Kabel und Leitungen
Lapp automatisiert Servokonfektion
In Kooperation mit dem Steckverbinder-Spezialisten Intercontec hat der Kabelhersteller Lapp ein neues Konzept zur automatisierten Konfektion von Servoleitungen umgesetzt. Neben technischen Vorteilen soll damit auch eine höhere Prozessstabilität in der Fertigung einhergehen.
Die Antriebstechnik im Allgemeinen und die Servotechnik im Besonderen sind ein lukrativer Markt: Rund 7,2 Millionen Einheiten sollen nach Einschätzung der Analysten von MarketsandMarkets in 2015 weltweit installiert werden. Entsprechend viele Motoren gilt es mit den dazugehörigen Drives zu verbinden – und zwar mit den entsprechenden Power- und Signalleitungen. "In diesem Markt wollen wir uns in Zukunft mit Fokus auf unser strategisches Kerngeschäft – den Maschinen- und Anlagenbau – verstärkt positionieren", so Werner Becker, Geschäftsführer von Lapp Systems. Voraussetzung hierfür sei zum einen, weltweit eine gleiche Qualität der Leitungen anbieten zu können. Zum anderen stelle sich die Frage, wie sich angesichts der Tatsache, dass die (normativen) Anforderungen im internationalen Vergleich fast gleich seien, Servoleitungen künftig rationeller herstellen lassen.
Die Antwort hierauf liefert Lapp mit einer neu entwickelten Generation von Servokonfektionen, welche die Stuttgarter auf der Hannover Messe 2015 erstmals vorstellten. Von Anfang an in den Entwicklungsprozess eingebunden war die Firma Intercontec, die in enger Abstimmung mit Lapp passende Steckverbinder entwickelte. In einem von Lapp eigens dafür konzipierten beziehungsweise automatisierten Verarbeitungsprozess werden diese mit den entsprechenden Kabeln und Leitungen zur neuen Generation von Servokonfektionen verarbeitet.
Der besondere technische Vorteil gegenüber bisherigen Servokonfektionen liegt laut Technik-Vorstand Georg Stawowy unter anderem in der 360-Grad-Schirmabdeckung gegen elektromagnetische Störungen. Diese wird erst durch das automatisierte Fertigungsverfahren möglich, bei dem die Ummantelung des Kabels entfernt, die Schirmung leicht aufspreizt und rundherum ein Kontakt zum neuen Stecksystem herstellt wird. "Die elektromagnetische Abschirmung ist damit messbar besser2 so Stawowy. Einziger Nachteil: Das automatisierte Verfahren erlaubt bis dato nur die Konfektion gerader, nicht aber abgewinkelter Stecker.
Basierend auf dem neuen Konzept will Lapp in den kommenden Monaten sukzessive Varianten für alle gebräuchlichen Antriebs-Standards einführen. Als erstes kommt ab Juni die Lösung mit Stecker nach Siemens-Standard auf den Markt. In der Folge sind sieben weitere Steckertypen vorgesehen, die alle in der Industrie gängigen Standards abdecken. Alle Varianten werden in einer breiten Auswahl an Steckergrößen von M15 bis M58 und Kabelquerschnitten von 1,5 mm² bis 10 mm² verfügbar sein. Dazu hat der Maschinen- und Anlagenbauer die Wahl zwischen drei Performance-Klassen: Basic Line (PVC) für einfache bewegte Anwendungen, Core Line (PUR) für mittlere dynamische Anwendungen und Extended Line (PUR) für hoch dynamische Anwendungen beziehungsweise für lange Verfahrwege.
Gefertigt werden die sogenannte 'Ölflex Connect Servo'-Konfektionen zunächst am Hauptstandort in Stuttgart. In weiteren Schritten will Lapp dann spezialisierte Produktionsstätten in Asien und Nordamerika aufbauen, in denen die neuen Lösungen in gleichbleibender Qualität gefertigt werden. Laut Stawowy sei Lapp damit der einzige Hersteller, der diese Fertigungstiefe bei Servokonfektionen auf drei Kontinenten abbilden könne. Bei einem anderen Trend in der Antriebstechnik – nämlich dem Einsatz von Hybridkabeln anstelle separater Signal- und Powerleitungen – ist man im Haus Lapp zumindest derzeit noch zurückhaltend. Werner Becker hierzu: "Wenn ein Antriebshersteller dies will, machen wir das punktuell – aber nicht flächendeckend."










