nachgehakt! bei Bernd Hantsche, Rutronik

Vorteil Skalierbarkeit

5. Oktober 2022, 9:34 Uhr | Andrea Gillhuber
Vorteil Skalierbarkeit
© Pixabay/CC0

Edge und Cloud Computing kommen im Industrial IoT eine zentrale Rolle zu. Doch wann sollte welche Technologie eingesetzt werden? Wie lassen sich Synergien von Edge und Cloud am besten Nutzen? Antworten liefert Bernd Hantsche von Rutronik.

Durch das Industrial Internet of Things fallen immer mehr Daten an, die zu bewältigen sind. Es gilt, dieser Datenkomplexität Herr zu werden. Welche Rolle spielt dabei Edge Computing?

Bernd Hantsche: Oftmals ist es wenig zielführend, sämtliche Sensordaten auf große Reise in die Cloud zu schicken. In diesem Sinne spielt Edge Computing eine entscheidende Rolle: Wenn beispielsweise eine lokale Überwachung ausreicht, oder Daten bereits vor Ort zu Informationen weiterverarbeitet werden können. Falls jedoch zur Datenverarbeitung weitere externe Daten benötigt oder eine Schwarmintelligenz aufgebaut werden soll, ist Cloud Computing allemal einen näheren Blick wert. Das heißt, letzten Endes ist es für eine Entscheidung wichtig zu definieren, was wird benötigt und was das Ziel ist.

Wann sollten industrielle Anwender auf Edge, wann auf Cloud Computing setzen?

Hantsche: Ist eine langfristige Skalierung nicht oder nur schwer abzuschätzen und schwankt diese um mehrere Größenordnungen im Hinblick auf Rechenleistung oder Speicherplatz, dann ist Cloud Computing leichter umzusetzen. Hintergrund ist, dass die Ressourcen einfacher angepasst werden können. Pay-per-Use ist hier das Schlagwort und die Skalierung nur einen Mausklick entfernt. Im Gegensatz dazu muss man im Bereich Edge Computing oftmals eine Anschaffung planen, diese finanzieren und man steht selbst in Haftung.

Auch kann eine Cloud sehr attraktiv sein, wenn man auf externe Datenbanken zugreifen, hinsichtlich seiner Software und Bearbeitungstools flexibel bleiben möchte oder einen Datenaustausch mit Dritten vorsieht. Gleiches gilt für Rechenleistung und Speicherplatz: Ein Computer vor Ort unterliegt Maximalwerten. In der Cloud können ‚Computer‘ mit einem Mausklick quasi unendlich schnell werden und unendliche Datenmengen praktisch ausfallsicher speichern.

Was gilt es bei der ‚Verknüpfung‘ von Edge und Cloud Computing zu beachten? Wo liegen die größten Herausforderungen?

Hantsche: Prinzipiell sollte man Daten möglichst noch an der Edge komprimieren, filtern und priorisieren. So wird die Datenmenge und damit der Datenverkehr klein gehalten. Überwachungsvideos können hier als Beispiel dienen: Es ist zu vermeiden, dass ein 4k-UHD-Videostream zum AWS-Server gesendet wird. Stattdessen ist es unter Umständen sinnvoll, dass eine Videoanalyse bereits in der Edge stattfindet und beispielsweise verdächtige Personen oder Handlungen identifiziert werden. Das heißt, nur die so markierten beziehungsweise relevanten Daten werden dann gegebenenfalls in die Cloud übertragen.

Die Herausforderung liegt in der Abwägung der Schnittstelle zwischen Edge und Cloud: Auf der einen Seite werden DSPs, GPUs und Speicherplatz immer besser, schneller, günstiger; auf der anderen Seite werden Internetleitungen immer schneller, günstiger und nicht zuletzt auch reaktionsschneller. Die großen Hyperscaler können zudem innovative Algorithmen sowie Tools schneller kaufen, in ihr Angebot integrieren und somit dem Markt zugänglich machen.

Wie sind in Zusammenhang mit Edge und Cloud Computing Standardisierung und Open Source zu sehen?

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Vorteil Skalierbarkeit
Bernd Hantsche, Vice President Product Marketing Embedded & Wireless bei Rutronik
© Rutronik

Hantsche: Eine Standardisierung ist mittelfristig auf jeden Fall zu begrüßen, denn nur so kann man ein System mit überschaubarem Aufwand und Risiko modular verbessern. Derzeit mangelt es jedoch noch an verbindlichen Standards. Daher ist es aktuell empfehlenswert, sich an gebräuchlichen ,Quasi-Standards‘ zu bedienen, die im Markt als akzeptiert gelten, wie beispielsweise der Message Queuing Telemetry Transport (MQTT) für Telemetrienachrichten.

Die Vorteile von Open Source hinsichtlich Sicherheitsaspekt, Updategeschwindigkeit und Innovationskraft gelten allgemein für Software – also auch für Edge und Cloud. Ebenso werden die finanziellen Interessen von Unternehmen dafür sorgen, dass es manche Lösung nur als proprietäre Software zu kaufen gibt. Immerhin erleichtert dies mögliche Haftungsfragen und meist gibt es einen verbindlichen Support.


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