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Artikel und Hintergründe zum Thema

Messtechnik / Sensorik

Stefan Kuppinger,

Führungswechsel bei Micro-Epsilon

Nach 35 Jahren an der Unternehmensspitze gibt Karl Wisspeintner die operativen Geschäfte ab und wechselt in die Holding von Micro-Epsilon, die mit rund 500 Mitarbeitern über 100 Mio. Euro Umsatz mit High-End-Sensorik und Spezialmesstechnik erwirtschaftet.

Schlüsselübergabe: Karl Wisspeintner (Mitte) wechselt nach 35 Jahren von der operativen Geschäftsführung in die Holding von Micro-Epsilon und überträgt die Verantwortung für Produktion und Entwicklung auf Prof. Dr. Martin Sellen (links). Den Bereich Finanzen übernimmt sein langjähriger Partner in der Geschäftsführung Johann Salzberger (Marketing & Vertrieb).

© Micro-Epsilon

Wirksam ist der Wechsel in der Geschäftsleitung von Micro-Epsilon Messtechnik schon seit Mitte Januar. Ende März erfolgte nun die offizielle Stabübergabe durch den geschäftsführenden Gesellschafter Karl Wisspeintner an an Prof. Dr.-Ing. Martin Sellen. Sellen, der seit annähernd zwei Jahren als Assistent der Geschäftsleitung kontinuierlich Aufgaben übernommen hat, verantwortet die Bereiche Produktion und Entwicklung. Zuvor leitete er 16 Jahre die Entwicklung bei Micro-Epsilon und war maßgeblich am Aufbau der heutigen Struktur des Unternehmens beteiligt. Johann Salzberger, der kurz nach Wisspeintner im Jahr 1976 zu Micro-Epsilon stieß, kümmert sich als bisheriger zweiter Geschäftsführer neben Marketing & Vertrieb zusätzlich um die finanziellen Aspekte des Unternehmens.

Wisspeintner will sich künftig verstärkt um „private Projekte“ kümmern. Daneben steht der Ausbau der Firmen-Holding zu einer service-orientierten Organisation für die inzwischen rund 20 einzelnen Unternehmen und Produktionsstandorte an. In der Zentrale in Ortenburg sind Entwicklung, Vertrieb sowie die Fertigung von Klein-Serien und kundenspezifischen Lösungen konzentriert. Bei größeren Stückzahlen, die durchaus auch mehrere 100000 Sensoren betragen können, wird der Auftrag auf eine der Tochterunternehmen verlagert. Das erste echte Serien-Low-cost-Produkt von Micro-Epsilon nutzt die Firma Miele in Waschmaschinen: Magneto-induktive Wegsensoren, die parallel zu den Schwingungsdämpfern der Waschtrommel montiert sind, erfassen sowohl den Beladungszustand als auch die Unwucht beim Schleudern. Bei diesem Auftrag wurden erstmals mehrere 100 000 Stück eines Sensor verkauft.

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Automatisierte Lackprüfung erreicht Serienreife

Das robotergeführte Lackprüfsystem "reflectControl" identifiziert auf stark glänzenden Oberflächen wie Autokarosserien selbst kleinste Fehler, die anschließend zur Nacharbeit gekennzeichnet werden.

© Micro-Epsilon

Die Regel sind jedoch Lösungen für spezifische Probleme, die viel Know-how in der Entwicklung und späteren Umsetzung verlangen. „Wir haben nie einfache Sachen gemacht“, betont Wisspeintner. Beleg dafür ist beispielsweise das robotergeführte Inspektionssystem für spiegelnde Oberflächen, das nach mehrjähriger Entwicklungszeit nun als „reflectControl“ auf der Hannover Messe Premiere als Serienprodukt feiert. In Kooperation mit BMW und dem Institut für Softwaresysteme der Universität Passau entwickelt, vereinfacht das optische 3D-Messverfahren die industrielle Qualitätskontrolle spiegelnder Oberflächen. Ein wesentlicher Vorteil ist die exakte dreidimensionale Erfassung von Lackfehlern, das heißt: Neben der Position auf dem Fahrzeug und der lateralen Ausdehnung eines Defekts wird auch die die Höhe oder Tiefe des jeweiligen Merkmals mit einer Auflösung im einstelligen µm-Bereich erfasst. „Nach mehrjähriger Entwicklungszeit ist das System mittlerweile in mehreren Lackierstraßen zur Endkontrolle im Einsatz,“ erklärt Johann Salzberger. Bis zu vier dieser Messsysteme sind an Robotern appliziert und kontrollieren alle Karosserien. Während der rund 50 Sekunden langen Messung müssen rund 8 GByte Daten nach 30 Objektklassen und Fehlern ausgewertet werden. Die ersten Einsätze zeigen, dass dieses softwareintensive Inspektionsverfahren deutlich mehr Lackfehler an den Karosserien erkennt als die geschulten Augen der Facharbeiter. In einem weiteren Entwicklungsschritt wird inzwischen die Kennzeichnung der Fehlstellen auf der Karosse realisiert. „Fernziel der Automobilhersteller ist es, einfache Nacharbeiten vollständig zu automatisieren“, so Salzberger.

Die Kunst, Farbe exakt und schnell zu messen

Um Farbe als Qualitätskriterium exakt erfassen zu können, hat Micro-Epsilon das Spektralverfahren in ein industrietaugliches Format gepackt.

© Micro-Epsilon

Vom Tochterunternehmen Eltrotec stammen die Grundlagen für das Online-Farbmesssystem ACS 7000. Dessen Messprinzip beruht auf dem Spektralverfahren, bei dem das Messobjekt mit weißem Licht bestrahlt wird. Anschließend vergleicht die Elektronik das Spektrum des reflektierten Lichts der Probe mit einer Weißreferenz und berechnet daraus die Farbkoordinaten für Wellenlängen von 390 bis 780 nm. Das Spektralverfahren ist mit einer Farbwertauflösung von über ΔE 0,01 bei einer spektralen Auflösung von 5 nm die genaueste Messmethode. Unterstützt werden drei Betriebsarten: Farbabstand ΔE zu maximal 15 per Teach-in eingelernten Referenzwerten, Reflektivitätsspektrum sowie Farbmessungen inklusive Trendanalysen für Einzelfarben. In allen Modi sind Taktraten bis 2 kHz möglich. Die Messergebnisse stehen über Ethernet/Ethercat, RS422, USB und über Digital I/Os zur Verfügung. Die Bedienung und Anzeige der Messwerte erfolgt über Web-Browser.

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