Bildverarbeitung

Peter Stiefenhöfer | Inka Krischke,

Der Status quo von OPC UA Vision

Mit der Veröffentlichung der OPC UA Companion Specification für die industrielle Bildverarbeitung wird Industrie 4.0 nun auch für diese Branche konkret. Ein Überblick.

© Isra Vision

Dr. Horst Heinol-Heikkinen, Vorsitzender der ‚VDMA OPC Vision Initiative‘: „Die OPC UA Companion Specifications für Robotik und industrielle Bildverarbeitung sind ­Meilensteine auf dem Weg zu Interoperabilität und Industrie 4.0.“

© Asentics

Als „Meilenstein, um Maschinen in der intelligenten Fabrik der Zukunft die gleiche Sprache sprechen zu lassen“ bezeichnete Dr. Horst Heinol-Heikkinen die Veröffentlichung der OPC UA Companion Specifications für Robotik und industrielle Bildverarbeitung während der ‚automatica 2018‘ in München. Der Vorsitzende der ‚VDMA OPC Vision Initiative‘ ist davon überzeugt, dass Interoperabilität der Schlüssel zur Differenzierung von Produkten in einer vernetzten Industrie-4.0-Welt ist. Der designierte Standard OPC UA soll dabei als Kommunikationsbasis dienen und eine plattformunabhängige, interoperable und herstellerübergreifende Zusammenarbeit unterschiedlicher Maschinen und Systeme in der Produktion ermöglichen.

OPC UA ebnet den Weg zu Industrie 4.0

OPC UA steht für ‚Open Platform Communication Unified Architecture‘. In Zeiten schnell wachsender Anforderungen an die vernetzte, flexible Produktion im Sinne von Industrie 4.0 stellt dieser offene, Ethernet-basierte Standard eine Lösungsmöglichkeit für die Kommunikation und den Datenaustausch dar, die von nahezu allen relevanten Automatisierungsherstellern unterstützt wird. Die Liste der Firmen, die die OPC-UA-Aktivitäten fördern, ist dabei lang: Zu den über 600 Mitgliedern der OPC Foundation zählen Unternehmen aus der internationalen Automatisierungsbranche wie etwa ABB Automation, B&R Industrial Automation, Bosch Rexroth, Festo, Honeywell, IBM, KUKA, Microsoft, National Instruments, Omron, Schneider Electric, Sick, Siemens oder Yokogawa Electric.

Stark engagiert hat sich bei den OPC-UA-Aktivitäten auch der VDMA, seit März 2018 vollwertiges Corporate-Mitglied der OPC Foundation. Bereits ein Jahr zuvor hatte der VDMA einen eigenen branchenübergreifenden ‚Beirat Interoperabilität‘ gegründet, um seine OPC-UA-Aktivitäten zu koordinieren.

Ganz neu ist der Ansatz von OPC UA jedoch nicht: Bereits Ende 2006 wurde die erste Version veröffentlicht und seitdem immer weiter ausgebaut. Die OPC UA Companion Specifications für Robotik und industrielle Bildverarbeitung stellen somit die Erweiterungen für zwei wichtige Automatisierungsbereiche dar.

Definiert werden in OPC UA sowohl der Transport von Daten als auch Schnittstellen, Sicherheitsmechanismen und der semantische Aufbau der Daten. Beispiele solcher Maschinendaten sind unter anderem Sensordaten, Messwerte oder Steueranweisungen, die innerhalb einer Produktionsanlage anfallen und sowohl zwischen den Maschinen als auch mit übergeordneten System ausgetauscht werden.

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Spezifikation für die Bildverarbeitung

Um die für das Thema Industrie 4.0 sehr wichtige Bildverarbeitungstechnologie in die OPC-UA-Bemühungen zu integrieren, unterzeichnete der VDMA im Juni 2016 ein Memorandum of Understanding für die Entwicklung einer eigenen OPC UA Companion Specification für die Bildverarbeitung, kurz OPC UA Vision. Zwei Jahre später wurde sie nun fertiggestellt und veröffentlicht. Wesentliches Ziel dieser Aktivität war es, die Integration der Bildverarbeitungstechnologie in Automatisierungslandschaften zu vereinfachen und zum Beispiel eine schnellere und effektivere Anbindung von Vision-Systemen an Produktionsleit- und IT-Systeme sowie an Roboter und sonstige Automatisierungseinrichtungen zu ermöglichen.

OPC UA Vision erweitert die Möglichkeiten des Informationsaustausches zwischen  Bildverarbeitungssystemen sowie zwischen Bildverarbeitung und Maschinensteuerung, Linien-Controllern, Softwaresystemen oder zu SCADA-, MES- und ERP-Systemen.

© Asentics

Die Companion Specification stellt dabei laut Dr. Heinol-Heikkinen mehr als nur eine gewöhnliche Schnittstelle dar: „OPC UA Vision definiert als digitale Repräsentanz eines Bildverarbeitungssystems alle Eigenschaften und Merkmale von Bildverarbeitungssystemen. Dementsprechend geht es hier nicht nur um Daten und eine Datenschnittstelle, sondern vielmehr um Informationen, also die Inter­pretation und Bedeutung von Daten. Dies wird in einem so genannten Datenmodell für Bildverarbeitungssysteme abgebildet. Diesem Modell entsprechend werden Informationen zu strukturellen Eigenschaften eines Bildverarbeitungssystems und sind der erste Bestandteil der Companion Specification.“ 

OPC UA Vision besteht aus zwei wesentlichen Elementen: der ‚state machine‘ und dem Informationsmodell.

© Asentics

Das Datenmodell wurde dabei zunächst sehr ‚einfach‘ und allgemein gehalten, um die Vielfalt der existierenden Bildverarbeitungssysteme und ihrer Anwendungen abdecken zu können. Beschrieben sind dort die standardisierte Verwaltung von Rezepten, Konfigurationen und Ergebnissen. Diese drei zentralen Verwaltungsobjekte selbst und der methodische Umgang mit ihnen sind obligatorisch, wobei die Inhalte dieser Objekte herstellerspezifisch bleiben und wie Blackboxes behandelt werden. Diese generische Beschreibung des Informationsmodells ist damit zwar noch etwas ‚unscharf‘, bietet so jedoch auch einen wichtigen Vorteil: Es bildet eine gemeinsame Klammer um die Vielzahl der existierenden, unterschiedlichen Systeme und umfasst vom Vision-Sensor über die intelligente Kamera bis zum komplexen Inspektionssystem, von der Zeilenkamera über Flächenkameras bis zur 3D-Kamera, alle gängigen Produkte in Monochrom und Farbe. Sogar die Lichtschranke, die man als Bildverarbeitungssystem mit nur einem Pixel ansehen kann, ist hierdurch abgedeckt.

Da jedoch nicht zu jedem Zeitpunkt alle Informationen des Modells über ein Bildverarbeitungssystem von Interesse oder tatsächlich verfügbar sind, gibt es einen zweiten wesentlichen Bestandteil von OPC UA Vision: die Zustandsmaschine oder auch State-Maschine. Damit wird das Verhalten von Bildverarbeitungssystemen abstrahiert, das heißt, die möglichen Betriebszustände und Zustandsübergänge eines Bildverarbeitungssystems werden auf einem abstrakten Zustandsmodell mit einer festen Anzahl von Zuständen abgebildet. So ist jede Interaktion mit dem Bildverarbeitungssystem und der damit verbundene, konkrete Zugriff auf Information des Informationsmodells auch vom jeweiligen Zustand ­dieses Modells abhängig. Das Informationsmodell in Verbindung mit dem Zustandsmodell bildet somit die digitale Repräsentanz eines beliebigen Bildverarbeitungssystems.

Bildverarbeitungsanwender profitieren

Der Anwendungsbereich von OPC UA Vision soll nicht nur bestehende Schnittstellen zwischen Bildverarbeitungssystemen und der Prozessumgebung durch OPC UA ergänzen oder ersetzen, sondern auch nicht vorhandene horizontale und vertikale Integrationsfähigkeiten schaffen, um relevante Daten mit anderen autorisierten Prozessteilnehmern – wie zum Beispiel der IT-Unternehmensebene – auszutauschen. Zu diesem Zweck ermöglicht die OPC-UA-Vision-Schnittstelle den Transfer von Informationen zwischen verschiedenen Bildverarbeitungssystemen untereinander sowie die Informationsvermittlung zwischen Bildverarbeitung und Maschinensteuerung, Linien-Controllern oder beliebigen Softwaresystemen auf der Steuerungsebene sowie auf der höheren Ebene von MES-, SCADA- oder ERP-Systemen.

Der Mehrwert von OPC UA besteht generell in der Plattform- und Hersteller-unabhängigen Vernetzung von Automatisierungskomponenten. Einfach, standardisiert und sicher sollen alle eingesetzten Systeme miteinander kommunizieren, und diesen Anspruch hat auch OPC UA Vision. Für Anwender bedeutet dies eine schnellere Entwicklung von Bildverarbeitungssystemen sowie eine vereinfachte Konfiguration und Integration in bestehende Automatisierungssysteme. Da Sensorik und Bildverarbeitung zu den wesentlichen Informationsquellen in modernen Industrie-4.0-Produktionsanlagen zählen, stellt OPC UA Vision einen entscheidenden Baustein auf dem Weg zu einer effizienteren Fertigung dar.

Diese Einschätzung teilt auch Karlheinz Hohm, Vice President R&D Industrial Automation bei Isra Vision: „Durch die vereinfachte Integration von Bildverarbeitung in die Automatisierung werden Produktionsprozesse effizienter und gleichzeitig flexibler gemacht. Insbesondere ist dann keinerlei Expertenwissen mehr für die Integration und Benutzung notwendig, sodass Anwender ihre Produktion schnell und einfach selbst automatisieren können.“

Angesichts dieser offensichtlichen Vorteile verwundert es nicht, dass die Bemühungen um OPC UA Vision von der Industrie stark unterstützt werden. So bewertet beispielsweise Karlheinz Hohm die aktuellen Entwicklungen als positiven Ansatz hin zu einer allgemeinen, herstellerunabhängigen Schnittstelle. „Den Aktivitäten im Bereich OPC UA Vision messen wir eine besondere Bedeutung bei, da hierdurch die Integration von Bildverarbeitungssystemen für die Anwender vereinfacht und dadurch weitere Felder für deren Einsatz und die weitere Automatisierung erschlossen werden können.“ Isra Vision hatte sich folgerichtig in der ‚Core Working Group‘ der ‚VDMA OPC UA Vision Initiative‘ bei der Erarbeitung der ‚OPC UA Vision Companion Specification‘ aktiv engagiert.

Erweiterungspläne

Die in Part 1 von OPC UA Vision beschriebenen Definitionen zielen auf die Grundfähigkeiten des Systems und nicht auf die Bildverarbeitungsfähigkeiten, also nicht auf die Applikationssoftware, die zum Beispiel ein Code-Lese-System von einem Oberflächen-Inspektionssystem oder von einer Robot-Vision-Lösung unterscheidet. Diese Ebene in eine Beschreibung, sprich in eine Terminologie und Taxonomie zu bringen, um sie dann in fähigkeitsbasierten Informationsmodellen abzubilden, ist nach Ansicht von Dr. Heinol-Heikkinen sicherlich die Kür und der erforderliche nächste Schritt: „Dies wäre für mich persönlich ein anstrebenswertes Ziel, das der industriellen Bildverarbeitung helfen würde, ihren Produktstatus weiter auszubauen.“

Mit der Veröffentlichung von OPC UA Vision ist nach Dr. Heinol-Heikkinens Aussage nun „ein Anfang gemacht und ein Dach gebaut, unter dem viele unterschiedliche Systeme stehen können. Die Schärfung der Beschreibung ist eine Facette, die sicherlich noch folgen wird.“

Autor:
Peter Stiefenhöfer ist Inhaber der Firma PS Marcom Services in Olching.

Der Arbeitskreis ‚OPC UA Vision‘

An der Definition von ‚OPC UA Vision‘ waren die Firmen Asentics, Bosch, Isra Vision, Kuka, Peer Group, SAC, Silicon Software, Stemmer Imaging, Unified Automation und Vitronic beteiligt. Diese ‚Core Working Group‘ hat sich im Zeitraum von circa 18 Monaten zu intensiven Arbeitstreffen beim VDMA in Frankfurt eingefunden und zudem zahlreiche Web-Meetings abgehalten. Der gesamte Arbeitskreis, die so genannte ‚Total Working Group‘, bestand aus circa 60 Mitgliedern. Hier gab es innerhalb des Bearbeitungszeitraumes von 15 Monaten drei gemeinsame Treffen.

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