SEW-Eurodrive

Raus aus dem Schaltschrank!

10. März 2022, 9:55 Uhr | Andrea Balser
Die Firma Rotte baut Pressen, die unter Druck und Temperatur einzelne Werkstoffblätter zu mehrlagigen Leiterplatten für die Elektronikindustrie laminieren.
Die Firma Rotte baut Pressen, die unter Druck und Temperatur einzelne Werkstoffblätter zu mehrlagigen Leiterplatten für die Elektronikindustrie laminieren.
© Shutterstock

Der Blick in den Maschinenbau zeigt, wie sich mit dezentraler Technik auch Modularisierung erreichen lässt. Vor allem im Sondermaschinenbau bietet sie mehr Flexibilität in der Planung, bei der Inbetriebnahme sowie im Arbeitsalltag.

Zwei maßgebliche Argumente, die für die Ausrüstung von Anlagen mit dezentraler Antriebstechnik sprechen, sind die Modularisierung und Standardisierung der Schnittstellen. Zusätzlich können Verkabelung und Schaltschrankvolumen eingespart werden. Ein Anwendungsbeispiel des Sondermaschinenbauers Ulrich Rotte Anlagenbau und Fördertechnik aus Salzkotten zeigt die Möglichkeiten der dezentralen Technik. Das Unternehmen setzt dabei auf den dezentralen Regler Movimot aus dem Automatisierungsbaukasten Movi-C sowie auf Motoren von SEW-Eurodrive.

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Per Sauggreifer setzt ein Roboter Trennbleche zwischen dem Handling-Lift des vertikalen Speichers und der Rollenbahn um.
Per Sauggreifer setzt ein Roboter Trennbleche zwischen dem Handling-Lift des vertikalen Speichers und der Rollenbahn um.
© Rotte

Die Antriebe sind es, mit denen Rotte den kompletten Materialfluss für die Herstellung technischer Laminate antreibt. Dafür baut ein Hersteller aus dem Schwarzwald Pressen, die unter Druck und Temperatur einzelne Werkstoffblätter zu mehrlagigen Leiterplatten für die Elektronikindustrie laminieren. Rotte übernimmt das komplette Handling beim Bestücken und Entleeren der Pressen sowie den vor- und nachgelagerten Materialfluss. Flexibilität ist gefragt. Das heißt für den Hersteller von Fördertechnik, dass sich mit den Reglern gleichermaßen gesteuerte wie geregelte Applikationen realisieren lassen.

Dezentrale Antriebstechnik

Hier sind Präzision und Dynamik gefragt: Für das Hubwerk setzt Rotte auf ‚Movimot flexible‘ mit ‚Movilink DDI‘ und ‚Movikit positioning‘.
Hier sind Präzision und Dynamik gefragt: Für das Hubwerk setzt Rotte auf ‚Movimot flexible‘ mit ‚Movilink DDI‘ und ‚Movikit positioning‘.
© SEW/Sienk

SEW-Eurodrive bietet den Umrichter Movimot innerhalb des Automatisierungsbaukastens Movi-C in drei unterschiedlichen Varianten an: ‚flexible‘, ‚advanced‘ und ‚performance‘. Dieser Dreiklang kommt bei Rotte zum Einsatz: Als abgesetzter Umrichter (flexible) oder direkt mit dem Motor verbunden (advanced) übernimmt Movimot die klassischen Aufgaben eines dezentralen Frequenzumrichters. Welche Version letztendlich zum Einsatz kommt, darüber entscheidet die Applikation vor Ort – vor allem hinsichtlich des verfügbaren Platzes. Die robusten Geräte in Schutzart IP54 unterstützen bei Positionierungen. Diese Aufgaben fallen üblicherweise in den Bereich der Servotechnik, aber auch dafür verwendet Rotte Movimot in der Ausbaustufe ‚performance‘, da diese servotypische Eigenschaften aufweisen. Bisher benötigte der Hersteller für Positionierachsen immer noch einen Schaltschrank, der fällt mit den dezentralen Antrieben nun weg.

Beispiel für eine abgesetzte Lösung aus Getriebemotor und dezentralem Movimot.
Beispiel für eine abgesetzte Lösung aus Getriebemotor und dezentralem Movimot.
© SEW/Sienk

Die Motion Control setzt Befehle der übergeordneten SPS im Zusammenspiel mit den integrierten Multi-Turn-Absolutwertgebern in eine Positionierung um. Die Rechenintelligenz entlastet damit die Steuerung. Weil die Bewegungsführung losgelöst von der Steuerungsebene definiert ist, bildet die Bewegungssteuerung auch die Basis dafür, Anlagenmodule autark zu projektieren.

Anschlussbox für zwei Kabel

Die Vorteile werden beim Blick in die Vergangenheit deutlich: Für die Antriebe eines Hubliftes war bis dato ein Schaltschrank mit den Maßen 760 × 600 × 250 mm³ notwendig. Bei den autark arbeitsfähigen Modulen hängt stattdessen weiter unten eine kleine Anschlussdose für zwei Kabel für die Energieversorgung sowie der Profinet-Kommunikation. Alles andere ist dezentral gelöst. Ein weiterer Vorteil ist die Flexibilität der Antriebe auch auf I/O-Ebene: Alle drei Varianten des Movimot sammeln in der Materialflussanlage die Signale der Sensoren ein, die in ihrer unmittelbaren Nähe eingebaut sind. Die Signale werden gebündelt und per Profinet an die Anlagensteuerung übergeben. Unabhängig der Zahl der Sensoren schafft dieser Aufbau eine Standardschnittstelle und hilft darüber hinaus, bei der Installation Kabel einzusparen.

Dezentraler Umrichter als dezentrale I/O-Station: Der Movimot sammelt die Signale der Sensoren in unmittelbarer Nähe ein und schickt sie per Profinet gebündelt an die Steuerung.
Dezentraler Umrichter als dezentrale I/O-Station: Der Movimot sammelt die Signale der Sensoren in unmittelbarer Nähe ein und schickt sie per Profinet gebündelt an die Steuerung.
© SEW/Sienk

Standardisierung aufgrund der Multifunktionalität der dezentralen Antriebe ist für den Sondermaschinenbauer gerade deshalb wichtig, weil es sich bei den Anlagen in der Regel um Unikate handelt: Es gibt Sondermaschinen, bei denen während der Inbetriebnahme noch kundenseitig Änderungswünsche einfließen, die durch die Flexibilität der Antriebe berücksichtig werden können. Die Möglichkeit, die Movimot-Geräte per Profinet in den Kommunikationsverbund aufzunehmen sowie über die onboard verfügbaren Ein- und Ausgänge unterschiedliche digitale Sensoren anzuschließen, schafft Freiheiten. Der Maschinenbauer kann dadurch in eine bestehende Installation einen Antrieb dazwischen bauen, Sensoren und weitere Aktoren einbinden und dann neu ausprobieren.


  1. Raus aus dem Schaltschrank!
  2. Flexible Sicherheitstechnik
  3. Interview mit Udo Marmann

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