Dr. Steffen Haack, Bosch Rexroth
Die gesamte Maschine elektrifizieren
Die Maschinenbauer stehen unter enormem Druck, die Time-to-Market ihrer Produkte zu verkürzen. Die Maschine komplett elektrifizieren und möglichst viele Funktionen in Software zu gießen, empfiehlt Dr. Steffen Haack von Bosch Rexroth.
Herr Dr. Haack, warum ist eine Beschleunigung und Vereinfachung des Engineering-Prozesses so dringlich?
■ Wir erleben immer kürzere Konjunkturzyklen mit schärferen Ausschlägen als je zuvor. Maschinenanwender investieren darum wesentlich kurzfristiger und erwarten kürzeste Lieferzeiten. Maschinenhersteller stehen unter einem sehr hohen Druck, ihre Time-to-Market für neue Maschinenkonzepte zu verkürzen. Darum haben wir bei Rexroth ein Wachstumsprogramm gestartet, das sich genau auf diese Anforderung konzentriert.
Wie lässt sich dies bewerkstelligen?
■ Der einzig sinnvolle Weg ist, die gesamte Maschine zu elektrifizieren, um Funktionen in die Software zu verlagern. Das gilt auch für Hydraulik und Pneumatik. Gerade in Multitechnologielösungen, in denen verschiedene Antriebstechnologien zusammen arbeiten, steckt ein enormes Einsparpotenzial. Wir verdoppeln darum innerhalb der nächsten achtzehn Monate die Zahl unserer Entwickler für Elektronik und Software.
Steigt damit nicht auch die Komplexität?
■ Im Gegenteil: Eine mechanische Schreibmaschine ist vordergründig ganz einfach zu bedienen. Aber wenn es darum geht, umfangreiche Texte zu schreiben und zu formatieren, sind Sie mit einem modernen Textprogramm viel schneller, fehlerfreier und flexibler. Genau darauf konzentrieren wir uns mit unserem Wachstumsprogramm: Wiederverwendbare Programmbausteine, automatische Fehlerkorrektur und vordefinierte Technologiefunktionen. Darin steckt ein enormes Potenzial, die Komplexität zu reduzieren. Damit spart der Maschinenhersteller von der Idee bis zur Auslieferung locker 50 bis 80 % der Zeit, die er bislang braucht.
Gibt es schon konkrete Ergebnisse?
■ Haack: Im Systembaukasten „EasyHandling“ haben wir den Inbetriebnahmeaufwand für elektrische Achsen von 90 auf drei Minuten reduziert. Das Geheimnis ist ein Software-Assistent, der alle wichtigen Daten der angeschlossenen Mechanik erkennt. Umgerechnet schafft der Inbetriebnehmer bei einem 5-Achs-System damit sein Tages-Pensum in einer Viertelstunde.
Andreas Knoll, Markt & Technik










