Phoenix Contact

Prof. Dr. Andreas Würger und Arno Martin Fast,

AAS und OPC UA im Software-Lebenszyklus

Asset Administration Shell (AAS) und OPC UA ermöglichen ein durchgängiges Management von Software über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Der Beitrag zeigt, wie sich Software speichern, versionieren, verteilen und aktualisieren lässt.

© Phoenix Contact

Der digitale Zwilling zählt seit Jahren zu den zentralen Themen der Automatisierungstechnik. Gemeint ist gemäß der Publikation "Die Rolle der Industrie 4.0 ‚Verwaltungsschale‘ und des ‚digitalen Zwillings‘ im Lebenszyklus einer Anlage: Navigationshilfe" [1] die Verwaltungsschale eines Assets (Asset Administration Shell, AAS). Ein Asset kann dabei eine Einzelkomponente, ein Feldgerät, eine Anlage oder Software sein. Zu den derzeit häufig diskutierten Anwendungsfällen der AAS gehören:

  • das digitale Typenschild (Digital Nameplate),
  • die papierlose Dokumentation durch Ablage digitaler Unterlagen in der AAS,
  • die Bereitstellung technischer Produktmerkmale in der AAS sowie
  • die Bereitstellung des CO₂-Fußabdrucks in der AAS.

Darüber hinaus können digitale Zwillinge ein durchgängiges Anlagen-Engineering in der industriellen Fertigung unterstützen und damit die Effizienz im Engineering von Produktionsanlagen erhöhen.

Der vorliegende Beitrag behandelt insbesondere das Software-Management, also das Speichern und Verwalten mit AAS sowie das Verteilen von Software über OPC UA DI. Dazu führt der Artikel zunächst in die AAS-Technologie, insbesondere in das Teilmodell "Software Nameplate", sowie in das "Software Update Model" des OPC-UA-DI-Standards ein. Anschließend wird gezeigt, wie sich Software in AAS-Software-Repositorys ablegen, versionieren und referenzieren lässt. Danach wird erläutert, wie Software aus Repositorys abgerufen und über den OPC-UA-DI-Standard auf Geräte geladen werden kann. Abschließend wird bewertet, inwieweit ein herstellerneutrales ganzheitliches Software-Management mit AAS und OPC UA derzeit realisierbar ist.

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AAS-Informationen liegen in Teilmodellen vor

Die AAS-Technologie wird von der Industrial Digital Twin Association e.V. (IDTA) betreut und weiterentwickelt. Das allgemeine AAS-Metamodell wurde inzwischen in die Norm IEC 63278-1:2023[2] überführt. Asset Administration Shells unterscheiden – angelehnt an eine Klassen-Objekt-Beziehung – zwischen Typ- und Instanz-AAS. Eine Typ-AAS repräsentiert den Typ eines Assets. Die Instanz-AAS steht für ein konkretes Asset. Sie wird bei der Herstellung erzeugt und gegebenenfalls von einer Typ-AAS abgeleitet.

Die eigentlichen Informationen einer Asset Administration Shell liegen in Teilmodellen (Submodels) vor. Stand Juli 2025 listet die IDTA insgesamt 98 veröffentlichte oder in Ausarbeitung befindliche Teilmodelle auf. Diese decken unter anderem die genannten Basisanwendungsfälle ab. Auf Grundlage des vordefinierten Submodels "Hierarchical Structures" [3] lassen sich hierarchische Strukturen der AAS als Referenzlisten auf unterlagerte AAS abbilden. Asset Administration Shells werden in AAS-Repositorys auf AAS-Servern gehostet. Der Zugriff erfolgt über eine REST-API. Sicherheitsmechanismen wie ein feingranulares Rechtemanagement sind bereits Bestandteil der AAS-Technologie. Einzelgeräte und Komponenten verfügen produktionsseitig über einen QR-Code[4], der auf die jeweilige AAS verlinkt.

Software-Pakete können im Teilmodell hinterlegt werden

Ziel des Teilmodells "Software Nameplate"[5] ist es, softwarebezogene Informationen standardisiert und interoperabel bereitzustellen. Das Teilmodell besteht aus zwei Aspekten: 

  • dem SoftwareNameplateType, der typbezogene Eigenschaften wie Produktbezeichnung, Version, Herstellerinformationen oder Installationsquelle beschreibt,
  • der SoftwareNameplateInstance, die instanzspezifische Details wie Seriennummer, Installationspfad, verwendete Architektur und Kontaktinformationen umfasst.

Software-Pakete können direkt im Typ-Aspekt des Teilmodells hinterlegt werden. Alternativ ermöglicht das Teilmodell die Referenzierung externer Bezugsquellen, beispielsweise eines nachgelagerten Software-Repositorys. Dabei werden Informationen zur Download-URL hinterlegt.

Software Update Model definiert einheitliche Download-Schnittstelle

Beim OPC-UA-DI-Standard (Device Integration)[6] handelt es sich um eine Erweiterung des OPC-UA-Standards zur einheitlichen Modellierung und Integration von Geräten in Automatisierungssysteme. Der Standard definiert Informationsmodelle und Schnittstellen, um Geräte unterschiedlicher Hersteller interoperabel darzustellen und anzusteuern. Der DI-Standard bildet die Grundlage für weitere Spezifikationen wie "OPC UA for Profinet", "OPC UA for IO-Link" oder "OPC UA for PLCopen".

Die DI-Spezifikation beschreibt drei aufeinander aufbauende Modelle: das ‚(Base) Device Model‘, das ‚Device Communication Model‘ und das ‚Device Integration Host Model‘. Zusätzlich sind die Add-ins ‚Locking Model‘ und ‚Software Update Model‘ definiert.

Bild 1: Das Software Update Model OPC-UA-DI im Adressraum einer PLCnext Control von Phoenix Contact. © Phoenix Contact

Das Software Update Model definiert eine einheitliche Schnittstelle, um Software, zum Beispiel Firmware, über OPC UA auf ein Gerät zu übertragen. Download und Installation können dabei voneinander getrennt erfolgen. Firmware-Updates lassen sich so zunächst auf mehrere Geräte ausrollen und zu einem späteren Zeitpunkt auf allen Geräten gleichzeitig installieren. Um die Funktion eines Geräts bei einem fehlgeschlagenen Update sicherzustellen, kann über das Modell eine Rückfallversion definiert werden. Bild 1 zeigt das Software Update Model im Adressraum des OPC-UA-Servers einer Steuerung von Phoenix Contact.

Software-Repositorys für die Nachverfolgung von Abhängigkeiten Bild 2 zeigt, wie sich Software-Repositorys mithilfe der Teilmodelle "Hierarchical Structures" und "Software Nameplate" umsetzen lassen. Das Repository kann dabei entweder ein AAS-Server oder eine Auflistung der AAS einzelner Software-Module sein.

Bild 2: Aufbau von AAS-Software-Repositorys. © Phoenix Contact

Jedes Software-Modul wird zunächst durch eine eigene AAS repräsentiert, die das Teilmodell "Hierarchical Structures" enthält. Jedes Release eines Software-Moduls verfügt über eine eigene AAS, die in der AAS des jeweiligen Software-Moduls referenziert wird. In den Release-AAS ist der Typ-Aspekt des Teilmodells "Software Nameplate" ausgeprägt. Dort wird unter anderem das Software-Paket des Releases selbst oder dessen Bezugsquelle hinterlegt.

Jede Release-AAS enthält außerdem ein Teilmodell "Hierarchical Structures" mit Referenzen auf die AAS aller Software-Releases, von denen das jeweilige Release abhängig ist. Bild 3 stellt den Lebenszyklus einer Software dar, die mit einem AAS-Software-Repository gekoppelt ist. Die Abbildung verdeutlicht zudem, welche weiteren Informationen in der AAS eines Software-Moduls abgelegt werden können. Dazu zählen beispielsweise Anforderungs- und Schnittstellenbeschreibungen, Dokumentationen sowie Testberichte.

Bild 3: Interaktion mit dem AAS-Software-Repository über den Lebenszyklus einer Software. © Phoenix Contact

Darüber hinaus lassen sich über das Software-Repository Änderungen an Software-Abhängigkeiten nachvollziehen. Ein solcher Mechanismus kann helfen, auf sicherheitsrelevante Änderungen in abhängigen Software-Komponenten zu reagieren.

Device and Update Management System bezieht Installationspakete aus der AAS

Bild 4: Beziehen von Software aus dem AAS-Software-Repository und Laden der Software auf Geräte über den OPC-UA-DI-Standard. © Phoenix Contact

Bild 4 zeigt, wie ein Software-Paket aus dem Software-Repository einer AAS abgerufen und über das Software Update Model von OPC UA DI auf ein Gerät übertragen wird. Zentrales Element ist dabei eine Software, die im Folgenden als "Device and Update Management System" (DaUM) bezeichnet wird. Diese Software greift auf die OPC-UA-Server unterlagerter Geräte, etwa Steuerungen, zu und liest die Versionsstände von deren Firmware oder einer anderen auf den Geräten befindlichen Software aus.

Über die Standard-REST-Schnittstelle des AAS-Servers nutzt das DaUM das Software-Repository der AAS und prüft regelmäßig, ob neue Software-Versionen verfügbar sind. Ist dies der Fall, lädt das DaUM das Installationspaket aus der AAS, überträgt es über das Software Update Model von OPC UA DI auf das Zielgerät und stößt dort die Installation an.

Umsetzung eines AAS-Software-Repositorys

Der Autor: Prof. Dr. Andreas Würger ist Professor für industrielle Steuerungs- und Regelungstechnik an der HAW Hamburg. © Phoenix Contact

Der Beitrag beschreibt, wie sich komplexe Software-Repositorys mit der AAS-Technologie aufbauen lassen und wie diese über den Lebenszyklus einer Software mit der AAS-Technologie interagieren. Die dafür benötigten Teilmodelle sind bereits veröffentlicht. Eine Umsetzung entsprechender AAS-Software-Repositorys ist daher mit dem aktuellen Stand der Technik möglich.

Darüber hinaus zeigt der Beitrag, wie ein sogenanntes Device-and-Update-Managementsystem den OPC-UA-DI-Standard nutzen kann, um Geräte-Firmware über OPC UA zu aktualisieren. Entsprechende Systeme sind bereits verfügbar, beispielsweise die Software "Device and Update Management" von Phoenix Contact [7].

Der Autor: Arno Martin Fast ist Senior Specialist PLCnext Technology bei Phoenix Contact in Lemgo. © Phoenix Contact

Ein nächster logischer Schritt in Richtung eines vollständig herstellerneutralen Software-Managements wäre die Kopplung von AAS-Software-Repositorys mit den Installationsmechanismen des OPC-UA-DI-Standards. Eine derzeit noch offene Herausforderung bleibt das Format der Installationspakete. Hier besteht weiterer Standardisierungsbedarf, um ein allgemeines und herstellerneutrales Format für Software-Pakete zu definieren. 

Literaturverzeichnis

[1] Drath, R.; Malakuti, S.; Grüner, S.; Grothoff, J.; Wagner, C.; Epple, U.; Hoffmeister, M.; Zimmermann, P.: Die Rolle der Industrie 4.0 "Verwaltungsschale" und des "digitalen Zwillings" im Lebenszyklus einer Anlage: Navigationshilfe, Begriffsbestimmung und Abgrenzung. In: Automatisierungskongress (AUTOMATION), S. 600–615, 27. - 28.06.2017.

[2] IEC 63278-1:2023 Asset Administration Shell for industrial applications - Part 1: Asset Administration Shell structure

[3] IDTA 02011-1-0 Hierarchical Structures enabling Bills of Material, April 2023

[4] IEC 61406-1:2022 Identifizierungslink – Teil 1: Allgemeine Anforderungen

[6] IDTA 02007-1-0 Nameplate for Software in Manufacturing, August 2023

[7] OPC Foundation, OPC Unified Architecture, Part 100: Devices – Device Interface, Version 1.04, 03.11.2022.

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