Arbeitsmarkt und Infrastruktur
Ingenieurmangel gefährdet Infrastrukturprojekte weltweit
Weltweit finden 73 % der Arbeitgeber laut einer Studie nicht genügend qualifizierte Ingenieurinnen und Ingenieure. Besonders betroffen sind Infrastruktur-, Energie- und Halbleiterprojekte. In Europa verschärfen demografische Entwicklungen die Situation zusätzlich.
Der Fachkräftemangel bei Ingenieurinnen und Ingenieuren entwickelt sich laut dem Report „Global Engineering World of Work Outlook“ von Manpower Deutschland zu einem strukturellen Problem. Demnach haben 73 % der Arbeitgeber Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Ursachen seien unter anderem der demografische Wandel, fehlender Nachwuchs und der steigende Bedarf in Bereichen wie Infrastruktur, Energieversorgung und Halbleiterindustrie.
Besonders gesucht werden laut Report Bauingenieurinnen und Bauingenieure für Planung, Bau und Instandhaltung öffentlicher Infrastruktur. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Elektroingenieurinnen und Elektroingenieuren, etwa für Stromnetze, Elektrifizierungsprojekte und den Betrieb von Rechenzentren. Auch die Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungsindustrie in Europa steht vor personellen Herausforderungen, da viele erfahrene Fachkräfte in den kommenden fünf bis zehn Jahren in den Ruhestand gehen.
„Wir reden bei Ingenieurberufen nicht über irgendeinen Engpass, sondern über das Nadelöhr für praktisch alle Zukunftsprojekte“, sagt Faris Bećirović, Country Manager und Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland.
Der Report verweist zudem auf den bevorstehenden Wissensverlust durch den Generationenwechsel. 90 % der Arbeitgeber sehen den Ruhestand erfahrener Ingenieurinnen und Ingenieure als strategische Herausforderung für ihre Personalplanung. Gleichzeitig bleibt der Frauenanteil in MINT-Berufen mit rund 28 % vergleichsweise niedrig.
Der Investitionsbedarf in die Infrastruktur gilt als zusätzlicher Treiber des Fachkräftemangels. Bis 2040 müssen europäische Staaten laut Report rund 12 Billionen Euro in Ausbau und Modernisierung kritischer Infrastruktur investieren. Weltweit seien in den kommenden zehn Jahren jährliche Investitionen von rund vier Billionen US-Dollar notwendig, um Verkehrs-, Energie- und digitale Infrastruktur auszubauen.
Auch die steigende Stromnachfrage erhöht den Bedarf an Fachkräften. Nach Angaben des Reports soll die globale Stromnachfrage bis Ende des Jahrzehnts jährlich um mehr als 3,5 % wachsen. Der Stromverbrauch von Rechenzentren könnte sich bis 2030 verdoppeln, insbesondere in Europa und den USA.
In der Halbleiterindustrie rechnen die Autoren ebenfalls mit einem deutlichen Personalbedarf. Der globale Markt soll von 627 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 1,3 Billionen US-Dollar im Jahr 2030 wachsen. Dafür würden weltweit rund eine Million zusätzliche Fachkräfte benötigt, darunter mehr als 100.000 Ingenieurinnen und Ingenieure in Europa.
Der Report empfiehlt Unternehmen unter anderem eine stärkere Ausrichtung auf kompetenzbasiertes Recruiting, mehr Weiterbildungsangebote sowie Programme zum Wissenstransfer zwischen erfahrenen und jüngeren Beschäftigten. Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz sehen Unternehmen zwar Potenziale, etwa bei Problemlösung und Weiterbildung. Gleichzeitig äußerten 76 % der befragten Ingenieurinnen, Ingenieure und Architektinnen sowie Architekten die Sorge, dass eine zu starke Abhängigkeit von KI zum Verlust wichtiger Fähigkeiten führen könnte.










