Nachgehakt bei Dr. Claudia Schöler
Effizienz per Regulierung?
Seit 1. September gilt – ausgelöst durch die Ökodesign-Richtlinie der EU – ein Verbot für die klassische Glühlampe. Droht bald auch dem Maschinenbau eine Regulierung in puncto Energieeffizienz? Computer&AUTOMATION sprach hierüber mit Dr. Claudia Schöler, Referentin für europäische Technik-, Umwelt- und Energiepolitik im European Office des VDMA in Brüssel.
Frau Dr. Schöler, warum bereitet die Ökodesign-Richtlinie den Maschinenbauern seit geraumer Zeit Kopfzerbrechen. Ein Verkaufsverbot wie bei der Glühlampe ist doch wohl nicht zu erwarten?
Die Ökodesign-Richtlinie will durch Vorgaben zum Design die Umweltauswirkungen von Produkten über den gesamten Lebenszyklus vermindern. Es geht also nicht nur um den Energieverbrauch, sondern um die Regelung sämtlicher Umwelteigenschaften. Mit anderen Worten: Es wird nicht mehr lange dauern, und wir werden über die Ökodesign-Richtlinie auch Vorgaben zur Ressourceneffizienz, zum Beispiel zur Recycelbarkeit, bekommen. Zunächst hat die EU-Kommission vor allem Haushaltsgeräte wie die Glühlampe oder Fernseher in den Fokus genommen, inzwischen ist sie aber im Maschinenbau angekommen. Verordnungen zu Elektromotoren, Pumpen und Ventilatoren haben wir schon; komplexe Investitionsgüter wie Werkzeugmaschinen und Industrieöfen werden derzeit bearbeitet.
Um zu ermitteln, was letztendlich auf die Branche zukommt, starteten zwei Fraunhofer-Institute im Jahr 2010 eine Studie. Deren Ergebnisse beziehungsweise Empfehlungen sollen der EU-Kommission letztendlich als Entscheidungsgrundlage dafür dienen, ob die Ökodesign-Richtlinie für Werkzeugmaschinen gelten soll. Was ist diesbezüglich Stand der Dinge?
Die beiden von der EU-Kommission mit der Durchführung der so genannten Vorbereitungsstudie beauftragten Fraunhofer-Institute*) haben den Abschlussbericht im August dieses Jahres vorgelegt. Sie kommen zu dem Schluss, dass eine Ökodesign-Verordnung für Werkzeugmaschinen grundsätzlich möglich ist. Für weniger komplexe Maschinen können ihrer Ansicht nach spezifische Anforderungen an das Produktdesign gestellt werden. Spezifische Anforderungen sind zum Beispiel Grenzwerte oder Wirkungsgrade. Für komplexere Maschinen schlägt Fraunhofer den verpflichtenden Gebrauch von Design-Checklisten vor. Auch Anforderungen zum ‚Power Management‘ und ein 'Carbon-Footprint-Label' werden ins Spiel gebracht.
Was bedeutet dies nun für das weitere Vorgehen?
Die EU-Kommission entscheidet auf Basis des Fraunhofer-Abschlussberichts über das weitere Vor-gehen. Sie kann jetzt eine Verordnung vorbereiten oder eine Selbstverpflichtungsmaßnahme der Industrie akzeptieren. Die Ökodesign-Richtlinie sieht das als Alternative zu einer gesetzlichen Regelung vor und auch die Fraunhofer-Studie schreibt einer Selbstverpflichtung der Branche größere Effekte zu als einer Verordnung der EU-Kommission.
Selbstverpflichtung ist immer ein heikles Thema – insbesondere wenn die Interessen vieler aufeinander treffen. Wie realistisch ist es, dass sich die Werkzeugmaschinen-Branche auf eine Selbstverpflichtung verständigt?
Die EU-Kommission hat bereits verlauten lassen, dass sie die Branche als für zu wichtig erachtet, um sie ohne eine Regelung oder Initiative 'davonkommen' zu lassen. Allerdings sind die Hürden für eine Selbstregulierung hoch. Die Ökodesign-Richtlinie macht konkrete Vorgaben, was die Industrie zu erfüllen hat. Die Branche muss nun entscheiden, ob sie das will.
Ist eine einfache Input-Output-Berechnung des Energieverbrauches – insbesondere bei komplexen Maschinen- und Anlagen – überhaupt machbar?
Der VDMA weist schon lange darauf hin, dass bei der Umsetzung der Ökodesign-Richtlinie Augenmaß erforderlich ist. Ein Investitionsgut ist anders zu beurteilen als ein Verbraucherprodukt mit standardisierten Einsatzzwecken. Kurz: Eine Werkzeugmaschine ist keine Kaffeemaschine. Auf der anderen Seite ist das Schwert der Ökodesign-Richtlinie scharf – Produkte, die die Anforderungen nicht erfüllen, dürfen in der EU nicht mehr auf den Markt gebracht werden. Der Weg von der Ökodesignvorgabe zur Designlenkung und Innovationshemmung ist also nicht weit.
Neben den Werkzeugmaschinen gibt es weitere Energie-intensive Maschinenbau-Branchen wie zum Beispiel Baumaschinen oder die Logistik und Fördertechnik – wie sieht es hier in puncto Ökodesign-Richtlinie aus?
Dr. Schöler: Diese Produktgruppen waren in der Tat letztes Jahr in der Diskussion für das Arbeitsprogramm der EU-Kommission für 'Ökodesign 2012-2014'. Die Kommission hat sie allerdings wieder von der 'Kandidatenliste' genommen, weil sie in anderen energieverbrauchsrelevanten Produkten wie Fenstern, Kompressoren, Kabeln und Pumpen derzeit mehr Einsparpotenzial sieht und diese Produktgruppen zuerst in Angriff nehmen will. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Maschinenbauprodukte im nächsten 'Arbeitsplan 2015-2017' auftauchen – da werden die Karten neu gemischt.
*) Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration – IZM und
Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik – IPK










