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Artikel und Hintergründe zum Thema

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Michael Finkler | Meinrad Happacher,

ERP-System als Enabler

In weiten Teilen der Wirtschaft lösen neue Vorschriften einen pawlowschen Reflex der Ablehnung aus. Das gilt auch für Maßnahmen, die dem Klimaschutz dienen. Insbesondere die produzierende Industrie hat diesbezüglich eine enorme Aufgabe vor sich.

© NicoElNino/stock.adobe.com

Nicht nur die Industrie, sondern die gesamte Wirtschaft ist stärker denn je gefordert, sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch die ökologische Nachhaltigkeit ihres Handelns in den Blick zu nehmen. Kein Wunder, dass gerade bei führenden Unternehmen die Corporate Social Responsibility (CSR) von der Environmental Social Governance (ESG) als Teil der Unternehmensstrategie abgelöst wurde. Betrachtet man das »Environmental« im ESG-Begriff etwas genauer, stehen Unternehmen in der Verantwortung ihren konventionellen Energie- verbrauch, die CO2-Emission pro Wertschöpfungseinheit, ihren Ressourcen-Fußabdruck und den Anteil an degradierten Flächen zu reduzieren. Es gilt also einiges zu bewältigen. Ohne Digitalisierungstools und -strategien wird das Monitoren und die Reduzierung von Emissionen allerdings schwerlich möglich sein – auch wenn man bedenkt, dass der Gesetzgeber über Regulatorik Druck ausübt und weiter ausüben wird, um die gesteckten Nachhaltigkeitsziele, zum Beispiel Klimaneutralität bis 2045, zu erreichen. Weiterer Druck entsteht, wenn Unternehmen, die noch unter die Schwellenwerte der Gesetzgebung fallen, durch eigene Kunden und Geschäftspartner gezwungen werden, ihren Corporate und/oder Product Carbon Footprint anzugeben oder aber eine Strategie zur Klimaneutralität vorzulegen.

Bezüglich der ESG-Berichtspflichten stehen demnach längst nicht nur Konzerne in der Verantwortung. So sagt die vom EU-Parlament verabschiedete Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), dass bereits Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden, 40 Millionen Euro Umsatz oder einer Bilanzsumme von über 20 Millionen Euro ab dem Geschäftsjahr 2024 der CSRD-Berichtspflicht inklusive CO2-Bilanzierung unterliegen.

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CO2-Management mit Business Software

Analyse der Informationsverfügbarkeit: ERP- und ME-Systeme besitzen am meisten relevante Daten zur Bilanzierung von Scope-1.

© proALPHA

Wo auch immer sich Unternehmen in der Wertschöpfungskette befinden: Um ihrer ESG-Berichtspflicht nachzukommen und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, müssen sie Daten digital erfassen und verarbeiten. Allerdings sind – Stand heute – ökologisch orientierte Funktionalitäten stark fragmentiert und nur mangelhaft in bestehende IT-Systemlandschaften integriert. Das verhindert häufig ein ganzheitliches, digitales Nachhaltigkeitsmanagement.

Doch welche Daten zur Bilanzierung benötigen Unternehmen eigentlich und welche dieser Informationen können Business-Anwendungen bereits liefern? Diesen Fragen ging eine Studie des CIBA in Zusammenarbeit mit dem FIR an der RWTH Aachen im Auftrag des ERP-Experten proALPHA nach (siehe Kasten).

Die Studien-Basis
Für die Studie »CO2-Management mit Business Software« gingen die Autoren in drei Schritten vor. Sie identifizierten führende CO2-Management-Anbieter und deren Vorgehensweise, leiteten aus bestehenden Standards zur CO2-Bilanzierung die benötigten Daten ab und arbeiteten Zusammenhänge und Handlungsmaßnahmen zur Emissionsreduktion heraus. Dabei konzentrierten sich die Wissenschaftler auf das ERP-System unter Mitberücksichtigung von MES, TMS und CRM als Rückgrat betrieblicher Geschäftsprozesse. Als Bezugsrahmen verwendeten sie das GHG-Protokoll (Greenhouse Gas Protocol / Treibhausgasprotokoll) und identifizierten über 330 relevante Informationen. Im Rahmen einer Gap-Analyse glichen sie die Anforderungen mit Referenzsystemen ab, die Daten für die Bilanzierung liefern können..

 

Marktanalyse CO2-Management-Software

Die Autoren der Studie haben 20 verschiedene CO2-Management-Systeme unter die Lupe genommen, darunter eine Reihe von Start-ups. Fast alle bewerben einen automatisierten Datenimport. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich allerdings, dass die dazu erforderlichen Schnittstellen erst entwickelt werden müssen und die angebotenen Umfänge der einfließenden Emissionen noch gering sind. Die Oberflächen der Lösungen sind meist anwenderfreundlich gestaltet mit Visualisierungen, Analysen und Reportings sowie konkreten Vorschlägen zur CO2-Reduktion. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Komforts, Technologie und des dahinterstehenden Expertenwissens. In Summe bietet die Mehrheit der Tools zur CO2-Messung ein Full-Range-Leistungsspektrum an. Die Differenzierung am Markt erfolgt durch Ausprägungen in den jeweiligen Funktionalitäten.

ERP-Systeme liegen vorn

Laut den Studienautoren schlägt das ERP-System in puncto Datenverfügbarkeit alle anderen Arten von Business Software, weil es die gesamten Auftragsabwicklungs- und Beschaffungsprozesse sowie die Produktion abbildet. Von den insgesamt 339 für das GHG-Protokoll als notwendig identifizierten Informationen stellt es 141 bereit, was einer Quote von 42 Prozent entspricht. Mit knapp einem Viertel (78 Informationen oder 23 Prozent) dient auch das MES (Manufacturing Execution System) als wichtige Informationsquelle. Supplier- und Customer-Relationship-Management-Systeme (xRM) steuern mit 74 (22 Prozent) rund ein Fünftel der Informationen bei, während das Transportmanagement und die Maschinen- und Betriebsdatenerfassung jeweils 5 Prozent der Informationen (16) beitragen. Kombinieren Unternehmen das ERP-System mit einem MES und einer Maschinen- und Betriebsdatenerfassung, greifen sie bereits heute auf etwa 70 Prozent der für das GHG-Protokoll erforderlichen Daten zu. Scope-1-Daten können fast vollständig erhoben werden. Die meisten relevanten Daten sind im ERP- und MES-System hinterlegt. Allerdings benötigen Unternehmen zur Bilanzierung von Emissionen aus der Verarbeitung und von flüchtigen Emissionen zusätzliche IT-Systeme oder Abschätzungen.

Daten aus dem Rechnungswesen

Exemplarische Maßnahmen zur Steigerung der Informationsverfügbarkeit in Geschäftsanwendungen. Zur CO2-Bilanzierung im ERP-System bedarf es dreier Hauptfelder an Handlungsmaßnahmen. Besonders aufwendig ist die Integraton der Emissionsfaktoren und die Implementierung neuer Datenfelder.

© proALPHA

Durch ERP-Daten aus dem Rechnungswesen lassen sich auch Scope-2-Daten gut bilanzieren. In ihrer betriebswirtschaftlichen Software können sich Unternehmen ebenfalls über gekaufte Produkte sowie Transporte (Scope 3) informieren. Um vollständig zu bilanzieren, fehlen jedoch Emissionsfaktoren, mit denen die CO2-Belastung, die eine bestimmte Aktivität verursacht, errechnet werden kann. Die Politik könnte Unternehmen unterstützen, indem sie die dafür nötigen Daten wie Emissionsfaktoren zur einfacheren Nachhaltigkeitsberichterstattung leichter zugänglich macht. Dafür sind die Wirtschaftsinitiativen Manufacturing-X oder Catena-X passende Vehikel.

Die Informationsverfügbarkeit

Mithilfe eines ERP-Systems lassen sich Stellschrauben innerhalb der Anwendungssysteme ausmachen, über die Unternehmen ihre Emissionen bereits effektiv reduzieren können. Dabei schlagen die Scope-3-Emissionen mit branchenübergreifend 74 Prozent und im Maschinenbau sogar 89 Prozent kräftig zu Buche. In Vertrieb und Service, Einkauf, Materialwirtschaft und Produktion lässt sich der Ausstoß von Treibhausgasen signifikant reduzieren. Dabei können die Unternehmen anhand von Kennzahlen im System ausmachen, wo ihre höchsten Einsparpotenziale liegen. Die bestehenden Funktionen innerhalb der Kernmodule eines ERP-Systems wie dem von proALPHA bieten viele Stellschrauben zur Reduktion von CO2-Emissionen.

Integration von CO2-Management-Software

Für ein vollständiges GHG-Monitoring muss Business Software meist mit einem CO2-Management-Tool kombiniert werden. Da die im Mittelstand verbreiteten ERP-Systeme äußerst selten eine vollintegrierte Lösung anbieten, empfiehlt es sich, die betriebswirtschaftliche Software, um eine plattformunabhängige Best-of-Breed-Lösung zu erweitern. Auf diese Weise sind Unternehmen schnell in der Lage, Emissionen effizient zu bilanzieren und effektiv zu reduzieren. Die Studie zeigt, dass Unternehmen den Aufwand zur CO2-Bilanzierung signifikant reduzieren können, wenn sie die bereits verfügbaren Daten aus ERP-Systemen und weiteren BusinessAnwendungen heranziehen. Die Nutzung bestehender Daten ermöglicht neben der Effizienzsteigerung zudem auch eine höhere Genauigkeit bei der Bilanzierung. Diese Transparenz ist die Grundlage für die Ableitung geeigneter Maßnahmen zur Steigerung der Nachhaltigkeit, vor allem bei produzierenden Unternehmen.

Der Autor: Michael Finkler ist Geschäftsführer Business Development bei der proALPHA Gruppe.

© proALPHA

Operative Maßnahmen zur CO2-Reduktion sollten dabei durch Business-Lösungen unterstützt werden, da Geschäftsprozesse heutzutage stark mit anderen Business-Anwendungen interagieren. Hierfür sollten bestehende Funktionalitäten erweitert werden. Generell sollten Unternehmen die Informationsverfügbarkeit innerhalb von Business-Anwendungen steigern, um das Potential von ERP und Co. für die CO2-Bilanzierung auszuschöpfen.

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