nachgehakt! Ein Interview mit Corinna Krestel, Workiva
„Nachhaltigkeit muss prüfbar sein"
Die Umsetzung der CSRD stellt Unternehmen vor Herausforderungen, doch viele nutzen die Chance, ihre Berichterstattung zukunftsfähig aufzustellen. Corinna Krestel, Senior Consultant bei Workiva, spricht über den Stand der Dinge, ungelöste Fragen und den Weg zu vergleichbaren Nachhaltigkeitsdaten.
Wie vergleichbar sind Nachhaltigkeitsdaten, wenn über 90 % der Unternehmen interne Kontrollsysteme zwar einführen, die CSRD aber noch nicht national umgesetzt ist?
Corinna Krestel: Auch wenn die hohe Verbreitung interner Kontrollsysteme vielversprechend ist, muss klar sein: Diese Systeme sind nur so belastbar wie die zugrundeliegenden Standards – und deren Überprüfung. Da die CSRD noch nicht in allen EU-Staaten vollständig umgesetzt ist, befinden wir uns in einer Übergangsphase. Unternehmen arbeiten daher mit unterschiedlichen Auslegungen, was die Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsdaten erschwert.
Auf der Amplify-Konferenz von Workiva Anfang Mai brachte es ein Kunde treffend auf den Punkt: "Integrierte Berichterstattung macht den Mehrwert sichtbar – und zwingt uns, Geschäfts- und Nachhaltigkeitsstrategien gemeinsam zu denken." Solange keine vollständige rechtliche Harmonisierung besteht, bleiben gewisse Unterschiede unvermeidlich. Entscheidend ist, jetzt prüfungsreife, belastbare Prozesse aufzubauen.
Deuten hohe Implementierungsraten wie 98 % bei Due-Diligence-Prozessen eher auf Selbstauskünfte oder strategisches Reputationsmanagement statt auf objektive Maßnahmen hin?
Diese Sorge ist durchaus berechtigt. Doch Unternehmen, die aktuell unter der CSRD berichten, verfügen meist über etablierte Verfahren in der Finanzberichterstattung – viele übertragen diese bereits auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung, zumal finanzielle und nicht-finanzielle Kennzahlen nun im selben integrierten Bericht erscheinen. Wir beobachten eine klare Entwicklung hin zu mehr Transparenz und unabhängiger Prüfung. Die Plattform von Workiva unterstützt die Sorgfaltspflicht, indem sie Unternehmen hilft, Prozesse sauber zu dokumentieren, Prüfpfade anzulegen und sich nahtlos mit Drittanbietern zu verbinden.
Verwässert das Omnibus-Verfahren die Nachhaltigkeitsberichterstattung – besonders bei KMU?
Die angekündigte Vereinfachung ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist der Abbau von Bürokratie dringend nötig – besonders für KMU. Der Omnibus-Prozess verfolgt das Ziel, die Berichterstattung auf das Wesentliche zu fokussieren – ein sinnvoller Ansatz. Doch eine zu starke Vereinfachung birgt das Risiko, die Tiefe der Offenlegungen zu beeinträchtigen. Die Herausforderung liegt darin, eine Balance zu finden: Berichte praktikabel zu gestalten, ohne Qualität und Aussagekraft zu verlieren. Ziel ist es, dass die Vereinfachung das Prinzip der doppelten Materialität stärkt – nicht schwächt.
Am wichtigsten bleibt: Verlässliche, ganzheitliche Daten helfen Führungskräften, Effizienz- und Renditechancen zu erkennen. Und Stakeholder – ob Investoren, Kunden oder Mitarbeitende – fordern immer stärker transparente Nachhaltigkeitsinformationen, unabhängig von regulatorischen Pflichten. Laut dem ‚2025 Executive Benchmark Survey Report‘ von Workiva sehen 97 % der Führungskräfte Nachhaltigkeitsberichte in zwei Jahren als klaren Geschäftsvorteil. 85 % planen, Emissionen offenzulegen – selbst wenn politische Vorgaben ausbleiben.
Ist der digitale Transformationsaufwand für KMU langfristig tragfähig?
Datenschutz, Datenqualität und technische Komplexität sind im heutigen Berichtswesen unverzichtbar. Doch Transformation erfordert auch Investitionen in Fähigkeiten und eine Kultur datengestützter Entscheidungen. Damit diese Entwicklung nachhaltig ist, brauchen KMU kontinuierliche Unterstützung, Schulung und Zugang zu den richtigen Tools. Der nächste Schritt ist KI: Eine KI-gestützte Plattform kann Arbeitsabläufe deutlich optimieren und die Qualität von Offenlegungen steigern. Werden Unternehmensdaten sicher verwaltet, kann KI Datenmanager zu Analysten und Autoren zu Prüfern und Genehmigern machen.
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CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) ist eine EU-Richtlinie, die Unternehmen verpflichtet, ausführlich und einheitlich über ihre Nachhaltigkeitsleistungen zu berichten. Sie erweitert die bisherige NFRD (Non-Financial Reporting Directive) und schreibt vor, dass große Unternehmen – und später auch weitere – Informationen zu Umwelt, sozialen Aspekten und Unternehmensführung (ESG) offenlegen müssen. Ziel: Mehr Transparenz für Investoren, Kunden und die Öffentlichkeit über die ökologischen und sozialen Auswirkungen von Unternehmen. |










