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Artikel und Hintergründe zum Thema

Energieeffizienz

Peter Marbuger | Wolfgang Reinhart,

Umfassendes Gesamtpaket optimiert Einsparungen

Energieeffizienz wird für Unternehmen immer wichtiger. Doch: An nur einer Stellschraube zu drehen, reicht nicht aus. Wie sich die Potenziale durch ein umfassendes Effizienzprogramm ausschöpfen lassen und welche Ergebnisse damit konkret erreichbar sind, hat Siemens quasi im „Selbstversuch“ in 25 seiner eigenen Produktionsstätten erprobt.

© Siemens

Die Europäische Kommission hat 2011 einen strategischen Rahmen für die nachhaltigere Nutzung von natürlichen Ressourcen und die Umstellung auf ein ressourcenschonendes, kohlenstoffarmes Wachstum in Europa vorgestellt. Ziel ist es, eine solide Grundlage für Wachstum und Beschäftigung und für das Erreichen der klima- und energiepolitischen Ziele zu schaffen.

Das größte Potenzial, Ressourcen zu schonen und Kosten zu senken, liegt in der effizienten Nutzung der zur Verfügung stehenden Energie. Es gilt, verbindliche Regeln und Standards zu setzen, um diesen ökologischen Herausforderungen zu begegnen. Eine der Kernaufgaben liegt hierbei in der Überwachung und Optimierung der Energie- und Ressourcen-Effizienz.

Um diese zu erreichen, hat Siemens ein umfassendes Energieeffizienz-Programm (EEP) mit gebäude- und produktionsspezifischen Einsparpotenzialen entwickelt. Für dessen Anwendung sind aus den weltweit mehr als 3000 Produktions- und Bürostandorten über 100 für die Phase 1 vorausgewählt worden. Zu den wichtigsten Entscheidungsfaktoren zählten der Energieverbrauch, das Verhältnis von Primär- zu Sekundär-Energie, die Größe des Standorts sowie die Anzahl der Beschäftigten.

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Standorte auf Herz und Nieren geprüft

Das Energieeffizienz-Programm (EEP) wurde an 25 Siemens-Standorten implementiert. Einer davon ist das Bahntechnik-Werk in Krefeld. Hier informiert im Eingangsbereich ein Green-Building-Monitor über die aktuellen Verbrauchsdaten des Werks.

© Siemens

Das EEP folgt einem standardisierten Verfahren: In Phase 1 wurde an den selektierten Standorten ein so genannter Energy-Health-Check durchgeführt. Dabei wurden in umfangreichen Management-Interviews alle energier­elevanten betrieblichen Ablauf- und Management-Prozesse sowie die organisatorischen Strukturen des jeweiligen Unternehmens systematisch analysiert. Ziel der Interviews war ein Bench­marking dieser Prozesse und Strukturen gegenüber den einschlägigen Industriestandards, um erfolgversprechende Ansatzpunkte zur nachhaltigen Steigerung der Energieeffizienz zu identifizieren, Einsparpotenziale zu bewerten sowie Handlungsempfehlungen zur Erschließung dieser Potenziale abzuleiten.

An 25 besonders geeigneten, über die ganze Welt verteilten Standorten erfolgten in der zweiten Programmphase Feinanalysen. Bei Standortbesichtigungen wurden die technischen Gebäudestrukturen detailliert analysiert und Einsparmöglichkeiten aufgezeigt. Auf Basis dieser systematischen Be­urteilung ließ sich jeweils ein umfassendes, maßgeschneidertes Paket von Verbesserungsmaßnahmen zur Umsetzung des Einsparpotenzials zusammenstellen.

In Phase 3 wurden die individuellen Maßnahmen implementiert, deren komplette Umsetzung innerhalb von jeweils sechs bis neun Monaten erfolgte.

Einsparungen werden laufend überprüft

Nur was messbar ist, kann optimiert werden. Energiemonitoring schafft Transparenz, Einsparpotenziale zu identifizieren, und ist die Grundlage für mehr Energieeffizienz.

© Siemens

Die Standorte sind über ein Messsystem auf ein zentrales System zur durchgehenden Überwachung aufgeschaltet. Die Auswertung und der Vergleich der zentralen Messwerte ermöglicht die Abbildung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses, der weitere Einsparpotenziale aufzeigt. Die Standorte können so weitere Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz einleiten.

Das System ist darüber hinaus langfristig ein wesentlicher Baustein des Energiemanagements an den einzelnen Standorten. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass das erreichte Energieeffizienz-Niveau erhalten bleibt und weiter steigen kann.

Das Resultat der Optimierung der ersten Standorte ist markant. Bei Investitionen von rund 25 Mio. Euro werden jährlich 5,5 Mio. Euro an Energiekosten eingespart und gleichzeitig 18.000 Tonnen CO2 weniger emittiert. Gleichzeitig erhöht sich zudem die Arbeitsqualität an den Standorten, da sich die Güte der Arbeitsumgebung (Temperatur, Belüftung, Feuchtigkeit, Beleuchtung) deutlich verbessert.

Auch den Zulieferern kommt beim Thema Energieeffizienz eine große Bedeutung zu. Man bedenke: Ein Unternehmen wie Siemens kauft Produkte und Dienstleistungen im Wert von nahezu der Hälfte des Konzernumsatzes in mehr als 170 Ländern ein. Um weitere Einsparpotenziale zu erschließen, wird das interne EEP folglich nach und nach auf die Zulieferer ausgeweitet. Das EEP für Lieferanten (EEP4S) soll diesen helfen, ihre Werke gleichermaßen zu analysieren und Potenziale zu erkennen, um Energie und Ressourcen einzusparen.

Zug für Zug Energie gespart

Eines der Siemens-Werke, die in das EEP involviert waren, ist das Bahntechnik-Werk in Krefeld-Uerdingen – ein Kompetenzzentrum der Bahnindustrie für Regional- und Hochgeschwindigkeitszüge. Jährlich verlassen mehr als 450 Wagenkästen das Werksgelände. Rund 2200 Mitarbeiter entwickeln und produzieren dort Schienenfahrzeuge und elektrische Komponenten.

Für dieses energie-intensive Werk mündete die Feinanalyse im Rahmen des Energieeffizienz-Programms EEP in einem Paket mit sieben Maßnahmen: Im Bereich Wärmetechnik bestand die wesentlichste Effizienzmaßnahme im Aufbau eines gasbetriebenen Blockheizkraftwerks zur Wärme- und Stromerzeugung. Darüber hinaus wurde die Hydraulik in der Wärmeverteilung optimiert und eine Deckenstrahlheizung eingebaut. Die Erneuerung der kompletten Lüftungszentrale in den Hallen der Rohbaufertigung von Schienenfahrzeugen erfolgte im Zuge der Optimierung der Lüftungstechnik.

Im Bereich der Mess- und Regel­ungstechnik ist die Gebäudeleittechnik aufgebaut beziehungsweise erweitert worden. Dazu wurden sowohl die beschriebenen Maßnahmen als auch die bestehenden Automationsstationen auf ein neues, gemeinsames Managementsystem aufgeschaltet. Die Installation eines Energie-Überwachungssystems ermöglicht die Einsicht in die Anlagenverbräuche und die optimale Einregulierung der Anlagen bei der Inbetriebsetzung. Zusätzlich erfolgte die Einrichtung einer Überwachungsplattform: Das neue Energy-Monitoring- und Controlling-System gewährleistet durch kontinuierliche Aufzeichnung und Auswertung von Energieverbräuchen Einsicht in weitere Einsparpotenziale sowie die Erfolgskontrolle der Optimierungsmaßnahmen.

Bei Investitionen in Höhe von rund 4 Mio. Euro führte die Umsetzung der EEP-Maßnahmen am Standort Krefeld zu Betriebskosteneinsparungen von 15 % oder jährlich gut 670 000 Euro sowie zur Reduzierung der CO2-Emissionen um 20 %. Wolfgang Baltscheit, Location Manager in Krefeld, bilanziert: „Zu den größten Erfolgen dieses Projekts gehört die vertraglich garantierte Einsparung der Energiekosten und die damit verbundene hohe CO2-Reduzierung für den Standort Krefeld.“

Autor: Peter Marburger ist Mitarbeiter der Siemens-Division Building Technologies.

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