Interview Wolfgang Heinz-Fischer, Leiter Marketing bei der TQ-Group in Seefeld

Stefan Kuppinger,

Computer on Module: Duell der ARM-­Spezifikationen

ARM-Prozessoren werden hinsichtlich Leistung und Schnittstellen den x86-Systemen immer ähnlicher und drängen mit Macht in deren Applikationsfelder. Das ruft COM-Anbieter auf den Plan, Modul-Spezifikationen für ARM zu entwickeln. Wolfgang Heinz-Fischer von TQ Components skizziert die Unterschiede zwischen der Kontron-Initiative und dem Q7-Ansatz.

Wolfgang Heinz-Fischer, Leiter Marketing bei der TQ-Group in Seefeld

© TQ-Group

Warum gibt es erst Jahre nach den x86-basierten COM-Spe­zifikationen erste Standardi­sierungsaktivitäten im Bereich ARM?

Bisher war in der ARM-Welt an Standardisierung nicht zu denken. Dazu sind die angebotenen Prozessoren zu unterschiedlich. Trotz identischer ARM-Cores unterscheiden sich die Designs der Anbieter in der Regel in mehr als 50 % ihrer Schnittstellen und machen damit einen effizienten Modulstandard unmöglich.

Was hat sich denn geändert?

Mit den Cores Cortex-A8 und -A9 hat ARM eine Leistungsklasse erreicht, die in x86-Dimensionen vorstößt. Hinzu kommen die Grafikansteuerung für große Panels und PC-typische Schnittstellen. Damit sind die Unterschiede nicht mehr so groß, so dass sich bei ARM-Prozessoren mit Cortex-A9-Kern nun ein Ansatz zur Standardisierung bietet.

Ein einziger Standard?

Derzeit gibt es zwei Initiativen. Auf der einen Seite die Q7-Gruppe mit den Firmen Congatec und MSC, die mit einer erweiterten Q7-Spezifikation eine direkte Durchgängigkeit und Austauschbarkeit zu x86-Systemen anstrebt. Auf der anderen Seite Firmen wie Kontron und Adlink, die mit einer Low-Power-Embedded-Architecture einen eigenständigen Formfaktor setzen wollen.

Skizzieren Sie bitte kurz die Unterschiede.

Ein entscheidendes Merkmal ist die Boardgröße. Hier baut der Kontron-Ansatz mit 82 × 50 mm2 kleiner als das Q7-Konzept mit 70 × 70 mm2. Für künftige, leistungsstärkere Prozessoren hat Kontron zudem ein größeres Format vorgesehen. Ein zweiter Aspekt ist der Steckverbinder. Das bei Q7 eingesetzte MXM-System hat 230 Pins bei 0,5 mm Pinabstand. Die Kontron-Initiative setzt auf einen MXM-3.0-Stecker mit 314 Pins. Um alle Signale  eines Cortex-A9-Prozessors vorzuhalten, werden aber 360 bis 400 Pins benötigt. Damit ist klar: Beide Ansätze müssen Kompromisse eingehen. Die Kunst besteht darin, die richtigen Signale festzulegen – kommende Schnittstellen eingeschlossen.

Welche Konsequenzen zieht TQ aus den Spezifikations-Aktivitäten?

Wolfgang Heinz-Fischer: Für TQ macht eine Standardisierung ab Cortex-A8/-A9 Sinn, zeigt doch der x86-Markt den Erfolg von COM-Standards. Unsere Philosophie, die ein robustes System fordert, bei dem alle Signale zur Verfügung stehen, ist sicher näher an der Kontron-Initiative. Der Weg zu einem universellen ARM-Modul von TQ, das alle Signale zur Verfügung stellt und auf die Baugröße optimiert entwickelt wird, bleibt aber weiterhin offen. Die endgültige Richtung wird der Markt zeigen.

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