Nachgehakt bei Claus Kühnl

Meinrad Happacher,

Die Lage ist niederschmetternd!

Der Datenaustausch zwischen Mechanik-CAD, Elektro-CAD und SPS-Programmierung liegt in der Breite des deutschen Maschinenbaus immer noch im Argen: Der VDMA arbeitet daran, eine (Schnittstellen-) Brücke zwischen den Engineering-Werkzeugen zu schlagen. Claus Kühnl, Obmann des Arbeitskreises Engineering im VDMA, gibt einen Einblick in die bisherigen Arbeiten.

Claus Kühnl, Phoenix Contact und Obmann des VDMA-Arbeitskreises Engineering: "Wir wollen einen praxistauglichen Standard zum Datenaustausch."

© VDMA

Herr Kühnl, im vergangenen Jahr hat der VDMA eine Marktstudie zur Schnittstellen-Thematik im Engineering-Prozess des Maschinenbaus erstellt. Welche Erkenntnisse spiegelt die Studie wider?

Die Studie, durchgeführt von Michaela Rothhöft in Zusammenarbeit mit dem VDMA-Arbeitskreis Steuerungstechnik, hat zutage gefördert, dass der deutsche Maschinenbau größte Schwierigkeiten bei der Übergabe von Daten zwischen den verschiedenen Gewerken hat. Um mehr Details zu dieser Problematik zu erhalten, führte der VDMA in der Folge eine weitere gezielte Umfrage zum Engineering-Datenaustausch unter den Mitgliedern durch – mit niederschmetternden Ergebnissen! Obwohl es von Firmen und Organisationen seit Jahren Anstrengungen und teilweise proprietäre Lösungen gibt, sind diese in der Fläche noch nicht angekommen. Viele bisherige Lösungen sind teuer oder erfordern große Umstellungen in den Unternehmen. Dies ist für mittelständische Maschinenbauer kaum zu schaffen und das Risiko ist für sie zu hoch. Besonders der Datenaustausch mit dem mechanischen Konstruktionssystem ist in der Breite des Maschinenbaus quasi nicht vorhanden.

Was haben Sie in der Folge in Angriff genommen?

Der VDMA ist dem Wunsch seiner Mitgliedsunternehmen nachgekommen, hier aktiv zu werden. Im Februar gründete Birgit Sellmaier, Referentin im VDMA Elektrische Automation, einen Arbeitskreis „Engineering“, der eine konkrete Lösung für das Thema erarbeitet. In diesem Arbeitskreis sind wir nun dabei, ein standardisiertes Datenaustausch-Format zu definieren. Dieses VDMA-Einheitsblatt mit dem Arbeitstitel „VDMA 66415 Engineering Datenaustausch – Universelles Datenformat für den Austausch grundlegender, gemeinsamer Projektdaten zwischen Mechanik-CAD, Elek­tro-CAD und SPS-Programmiersoftware“ soll ein einfaches Format beschreiben, auf dessen Grundlage die notwendigen Daten zwischen den Gewerken ausgetauscht werden können. Und es soll so gestaltet sein, dass auch alle weiteren Planungs- und Engineeringsysteme wie zum Beispiel Visualisierungssoftware, ERP-Systeme oder die Fluidplanung davon profitieren können.

Da wir im Arbeitskreis Maschinenbauer Hersteller verschiedener Engineeringsysteme – wie M-CAD-, E-CAD- und SPS-Programmiersoftware –, aber auch Komponentenhersteller und Hersteller von ERP-Systemen und Werkzeugen der NC-Programmierung an einen Tisch bekommen haben, hat der Arbeitskreis eine große Schlagkraft.  

Was ist aus heutiger Sicht noch zu tun?

Das Ziel ist gesetzt und bei der Umsetzung sind wir auf einem guten Weg: Wir haben zum einen die Anforderungen der Anwender aufgenommen, welche Daten sie gerne austauschen wollen, und zum anderen die Anforderungen der CAD-Hersteller an das Datenformat. Jetzt sind wir dabei, diese Anforderungen in die Beschreibung eines VDMA-Einheitsblattes umzusetzen und die technischen Notwendigkeiten und Möglichkeiten zu prüfen. Später werden wir prototypische Implementierungen der Schnittstelle bekommen und Usability-Tests mit Anwendern und Herstellern durchführen, um die Realisierung zu überprüfen. Nach Abschluss der Arbeiten wird der Standard als VDMA 66415 in den DIN-Mitteilungen zur Kommentierung der breiten Öffentlichkeit gestellt und kann dann beim Beuth-Verlag bezogen werden. Als Zeithorizont ist Ende 2015 geplant.

Was geschieht letztendlich mit den Ergebnissen, die Sie erarbeiten?

Wir wollen einen praxistauglichen, einfachen Standard zum Datenaustausch haben, der den Maschinenbauern ermöglicht, ihre bisherigen Tools und auch Schnittstellen beizubehalten ohne große Investitionen zu tätigen. Und:  Wer mit diesem Standard einsteigt, wird nachher vielleicht auch größere, integrierte Lösungen wie PLM-Systeme leichter einsetzen können. Der Standard soll die Einstiegs-hürde in ein integriertes Engineering senken, damit die deutschen Maschinenbauer ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern können.

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