Karriere

Jo Kern,

Facereading als Erfolgsfaktor?

Warum können manche Menschen mühelos eine Verbindung zu anderen aufbauen, während andere auf Widerstand stoßen? Warum fällt Kommunikation dem einen leicht und dem anderen so viel schwerer? Ein Schlüssel liegt in der Fähigkeit, Menschen richtig zu lesen – Stichwort: Facereading. Die Autorin zeigt in diesem Artikel, warum Facereading ein Vorteil im Berufsleben sein kann.

© stock.adobe.com/Roman

Alle Menschen „physiognomieren“ intuitiv – das bedeutet, sie ziehen aufgrund äußerer Merkmale unbewusst Rückschlüsse auf das Innere eines Menschen. Doch was, wenn sich das Bauchgefühl absichern und diese Fähigkeit gezielt einsetzen ließe? Denn jedes Gesicht ist einzigartig und erzählt seine eigene Geschichte.

Das Kinn verrät die Impulsivität im Augenblick: Ist es breit und markant, deutet das auf eine durchsetzungsstarke, dynamische Person hin. Die Nasenform gibt Aufschlüsse über die Willenskraft und das Dominanzverhalten: Ist sie groß und präsent, haben wir es meist mit einem entschlossenen Entscheider zu tun. Die Stirnform gibt Hinweise auf Denkstrukturen: Eine hohe Stirn steht beispielsweise für analytische Fähigkeiten, aber auch für (zu) viel Grübeln.

Gesichter lesen - der Turbo für die Menschenkenntnis

Ob im Team-Meeting oder bei Vertragsverhandlungen – wer Facereading beherrscht, versteht schneller, wie sein Gegenüber ‚tickt’. Das ermöglicht eine gezieltere Kommunikation - es wird erkennbar, ob der Gesprächspartner eher rational oder emotional gesteuert ist und wie er besten ‚abgeholt’ werden kann. So baut sich Vertrauen schneller auf und kann zu erfolgreicheren Verhandlungen führen. Ein erfolgreiches Unternehmen basiert auf starken Teams. Doch jeder Mensch bringt unterschiedliche Eigenschaften und Arbeitsstile mit. Als Führungskraft oder Teamleiter ist es ein unbezahlbarer Vorteil, zu wissen wer sich wie motivieren lässt.

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Der Analytiker im Team (hohe Stirn, schmales Gesicht, tiefliegende Augen und eher schmale Lippen) braucht klare Strukturen und Logik. Der kreative Freigeist (hohe, gern gerundete Augenbrauen, lebendige, oft große Augen, volle Lippen) dagegen lässt sich von Emotionen leiten und braucht Raum für Ideen. Der pragmatische Macher (breite Kinn-Kieferpartie, markante Nase, prägnante Jochbeine) ist ungeduldig, lösungsorientiert und will sofort in die Umsetzung gehen.

Durch diese Erkenntnisse können sowohl die Zufriedenheit im Team als auch die Produktivität gesteigert werden. Denn Menschen arbeiten am besten, wenn sie in ihren natürlichen Stärken gefördert und eingesetzt werden.

Authentische Kundenbindung durch Facereading

Der Kunde ist König – doch nicht jeder Kunde will gleich behandelt werden. Während einige Wert auf eine detaillierte Erklärung legen, bevorzugen andere schnelle, direkte Lösungen. Mit Facereading lässt sich darauf eingehen und so eine Beratung bieten, die sich maßgeschneidert anfühlt.

  • Ein offenes, rundes Gesicht, volle Bäckchen und weiche Lippen? Der Kunde schätzt eine freundliche, persönliche Ansprache.
  • Ein markantes, eckiges Gesicht? Hier sind Fakten, Schnelligkeit und effiziente Lösungen gefragt.
  • Ein feines, schmales Gesicht, feine Augenbrauen und zurückliegende Augen? Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt – keine übertriebene Begeisterung, sondern ruhige, professionelle Beratung.

Krisensituationen erkennen und entschärfen

Missverständnisse und Konflikte entstehen oft, weil Menschen aneinander vorbeireden. Facereading hilft dabei, Probleme zu erkennen, bevor sie eskalieren – nicht nur durch Mimik, sondern vor allem durch die grundlegende Struktur des Gesichts. Denn die Gesichtsform und ihre Merkmale geben Aufschluss über die natürlichen Bedürfnisse eines Menschen.

Ein Beispiel: Ein Kollege hat ein ausgeprägtes Bewegungsnaturell, was sich durch ein markantes, eckiges Gesicht, eine kraftvolle Kieferpartie, ein breites Kinn und gern auch eine große Nase zeigt. Dieser Typ Mensch braucht Dynamik, Handlungsspielraum und Abwechslung. Muss er zu viel sitzen oder sich mit monotoner Büroarbeit beschäftigen, ohne seinen Drang nach Bewegung ausleben zu können, wird sich das elementar auf sein Wohlbefinden auswirken. Die Folge: Gereiztheit, innere Unruhe und letztlich eine sinkende Leistungsfähigkeit. Wer diese Anzeichen erkennt, kann rechtzeitig für mehr Aktivität im Arbeitsalltag sorgen – sei es durch bewegte Meetings, mehr Entscheidungsfreiheit oder flexibel gestaltete Aufgaben. Bei diesen eher kantig wirkenden Gesichtern, die für eine willensstarke und durchsetzungsfähige Person stehen, könnte eine direkte Konfrontation den Widerstand nur verstärken. Hier ist es klüger, ihnen zunächst Raum zu geben ihrem Ärger Luft zu machen und auf die tatsächlichen Bedürfnisse einzugehen.

Anders verhält es sich mit einem Kollegen, der ein stark ausgeprägtes Empfindungsnaturell hat, was an feinen Gesichtszügen, sensiblen Augenpartien und einer schmalen, zarten Gesichtsstruktur zu erkennen ist. Solche Menschen brauchen Rückzugsmöglichkeiten und ruhige, ungestörte Arbeitsumfelder, um produktiv zu sein. Befinden sie sich jedoch dauerhaft in einem hektischen Großraumbüro mit viel Lärm, schnellen Wechseln und ständiger Unterbrechung, sind sie nicht mehr in der Lage, ihre kreativen oder analytischen Fähigkeiten zu entfalten. Auch hier gilt: Wer das frühzeitig erkennt, kann durch gezielte Maßnahmen wie Lärmschutz, Homeoffice-Tage oder klar strukturierte Arbeitsabläufe für mehr Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit sorgen.

Die Autorin Jo Kern hat viele Jahrzehnte lang die Wissenschaft der Psychophysiognomie studiert und die wichtigsten Elemente durch eigene Forschungen ergänzt. In ihren Trainings hat sie aus den verschiedensten Richtungen eine klar umsetzbare Methode entwickelt, so dass es für die beruflichen und privaten Fragestellungen der Menschen des 21. Jahrhunderts einfach verständlich und praktisch nutz- und einsetzbar ist. © Christian Kaufmann

Facereading ermöglicht es langfristige Bedürfnisse und deren Erfüllung oder Vernachlässigung zu erkennen. Wer seine Mitarbeiter und Kollegen in ihrem natürlichen Arbeitsstil unterstützt, sorgt nicht nur für weniger Missverständnisse – sondern für mehr Effizienz, Zufriedenheit und Motivation im Team und für eine langfristige und vertrauensvolle Kundenkommunikation.

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