Bildverarbeitung

Peter Stiefenhöfer | Inka Krischke,

Embedded-PC statt intelligente Kameras

Bei Aluminiumbehältern, die unter anderem der Verpackung von Tiernahrung und Lebensmitteln dienen, muss die Qualitätssicherung lückenlos und verlässlich sein – realisierbar ist dies beispielsweise mit Hilfe von Bildverarbeitung und Embedded-PCs.

© Leuthold Mechanik

Die Schweizer Firma Leuthold Mechanik (HLM) baut Anlagen zur Herstellung von Aluminiumbehältern, die unter anderem zur Verpackung von Tiernahrung oder Lebensmitteln genutzt werden. Aluminium bietet sich als Material für solche Behälter unter anderem deshalb an, weil es gasdicht ist und der Inhalt sich daher länger lagern lässt. Zudem ist Aluminium recycelbar und dadurch nachhaltiger als Plastik, das nicht gasdicht ist und darüber hinaus durch den Zusatz von Weichmachern auch nicht als gesundheitlich unbedenklich eingestuft werden kann. Da die Aluminiumdosen zusätzlich beschichtet sind, haben die Lebensmittel keinen direkten Kontakt mit dem Aluminium.

„Unsere Anlagen produzieren jedoch nicht nur Behälter für Tiernahrung, sondern verschiedenste Formen von Aluminiumschalen für die Aufnahme unter anderem von Konfitüren, Pasteten oder Kaffeepulver“, erläutert Mathias Leuthold, der im Familienunternehmen für die Leitung des Werkzeug- und Maschinenbaus verantwortlich ist. Auch für gänzlich andere Substanzen wie zum Beispiel Brennpasten oder Verpackungen medizinischer Produkte wie Inhalatoren hat das Unternehmen bereits Anlagen entwickelt.

Voraussetzung für das Stanzen dünnwandiger Behälter, deren Abmessungen zwischen 60 und 120 mm in der Breite sowie zwischen 60 und 200 mm in der Länge variieren können, ist qualitativ hochwertiges Aluminiumfolien-Material. Die fertig gestanzten Behälter werden Inline zu den modular eingebauten Kontroll- und Stapler-Anlagen weitertransportiert.

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Qualitätskontrolle essenziell

Das Anlagenmodul für die Qualitätskontrolle besteht aus vier parallelen Linien mit versetzt angeordneten Bildverarbeitungsstationen.

© Leuthold Mechanik

120 Mal pro Minute hebt und senkt sich im 3-Schicht-Betrieb der Stößel der Presse im Kompetenz-Center der HLM und spuckt nach jedem Hub vier fertige Pet-Food-Behälter aus. Eine solche Anlage produziert somit pro Minute 480 Behälter aus Aluminium. Nachdem die Behälter in der Presse in einem einzigen Hub in die fertige Form gebracht wurden, werden sie ausgeblasen und Inline über Transportriemen und mechanische Bahnen zu den Modulen transportiert, in denen die Qualitätskontrolle erfolgt. „Aluminium ist als Basismaterial relativ teuer, daher sollen die Behälter möglichst dünnwandig sein, um die Kosten gering zu halten. Andererseits steigt mit abnehmender Materialstärke die Gefahr, dass während des Umformvorgangs aufgrund von Einschlüssen im Rohmaterial oder wegen zu hoher Spannungen bei der Umformung Löcher entstehen, die den Behälter undicht und somit unbrauchbar machen“, erläutert Mathias Leuthold den Grund, warum jeder einzelne Behälter überprüft werden muss. „Wir müssen jeden fehlerhaften Behälter erkennen und aussortieren, da ansonsten beim Beispiel der Tiernahrung oder generell bei Lebensmitteln die Gefahr besteht, dass der Inhalt verdirbt.“

Aufgrund der hohen Fertigungsgeschwindigkeiten und der benötigten 100-%-Kontrolle dient die Bildverarbeitung als Werkzeug zur Qualitätsprüfung. HLM nutzt diese Technologie bereits seit über 20 Jahren: „Es gibt keine Anlage mehr, in der Bildverarbeitung nicht als zentrales Element der Prüfstationen eingesetzt wird“, bestätigt Mathias Leuthold.

Bildverarbeitung mit Embedded-PC

Zwei geöffnete Module der Anlage: Die unter den Transportbahnen angeordneten Kameras 'Genie Nano' von Teledyne nehmen im ...

© Leuthold Mechanik

... Durchlichtverfahren Bilder der Behälter auf. Die LED-Beleuchtungen befinden sich oberhalb der Transportbahn.

© Leuthold Mechanik

Bei der neuesten Anlagengeneration setzt das Schweizer Unternehmen nicht mehr wie bisher auf intelligente Kamerasysteme, sondern auf ein Embedded-PC-Bildverarbeitungssystem. „Bei der bisherigen Architektur mit ­intelligenten Kameras musste erst ein PC an die Anlage angeschlossen ­werden, um Fehlerbilder anzuzeigen oder statistische Auswertungen vorzunehmen. Nur so ließ sich beispielsweise überprüfen, ob auf einer der Linien mehr Fehler entstanden oder ob ein ­bestimmter Fehlertyp ­häufiger auftrat. Jetzt kann der Bediener solche Ten­denzen über einen Monitor direkt an der Anlage einfacher und schneller ­erkennen und die Fehlerquellen somit in kürzerer Zeit gezielt ausschalten.“

Realisiert wurde diese Möglichkeit über einen Ringbuffer, der im Embedded-System die jeweils letzten 20 Fehlerbilder speichert und auf Abruf anzeigt. Neben aktuellen Ergebnisbildern kann sich der Anwender dort zudem Statistiken über Fehlerarten und deren Häufigkeit, die Verteilung von Ausschuss auf die verschiedenen Bahnen sowie Bilder von fehlerhaften Behältern direkt am Anlagenbildschirm ansehen, was zu einer schnelleren Behebung von Fehlern durch geeignete mechanische Anpassungen an der Anlage beiträgt.

Ein weiterer Vorzug des Embedded-Bildverarbeitungssystems gegenüber den bisherigen intelligenten Kameras ist die bessere Anbindung an die MES-Systeme der Anwender, weil dies eine optimierte Kontrolle der Produktion und Vorteile bei der Datenerfassung ermöglicht.

An der geöffneten Klappe einer Prüfstation ist eine LED-Beleuchtung angebracht, die – ebenso wie die Kamera jeder Bahn – ausgelöst durch eine Lichtschranke getriggert wird.

© Leuthold Mechanik

Aus wirtschaftlicher Sicht lagen die Kosten für die früheren intelligenten Kamerasysteme etwa auf dem gleichen Niveau wie die des Embedded-PC-Systems.

Konkret genutzt wird in der neuen Anlagengeneration pro Linie die Kamera ‚Genie Nano‘ von Teledyne Dalsa, die über Lichtschranken getriggert wird. Ausgestattet mit einer passenden Optik von Lensation sind diese Kameras unterhalb der Transportbahnen angeordnet. Die ebenfalls per Lichtschranke getriggerten LED-Beleuchtungen sind oberhalb der Prüfstationen in die Anlagen integriert, so dass die Behälter im Durchlichtverfahren inspiziert werden können. Die Beleuchtung wurde von Stemmer Imaging speziell für die vorliegenden Anforderungen entwickelt. „Für diesen Einsatzfall waren eine bestimmte Größe und ein festgelegter Beleuchtungswinkel erforderlich. Da es keine Standardbeleuchtung gibt, die diese Anforderungen erfüllt, haben wir eine kundenspezifische Beleuchtung für Leuthold Mechanik entwickelt“, begründet Claudio Sager, Geschäftsführer der Schweizer Niederlassung von Stemmer Imaging, dieses Vorgehen.

Der Embedded-PC, der die Auswertung aller Bilder der vier Linien übernimmt und darüber hinaus über den so genannten ‚Real Time Manager‘ für die Steuerung der Anlage sorgt, ist eine Sonderanfertigung des Schweizer Elektronikherstellers Worx. Der Rechner muss pro Minute und Bahn 120 Bilder auswerten und die Ergebnisse innerhalb kürzester Zeit an die Ausschleusestationen weitergeben, damit fehlerhafte Behälter sofort aussortiert werden können. Die Auswertung der Bilder erfolgt über die Bildverarbeitungssoftware ‚Common Vision Blox‘ (CVB).

Autor:
Peter Stiefenhöfer ist freier Redakteur mit Schwerpunkt Bildverarbeitung.

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