Kooperation
Von der Komponente bis zum Service
Seit 2001 arbeiten Advantech und Inonet zusammen – seit diesem Jahr in einer sogenannten DTOS-Partnerschaft auch im Servicebereich. Was dahinter steckt, erläutern Jash Bansidhar, Europe Sales Head bei Advantech, und Doris Krücker, DTOS-Managerin bei Inonet.
Jash Bansidhar: "Die DTOS-Partnerschaft von Advantech und Inonet ermöglicht schnelle, kosteneffektive und individuelle Systemanpassungen ab geringen Stückzahlen."
© InonetWas steckt hinter der DTOS-Partnerschaft?
Bansidhar: DTOS steht für ‚Design To Order Services‘. Das beinhaltet zwei Konzepte, die für den Anwender Flexibilität und Planungssicherheit bieten. Einerseits kundenspezifische Anpassungen des Systems und andererseits maßgeschneiderten Service nach Wunsch.
Individuelle Systemanpassungen sind unter anderem Gehäuse und elektronische Modifikationen, Beschrif-tungen, Platzierung von Logos sowie Schnittstellen und die Umsetzung der vom Kunden gewünschten System- und Software-Einstellungen. Des Weiteren können geforderte Services, wie beispielsweise das Aufsetzen von speziellen Testumgebungen, die Abwicklung von Zertifizierungen oder die Langzeitverfügbarkeit von Komponenten und Systemen abgedeckt werden.
Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Bansidhar: Inonet ist bereits seit 2001 zertifizierter Channel-Partner und jetzt seit diesem Jahr DTOS-Partner von Advantech. Beide Unternehmen bringen ihre Kernkompetenzen in die langfristig angelegte Kooperation ein. Advantech verfügt als Weltmarktführer für Industrie-PCs über ein breites Produktportfolio und hohe Innovationskraft. Inonet hingegen verfügt über eine Entwicklungsabteilung mit fachlicher Expertise, schnellem Prototypenzugriff und eine Fertigung, die Flexibilität aber auch hohe Kapazitäten unterstützt.
Die Anwender profitieren von dieser Symbiose aus breiter Standardprodukt-palette und der konzeptionellen Anpassung. Somit können spezifische Systeme schon ab geringen Stückzahlen schneller und kosteneffektiv gefertigt werden.
Doris Krücker: "Die spezifischen Lösungen stellen immer die Aufgabenstellung in den Mittelpunkt."
© InonetWie unterscheidet sich DTOS von Advantechs Standard-Konfigurator?
Bansidhar: Die Konfiguration und Assemblierung von Industrie-PCs basierend auf Standard-Komponenten – beispielsweise CPU, Arbeitsspeicher, Speicherkapazität, Betriebssystem oder Burn-in Tests – bietet Advantech als standardisierten Prozess unter dem Namen BTOS ‚Build To Order Services‘ im Online-Konfigurator eStore an. Die Assemblierung und Tests der konfigurierten Systeme erfolgt anschließend im europäischen Advantech Service Center in Eindhoven, Niederlande.
Krücker: DTOS fängt dort an, wo der Advantech-Konfigurator aufhört. Beispielsweise benötigt ein Anwender ein System mit insgesamt 20 TByte Speicherkapazität, doch die abstrahlende Hitze der Festplatten kann durch standardisierte Kühlsysteme nicht reguliert werden. Die Entwicklung eines neuen Kühlsystems ist in diesem Fall ein ‚Design To Order Service‘.
Neben der technologischen Machbarkeit gewinnt der Service einen immer größeren Wert. Beispielsweise ist besonders die Verfügbarkeit von Systemen und Ersatzteilen weit über die Produktzyklen hinaus ein zunehmend wichtiger Faktor. Industrien, wie etwa der Schienen- oder Flugverkehr, fordern häufig Systeme mit Lebenszyklen von bis zu 20 Jahren. Eine Verfügbarkeit der IT-Komponenten von üblicherweise maximal sieben Jahren erfüllt bei Weitem nicht solche Anforderungen. Auch hier unterstützt die Umsetzung des individuellen Serviceangebotes im Bereich Logistik den DTOS-Wunsch des Anwenders.
Wie erreichen Sie das?
Krücker: Bei der Lagerung elektronischer Bauteile und Baugruppen über einen längeren Zeitraum und unter normalen Bedingungen treten bereits in den ersten zwei Jahren in etwa 70 bis 80 % Alterungsprozesse in Form von erheblichen Materialveränderungen ein. Korrosion, Oxidation und Diffusion sind übliche Erscheinungen, die durch permanente Kontrolle des Luftdrucks, Feuchtigkeit und Temperatur im Lager vermieden werden können.
Neben der Einlagerung sehr neuer Bauteile, die noch keinem Alterungsprozess ausgesetzt waren, sichert den elektronischen Baugruppen eine spezielle Konservierung ihre Funktionstüchtigkeit auch über Jahrzehnte hinaus. Eine Begasung mit Stickstoff oder vergleichbaren Gasgemischen verhindert den Materialalterungsprozess. Außerdem garantiert eine Funktionskontrolle vor der Einlagerung, dass nur einwandfreie Komponenten eingelagert werden.
Kondensatoren sind sehr kritische Bauteile, die bei Langzeitlagerungen schnell ihre Funktionalität verlieren. Neben der speziellen Begasung verhindert eine mehrmals im Jahr durchgeführte Bestromung einen Isolationsdurchschlag und ein Verbrennen der Aluminiumschicht, die bei Inbetriebnahme nach mehreren Jahren Lagerung eintreten können. Die regelmäßige Bestromung unterstützt die Regeneration der Oxidschicht und somit die Betriebsbereitschaft der Kondensatoren.
Das Ziel beim strategischen Obsoleszenz-Management ist Ausfall- und Versorgungsrisiken frühzeitig zu erkennen, Handlungsbedarfe zu planen und Versorgungslücken zu schließen. Durch sichergestellte Langzeitverfügbarkeiten elektronischer Bauteile mit der geforderten Qualität verlieren Abkündigungen ihre Brisanz.
Was hat es mit dem Design Center von Inonet auf sich?
Krücker: Kundenspezifische Produkte benötigen im Vorfeld der Entwicklung eine präzise Erfassung der Anforderungen. Inonet bietet mit dem eigenen Design Center in Taufkirchen bei München eine Plattform zur intensiven Analyse. Aufgrund des Erfahrungsschatzes im Bereich der kundenspezifischen Entwicklungen und der pragmatischen Ausprägung des Unternehmens gelingt es uns hier, die Entwicklungen mit hoher Professionalität bei gleichzeitig kurzen Zyklen durchzuführen – von zusätzlichen Schnittstellen über mechanische Anpassungen und spezielle Gehäuseformen bis hin zum komplett neuen Computersystem. Wir realisieren dort aber etwa auch alle er-forderlichen Zulassungen.











