Verarbeitende Industrie
Digitale Plattformen – Bedrohung oder von Nutzen?
Bedroht das Aufkommen digitaler Plattformen das eigene Geschäft? Oder ist der Aufbau einer eigenen Plattform nützlich? Oder eine Beteiligung, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln? Diese Fragen beantwortet eine aktuelle Studie von Sopra Steria Consulting.
Die Studie „Potenzialanalyse Digitale Plattformen“, für die im Zeitraum April/Mai 2019 insgesamt 355 Entscheider, Manager und Fachkräfte aus verschiedenen Branchen befragt wurden, kommt zu folgendem Ergebnis: 59 % der Entscheider von Unternehmen der verarbeitenden Industrie sehen das eigene Geschäft durch das Aufkommen digitaler Plattformen nicht bedroht. Im Gegenteil: 73 % der Manager halten den Aufbau einer eigenen Plattform oder eine Beteiligung für nützlich, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. 60 % wollen so neue Märkte erschließen.
Die Angst vor Geschäftseinbrüchen durch digitale Plattformen ist in der produzierenden Industrie deutlich geringer ausgeprägt als in den anderen untersuchten Branchen. Zum Vergleich: Bei Banken und Versicherern sehen drei von vier der Befragten ihr Geschäft durch das Aufkommen von Vergleichsportalen, Zahlungsdienste-Plattformen und das Einsteigen der großen Technologiekonzerne Google, Amazon, Facebook und Apple (GAFA) in Gefahr – 44 % spüren den Wettbewerb bereits jetzt, so die Studie.
In der Industrie ist die Situation anders: In vielen Betrieben sieht man sich und das eigene Know-how nicht so leicht ersetz- und austauschbar durch digitale Angebote der GAFA, wie es im Dienstleistungssektor der Fall ist. Konzerne betrachten sich größentechnisch auf Augenhöhe mit der Digitalbranche und bewerten IT-Unternehmen deshalb mehr als Partner denn als Wettbewerber. BMW und Volkswagen öffnen beispielsweise ihre Fertigungsplattformen und kooperieren mit dem IT-Riesen Microsoft. Die Produktionsprozesse sollen durch Cloud-Computing und intelligente Software beschleunigt werden. Gleichzeitig soll es deutlich einfacher werden, Daten und Prozesse mit anderen Unternehmen zu teilen, damit daraus schneller neue Produkte und Dienstleistungen entstehen können.
Dazu kommt: Viele kleine Industrieunternehmen beginnen gerade erst damit, sich mit dem Thema zu beschäftigen. 15 %t haben noch keine Position zu dem Thema entwickelt. Die Konzerne sind dagegen sehr präsent auf digitalen Plattformen und erkennen ihren Nutzen: 45 % der befragten Unternehmen sind bereits Teilnehmer oder Nutzer einer Plattforminitiative, beispielsweise auf Beschaffungs- und IoT-Plattformen. Für 48 % der befragten Entscheider überwiegen die Vorteile der Plattformökonomie.
Automotive-Sektor mit Plattformambitionen
Vorreiter in der Industrie ist der Automobilsektor. Die Automanager sind sich einig, dass die Branche für künftiges Wachstum komplett neue Richtungen einschlagen muss. Die Mehrheit arbeitet am Umbruch vom klassischen Hardware-Produzenten zum universellen Mobilitätsmanager und zur agilen digitalen Plattform – inklusive vollvernetzter Industrie-4.0-Produktion und moderner Vertriebsstrategien. Drei Viertel der Autohersteller und Zulieferer investieren deshalb in die Nutzung der Digitaltechnologien in Produkten oder innerhalb der Prozesse. Ebenso viele passen ihre Organisation an moderne, sich durch die neue Technologie eröffnende Strukturen an, so die Studie Branchenkompass Automotive 2019 von Sopra Steria Consulting.
„Industrieprozesse werden immer mehr von intelligenter Datentechnik unterstützt. Diesen Datenschatz zu heben, ist eine der zentralen Aufgaben und Chance für Unternehmen im gesamten verarbeitenden Gewerbe, nicht nur im Automobilsektor“, sagt Christian Kottmayr, Senior Manager Manufacturing von Sopra Steria Consulting. „Die Umsatzanteile müssen und werden sich weg von der reinen Herstellung von Produkten in Richtung Full-Service-Dienstleister verschieben. Plattformen werden dabei als Drehkreuz eine zentrale Rolle spielen“, so Kottmayr.
Die „Potenzialanalyse Digitale Plattformen“ basiert auf einer Online-Befragung in den Branchen Banken, Versicherungen, Energie- und Wasserversorgung, Telekommunikation und Medien, öffentliche Verwaltung, Automotive sowie sonstiges verarbeitendes Gewerbe.
Die Studie zum Download.













