vor allem in der IT-Branche – das werden wir in den kommenden Jahren zunehmend spüren, wenn die Generation der ‚Baby Boomer‘ in Rente geht. Hinzu kommt, dass bei hochkomplexen digitalen Fabriken oft eher teure Spezialisten rund um Data Analytics, IoT oder KI gefragt sind, als Generalisten. Gerade diese Spezialgebiete können im Mittelstand nicht mit eigenen Ressourcen abgedeckt werden. Deshalb haben wir bei Kuka eine eigene Digitalsparte gegründet, um hier als Experten mittelständische Kunden zu begleiten und zu helfen, die richtigen Lösungen auszuwählen.

Welche technologischen Barrieren bestehen derzeit?

Uneinheitliche oder fehlende Standards sind immer noch ein Problem, genauso wie fehlende Schnittstellen. Zudem gibt es im Produktionsumfeld oft alte Maschinen, die lange und zuverlässig im Einsatz sind und nicht für Digitalisierung ausgelegt sind. Dazu kommen wieder kulturelle Themen; so wird der Markt derzeit von US-Cloud-Anbietern dominiert, wogegen es manchmal Vorbehalte gibt.

Inwieweit stellen rechtliche und datenschutzrechtliche Vorgaben eine Hürde dar?

Die größte Hürde sehe ich in der Regulatorik. Ein Vorgaben-Dschungel kann zu einer ‚Schockstarre‘ führen: Dann haben Unternehmen Sorge, etwas falsch zu machen, und gehen digitale Themen zaghaft oder gar nicht an. Wobei in der Produktion eher Maschinen- und konstruktionsbezogene Daten eine Rolle spielen, weniger datenschutzrechtliche Aspekte, und eher große Unternehmen im Fokus stehen. Da ist die Lage für die mittelständische Produktion etwas einfacher.

Welche Rolle spielen bestehende IT-Infrastrukturen und deren Modernisierung?

Dr. Quirin Görz ist CEO von Kuka Digital. © Kuka

Digitalisierungsvorhaben führen natürlich zu einem höherem IT-Security-Bedarf und das geht nur mit moderneren Maschinen, mit regelmäßigen Updates und Upgrades. Vor allem in einer Produktionsumgebung gilt oft das Motto „Never change a running system“, um Stillstände und Ausfälle zu vermeiden. Dies kann allerdings dazu führen, dass Investitionen verzögert werden oder Cyberrisiken entstehen.
Digitalisierung gelingt nur mit Modernisierung – und das zahlt sich aus, wenn man auch mittelfristig eine reibungslose, flexible Produktion haben möchte. Hier muss der Mittelstand dringend digitalisierungsfähig werden und weg von schwerfälligen, analogen Prozessen.

Fehlt es vielleicht auch an Bewusstsein oder Verständnis für die Vorteile der Digitalisierung bei Entscheidungsträgern in KMU?

Das Bewusstsein für Digitalisierung ist da. Viele haben das Potenzial deutlich erkannt und machen sich viele Gedanken. Schwierig wird es eher dann, wenn Hidden Champions mit einer starken Positionierung in ihrer Nische Digitalisierungschancen verstreichen lassen oder der Eigentümer die IT-Modernisierung dem Nachfolger überlässt. Dann besteht das Risiko, dass Wettbewerber zum Beispiel aus Asien an ihnen vorbeiziehen, weil sie in Operations und Produktion plötzlich Vorteile haben und deutlich wettbewerbsfähiger sind. Und das wäre fatal, denn der deutsche Mittelstand ist Rückgrat und Innovationsmotor der deutschen Wirtschaft.

Deshalb ist es wichtig, dass wir den Digitalisierungsstau im Mittelstand beseitigen und die Industrie so resilienter und flexibler machen. Der digitale Wandel darf dabei kein Mammutprojekt sein, das nur für Konzerne mit riesigen Budgets funktioniert. Neue Technologien sind der Schlüssel für mehr Effizienz, Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit, kurz gesagt: Sie bieten enorme Chancen für die Industrie. Diese Chancen sollten wir nutzen.

Welche externen Faktoren, wie beispielsweise Markt- oder Wettbewerbsdruck, wirken sich auf die Geschwindigkeit und Art der Digitalisierung im deutschen Mittelstand aus?

Wir stellen zunehmend fest: Im Mittelstand findet Bewegung statt, wenn es um Digitalisierungsvorhaben geht. Unsere Industrie spürt die Auswirkungen globaler Unsicherheiten und des zunehmenden Wettbewerbs. Der Wunsch nach effizienteren Prozessen und mehr Nachhaltigkeit durch Digitalisierung ist da. Fragmentierte Softwarelandschaften, teildigitalisierte Prozesse, fehlende Standardisierung und isolierte Wissenssilos bremsen derzeit oft die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen aus.

Deshalb haben wir im vergangenen Jahr unseren neuen Geschäftsbereich Kuka Digital gegründet. Das Ziel: Die durchgängige Digitalisierung unterschiedlichster Maschinen und Anlagen in Produktionen, von der ersten 3D-Simulation über die Vernetzung und Datenanalyse bis hin zum Einsatz von künstlicher Intelligenz. Dafür setzen wir die Expertise von mosaixx, Visual Components und Device Insight unter dem eigenen Dach ein – und bieten zudem ein starkes Partnernetzwerk, zu dem Siemens, Dassault Systemes, Autodesk, AWS, Soffico und spezialisierte Start-ups wie NouxNode oder TwinDustrial gehören.

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