MVTec Software / Stemmer Imaging
Quo vadis Bildverarbeitung?
Die beiden Automatisierungsanbieter B&R und Beckhoff integrieren Machine Vision direkt in ihre Steuerungsarchitekturen. Was bedeutet das für reine Bildverarbeitungsanbieter? Peter Keppler (Stemmer Imaging) und Dr. Maximilian Lückenhaus (MVTec) beziehen Stellung.
Peter Keppler: "Egal von welcher Seite man sich der Bildverarbeitung nähern möchte: Hersteller-unabhängige Beratung bei der Auslegung ist das A und O."
© Stemmer ImagingStehen Bildverarbeitungs-Anbietern schwere Zeiten bevor?
Keppler: Für die Umsetzung von Industrie 4.0 und die digitale Transformation ist die Bildverarbeitung eine entscheidende Schlüsseltechnologie. Gerade auch die Implementierung des OPC-UA-Standards führt die Bildverarbeitung und die Automatisierungstechnik noch näher zusammen. Insofern ist es nur ein logischer Schritt, dass sich auch Automatisierungsanbieter tiefer mit der Bildverarbeitung beschäftigen. Schwere Zeiten stehen Spezialisten für die Bildverarbeitung damit keineswegs bevor. Im Gegenteil – es wird in Zukunft noch wichtiger, dass Anwender sich auf die Beratung durch kompetente Partner wie etwa Stemmer imaging verlassen können.
Dr. Lückenhaus: Wir begrüßen und fördern, dass die beiden Welten industrielle Bildverarbeitung und Automatisierung weiter zusammenwachsen, damit Synergie-Effekte wie einfacheres und schnelleres Handling immer mehr Anwendern zugutekommen. Für MVTec als reinen Software-Anbieter für Machine Vision bieten sich spannende Kooperationsmöglichkeiten mit Unternehmen aus der Automatisierungsbranche. Und wir freuen uns, dass die Automatisierer diese auch aufgreifen. So integrieren diverse Vision-Sensor-Hersteller unsere Softwarebibliothek ‚Halcon‘ bereits standardmäßig in ihre Smart-Sensoren. Aus unserer Sicht sollte im Zeitalter von Industrie 4.0 die durchgängige Kommunikation innerhalb von automatisierten, industriellen Prozessketten und somit ganzheitliche Workflows ein selbstverständliches Ziel sein. So unterstützen unsere Software-Produkte standardmäßig den OPC-UA-Standard.
Dr. Maximilian Lückenhaus: "Um die Integration von Bildverarbeitung und Automatisierung voranzutreiben, engagieren wir uns aktiv in der OPC-Vision-Initiative des VDMA."
© MVTec SoftwareWo sehen Sie Grenzen für komplett integrierte Systeme?
Keppler: Diese Fragestellung gibt es seit der Einführung der ersten intelligenten Kameras. Damals ließ sich aber noch sehr klar zwischen frei programmierbaren, leistungsfähigen PC-Multikamera-Systemen und parametrierbaren, kompakten Smart-Kameras unterscheiden. Doch gerade die Möglichkeiten der aktuellen Embedded-Architekturen auf Basis von ARM-Plattformen und Linux-OS lassen die Grenzen zunehmend verschwimmen. Heutzutage ist es daher nicht mehr zielführend, über theoretische Grenzen einzelner Systeme zu sprechen. Viel wichtiger ist vielmehr, dass die Applikation des Kunden bei der Systemauslegung im Mittelpunkt steht.
Dr. Lückenhaus: Die Grenzen verschieben sich quasi fast täglich. Und der Trend kommt der Automatisierung stark entgegen beziehungsweise geht klar hin zur Einfachheit in der Handhabung, sodass auch Nicht-Machine-Vision-Experten einfach IBV-Anwendungen erstellen und implementieren können. MVTec versucht, die Grenzen mit jedem neuen Software-Release weiter in diese Richtung zu verschieben.
Künftige Vision-Systeme sollen auch von Vision-Laien bedienbar sein. Wo positionieren Sie sich in diesem Umfeld?
keppler: Für einfachste Anwendungen lassen sich Vision-Sensoren natürlich so gestalten, dass sie von ‚Vision-Laien‘ bedient werden können. Es sind aber nicht alle Aufgaben so einfach lösbar – und ich halte es auch nicht für zielführend, eine Zukunftstechnologie nur auf diesen einzelnen Aspekt herunterzubrechen. Meines Erachtens ist es viel wichtiger, dass einerseits die Bedienbarkeit der Systeme genau auf den Zielanwender zugeschnitten ist, und dass andererseits die Anwender auf Bildverarbeitung allgemein und die Systeme spezifisch geschult werden.
Dr. Lückenhaus: Es geht nicht nur darum, die Anwendung von Bildverarbeitung zu erleichtern, sondern auch die Entwickler für die Erstellung von Applikationen auf Embedded-Devices bestmöglich zu unterstützen. So läuft zum Beispiel ‚Halcon‘ ab Version 13.0.1 standardmäßig auf allen Arm-basierten Plattformen mit dem Betriebssystem Linux ohne weitere Portierungsmaßnahmen. In Form von ‚Halcon Embedded‘ kann die Software grundsätzlich auf Embedded-Plattformen wie Android, BeagleBoard-xM oder DragonBoard sowie weitere Embedded-Systeme portiert werden.














