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Artikel und Hintergründe zum Thema

Forschung zu Daten und Herrschaft

Andrea Gillhuber,

FAU untersucht Chinas Datenpraktiken

Ein Forschungsprojekt der FAU Erlangen-Nürnberg analysiert historische Datenpraktiken in China über mehr als 2000 Jahre. Im Fokus stehen frühe Verwaltungs- und Informationssysteme sowie deren Bedeutung für heutige Debatten über KI, Big Data und digitale Kontrolle.

Ein neues Forschungsprojekt an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersucht die Geschichte staatlicher Datenerfassung in China und zieht Verbindungen zu aktuellen Diskussionen über Künstliche Intelligenz, Big Data und digitale Machtstrukturen. Das Projekt „Towards a Chinese History of Data“ ist am Lehrstuhl für Sinologie mit Schwerpunkt Geistes- und Kulturgeschichte Chinas angesiedelt. Gefördert wird es von der VolkswagenStiftung mit knapp 325.000 Euro. Die Laufzeit reicht von April 2026 bis September 2027. Geleitet wird das Forschungsvorhaben von Dr. Chun Xu und Co-Projektleiterin Sijia Cheng. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Daten über Jahrhunderte hinweg zur Verwaltung und Steuerung von Gesellschaften genutzt wurden – lange vor dem digitalen Zeitalter.

Das Projekt untersucht unter anderem Haushaltsregister, Landvermessungen, Steuerlisten und Bevölkerungszählungen aus verschiedenen historischen Epochen Chinas. Nach Angaben der Forschenden zeigen die Quellen, dass Staaten bereits vor Jahrhunderten komplexe Informationssysteme nutzten. „Viele Debatten über Big Data tun so, als seien datengetriebene Gesellschaften ein völlig neues Phänomen“, sagt Dr. Chun Xu. „Dabei arbeiteten Staaten schon vor Jahrhunderten mit hochkomplexen Informationssystemen.“

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Ein Schwerpunkt liegt auf dem sogenannten Huji-System, einer frühen Form staatlicher Haushaltsregistrierung. Bereits während der Qin-Dynastie im 3. Jahrhundert v. Chr. erfasste die Verwaltung Wohnorte, Haushaltsgrößen, sozialen Status und daraus resultierende Pflichten der Bevölkerung. Die Register regelten unter anderem Steuerpflichten, Militärdienst und Bewegungsfreiheit. Nach Angaben der Forschenden dienten solche Systeme nicht nur der Beschreibung gesellschaftlicher Verhältnisse, sondern beeinflussten diese aktiv. Das Projekt untersucht daher auch, wie Kategorien, statistische Erfassungen und Verwaltungstechniken politische Wirklichkeiten formten.

Neben frühen Verwaltungsdaten analysiert das Team groß angelegte Vermessungs- und Statistikprojekte der Song-Dynastie sowie moderne Formen quantitativer Erfassung im 19. und 20. Jahrhundert. Dabei sollen historische Parallelen zu heutigen digitalen Verwaltungssystemen und algorithmischen Bewertungen sichtbar werden. Sijia Cheng verweist insbesondere auf die gesellschaftliche Prägung von Daten: „Daten sind gemacht, nicht einfach gegeben.“

Nach Einschätzung der Forschenden zeigt der historische Vergleich zudem, dass große Datensysteme stets mit Problemen wie unübersichtlichen Informationsmengen, fehlerhaften Datensätzen und begrenzter Kontrollierbarkeit konfrontiert waren. Das Projekt soll damit auch aktuelle Debatten über KI, Überwachung und digitale Verwaltung historisch einordnen.

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