Embedded Boards / Industrie-PC

Manne Kreuzer, Markt&Technik | Stefan Kuppinger,

Kontron plant ARM-Initiative

Branchenprimus Kontron nimmt aktuell die ARM-Architektur unter die Lupe und plant eigene Produktserien.

Matthias Huber, Kontron: "Wir wollen den proprietären Markt für ARM-Baugruppen mit Standard-off-the-Shelf-Produkten öffnen."

© Kontron

"Wir bewerten momentan die Technologien verschiedener Hersteller; die Selektion läuft noch", berichtet Matthias Huber, Kontrons Director Product Management in Nordamerika und nennt die Zielsetzung: "Wir wollen den noch proprietären Markt öffnen, um den Anwendern die Auswahl zu vergrößern und eine niedrigere Total-Cost-of-Ownership sowie ein besseres Time-to-Market zu bieten."

Ein starkes Argument für ARM ist dabei die Leistungsaufnahme der System-on-Chips von teilweise deutlich unter 1 W. "Damit vereinfacht sich der Kühlaufwand deutlich und die Systeme werden günstiger", erklärt Huber. "Neben lüfterlosen Geräten lassen sich so auch komplett geschlossene Geräte einfacher entwickeln - das hilft, ganz neue Marktbereiche zu adressieren." Weitere Anreize für Kontron, sich mit der ARM-Architektur zu beschäftigen, sind auch die Lebenszyklen von sieben oder mehr Jahren sowie erweiterte Temperaturbereiche, die mittlerweile bei ARM-Chips weit verbreitet sind. Bei den Betriebssystemen ist für Kontron, neben den klassischen Echtzeitbetriebssystemen wie QNX oder VxWorks, auch Windows CE 6/7 von Bedeutung. "Bei Windows 8 muss man noch abwarten, wie es sich entwickelt", erläutert Huber, "da ist noch vieles im Fluss."

Bei den Kosten spielt für Kontron der reine Preisvergleich zwischen ARM- und x86-Bausteinen nicht die entscheidende Rolle. Wichtiger sei vielmehr die Kostenbetrachtung des Gesamtsystems, die unter anderem auch den geringeren Kühlaufwand berücksichtigt, der sich in günstigerer Mechanik und niedrigerem Montageaufwand ausdrückt. Zudem spielen auch die Kosten für das Betriebssystem keine unbedeutende Rolle. Zurzeit evaluiert Kontron auch gründlich welche Board- und Systemkonzepte sich für ARM eignen. "Durch die abweichenden Schnittstellen muss man jedes Format und jeden Standard prüfen", betont Huber. "Nicht jede Kombination ist auch sinnvoll." Auch werde über neue Standards nachgedacht. Seine ARM-Roadmaps will Kontron noch dieses Jahr vorstellen. "Festgeschrieben ist noch nichts", erklärt Huber, "wir wollen aber den ARM-Markt mit Standard-off-the-Shelf-Produkten öffnen."

Bislang sind im ARM-Modul-Bereich hauptsächlich proprietäre Lösungen zu finden, die das Schnittstellenangebot der Bausteine ausreizen. Vereinzelt gibt es auch firmenspezifische Standards, die auf eine einheitliche, meist reduzierte auswahl an Schnittstellen setzen. Die Brücke zwischen x86 und ARM zu schlagen, wagten bislang nur wenige Standards, darunter Qseven und CoreExpress. Schwergewicht Kontron kann deshalb für einige Bewegung in diesem Marktsegment sorgen.

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