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Programmieren via Drag & Drop

17. Dezember 2020, 10:51 Uhr   |  Inka Krischke

Programmieren via Drag & Drop
© drag and bot

Ein gewichtiges Argument, das – neben dem Preis – oft gegen die Anschaffung eines Industrieroboters vorgebracht wird, ist der Aufwand für die Programmierung. Was aber, wenn diese per Software so einfach wie die Einrichtung eines Smartphones erfolgen kann?

Vier Millionen Industrieroboter werden bis 2022 laut dem Welt-Roboter-Report 2019 der International Federation of Robotics (IFR) im Einsatz sein. Deutschland ist demzufolge nach China und Japan das Land, das aktuell am meisten Roboter kauft. Auf 10.000 Be­schäftigte kommen 338 Industrieroboter, der Verkauf wurde im letzten Jahr nochmal um 27 % gesteigert. Die Automobilindustrie zählt zu den Branchen, die bereits am weitesten automatisiert sind. Aber auch für andere produzierende Branchen – insbesondere für den Mittelstand – werden Industrieroboter zunehmend interessant. Schließlich verbessert sich das Angebot stetig und die Roboter werden kleiner, flexibler und einfacher zu programmieren.

Insbesondere letzterer Punkt ist wichtig: Denn neben dem Preis spricht häufig der angenommene Aufwand für die Pro­grammierung gegen die Anschaffung eines Industrieroboters. Da dieses Know-how meist nicht Inhouse vorhanden ist, muss auf externe Partner zurückgegriffen wer­den. Kann dieses Argument jedoch entkräftet werden, spricht bei vielen kleinen und mittelständischen Unterneh­men nahezu nichts mehr gegen den Einsatz von Robotern. Ein Beispiel für vereinfachte Programmierung ist die Software ‚drag&bot‘. 

Die Erstellung von Roboterprogrammen läuft momentan nach verschiedenen Verfahren ab – abhängig von Hersteller, geplantem Einsatz und der benötigten Flexibilität des Industrieroboters. Bekannte Verfahren sind unter anderem das Teachen mit einem Teachpendant, das Handführen bei kollaborativen Robotern oder die Programmerstellung in einer CAD-basier­ten Simulationsumgebung. Insbesondere die letztere Variante ist sehr aufwendig und setzt fundierte Kenntnisse in der Programmiersprache des Roboterher­stellers voraus. Ergo sind die Pro­grammierung und Funktionserwei­terungen zeit- und kostenintensiv, was den flexiblen Einsatz von Robotern verhindert.

So einfach wie die Einrichtung eines Smartphones

An dieser Stelle kommt die Firma drag and bot mit ihrer gleichnamigen Software ins Spiel. Das Unternehmen ist ein Spin-off des Fraunhofer IPA in Stuttgart, das sich zum Ziel gesetzt hat, Produktionsmitarbeiter ohne Robotik-Know-how in die Lage zu versetzen, Industrieroboter per Drag&Drop zu programmieren. Damit auch ungeschultes Personal schnell und intuitiv neue Funktionsabläufe erstellen kann, wird es von verschiedenen Bedien- und Eingabe­hilfen, sogenannten Wizards, unterstützt.

Damit ist die einfache Parametrisierung der Programmsequenzen möglich. Die Programmbausteine, sogenannte Funktions­blöcke, werden anschließend zu ausführbaren Applikationen zusammengeführt. So können Roboterprogramme fünfmal schneller als mit textbasierter Program­mierung erstellt werden. Bereits erstellte Programme lassen sich einfach aus der Cloud laden, Roboter sind damit innerhalb von Minuten umprogrammierbar. So wird der Einsatz von Robotern auch bei geringen Stückzahlen, schwankender Auftragslage und hoher Variantenvielfalt rentabel.

Die Programmbausteine sind unabhängig vom Roboterhersteller und sonstiger Hardware. Die Software drag&bot unterstützt bereits ABB, Denso, Epson, Fanuc, Kuka, Mecademic, Stäubli, Yaskawa und Universal Robots sowie diverse Greifer, Schraubwerkzeuge, sonstige über I/Os ansteuerbare Werkzeuge und verschiedene Kameras sowie Bildverarbeitungsbibliotheken. Die Integration weiterer Werkzeuge und Peripheriegeräte geht kontinuierlich weiter. Der modulare Aufbau der Software erleichtert diese Integrationsprozesse.

Pro Roboter ist je ein handelsüblicher, leistungsfähiger Industrie-PC notwendig, auf dem die Software ausgeführt wird. An dem PC, der in der Roboterzelle verbaut wird, wird die relevante Hardware per Ethernet-Kabel oder USB angeschlossen. Hardware mit I/O Interface kann über ein I/O-Modul, die Schnittstellen des Roboter-Controllers oder über eine SPS eingebunden werden.

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2. Roboter in der Automobilindustrie

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